REUSSBÜHL: Schüler landet mit Helikopter auf Sportplatz

Sven Brinkhaus (17) ist der jüngste Heli-Pilot der Schweiz. Für seine Maturaarbeit ist er gestern in die Schule geflogen.

Raphael Gutzwiller
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Sven Brinkhaus in seinem Helikopter gestern auf dem Sportplatz der Kantonsschule Reussbühl. (Bild Boris Bürgisser)

Sven Brinkhaus in seinem Helikopter gestern auf dem Sportplatz der Kantonsschule Reussbühl. (Bild Boris Bürgisser)

Raphael Gutzwiller

Der Reussbühler Sven Brinkhaus kann noch nicht Auto fahren, ist aber mit 17 Jahren bereits Pilot. Damit ist er der jüngste Heli-Pilot der Schweiz überhaupt, wie Martine Reymond, Sprecherin des Bundesamts für Zivilluftfahrt, auf Anfrage bestätigt.

Stimmen die Wetterprognosen?

Gestern um 8.45 Uhr flog Sven Brinkhaus mit dem Helikopter vom Flugplatz Emmen zum Sportplatz seiner Kantonsschule Reussbühl – dies zum Abschluss seiner Maturaarbeit. Am Nachmittag präsentierte er seine Arbeit dann den Lehrpersonen. Bei der Maturaarbeit steht das Fliegen im Fokus. Oder besser gesagt: Das Fliegen ist Mittel zum Zweck. Das eigentliche Ziel der Arbeit war es, Wettervorhersagen auf deren Richtigkeit zu prüfen. Rund sieben Flüge machte Sven Brinkhaus im Rahmen der Maturaarbeit. Dabei wurden jeweils Temperatur, Druck und die Luftfeuchtigkeit gemessen. Und was ist dabei herausgekommen? «Die Wettervorhersagen stimmten zu rund 90 Prozent mit der Realität überein», sagt Brinkhaus. Das Wetter sei ein grosser Bestandteil des Fliegens. «Ein Pilot muss eigentlich auch Meteorologe sein», erklärt der 17-Jäh­rige.

Wetterglück hatte Brinkhaus gestern: «Noch am Sonntag dachte ich, der Flug könne wohl nicht durchgeführt werden.» Der Nebel vom Wochenende war aber am Montagmorgen wieder verschwunden, sogar die Sonne zeigte sich zum Wochenstart.

Mit 12 erstmals im Helikopter

«Schon immer faszinierten mich Flugzeuge und alles, was mit Fliegen zu tun hat. Mit 12 bekam ich dann einen Helikopterflug geschenkt», sagt Sven Brinkhaus. Da durfte er auch erstmals kurz an den Steuerknüppel. Eine Altersli­mite zum Fliegen von Helikoptern gibt es in der Schweiz keine. Zur praktischen Prüfung zugelassen und damit fähig, allein zu fliegen, sind Personen ab 17 Jahren. Am 7. Mai dieses Jahres – vier Tage nach seinem 17. Geburtstag – bestand Brinkhaus die praktische Prüfung mit Bravour. Es wird wohl nicht seine letzte Flugprüfung gewesen sein. Sein Ziel ist klar: «Ich möchte Militärpilot werden. Fliegen ist Freiheit in der Luft. Es ist unvergleichlich», erklärt der Hobbypilot. Dies, obwohl die Fliegerei in der Schweiz doch sehr reglementiert und geregelt sei.

Sven Brinkhaus ist Enkel von Hermann Beyeler, einem bekannten Kunstmäzen und Immobilienmakler. Seinen Grosseltern verdankt Brinkhaus denn auch die Möglichkeit, seinem teuren Hobby nachzugehen. «Ohne die Unterstützung meiner Grosseltern könnte ich nicht Helikopter fliegen. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar», sagt Sven Brinkhaus. Für seine Flüge mietet er jeweils einen Robinson R44 mit rund 280 PS.

Die Maturarbeit legt Sven Brinkhaus im Fach Geografie ab. Betreut wurde er dabei von seinem Lehrer Thomas Reutimann. Dieser ist sichtlich begeistert von der aussergewöhnlichen Maturaarbeit. «Für unsere Schule ist dies beinahe ein historischer Moment», sagt er. Eine solche Arbeit sei einzigartig und sorge für positive Schlagzeilen für die gesamte Schule. «Diese Maturaarbeit ist mit vielen Emotionen verbunden. Es ist immer schön, wenn jemand die Arbeit mit dem Hobby verbinden kann», erklärt Reutimann. «Dann wird die Arbeit auch meistens sehr gut.»

Maturaarbeit verursachte viel Lärm

Ganz problemlos sei die Heli-Arbeit aber nicht gewesen. «Die Lärmbelastung für die Kantonsschule selber und einen Kindergarten in der Nähe war ein kleines Problem», sagt Reutimann. Ein anderes sei die Chancengleichheit gewesen: «Andere Mitschüler erhalten natürlich nicht diese Möglichkeit, ihre Maturaarbeit zu präsentieren», sagt der Geografie- und Sportlehrer. Brinkhaus selber aber sagt: «Es gab keinerlei Probleme mit meinen Mitschülern wegen meiner Maturaarbeit.»

14 Flüge hat Brinkhaus im Rahmen der Maturaarbeit geplant, nur 7 davon konnten schlussendlich durchgeführt werden. «Die Wind- und Wetterverhältnisse liessen nicht immer einen Flug zu», erklärt er. Laut Reutimann sei gerade das ein wichtiger Teil der Arbeit gewesen: «Es braucht eine gewisse Reife, abschätzen zu können, ob geflogen werden kann, und dann richtig zu entscheiden.»