REUSSBÜHL: Toter vor dem Haus: War es ein Unfall?

Die Polizei hat am Samstag einen Mann im Gebiet Reusszopfweg tot vor einem Hauseingang aufgefunden. Schon vor wenigen Wochen kam es im Haus zu einem Zwischenfall.

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Die Spurensicherung der Polizei vor dem Hauseingang in Reussbühl. (Bild: Leserbild)

Die Spurensicherung der Polizei vor dem Hauseingang in Reussbühl. (Bild: Leserbild)

Das Einzige, was er trug, waren Boxershorts. Gemäss Augenzeugen muss der Schwarzafrikaner am Samstagmorgen kurz vor 7 Uhr aus dem Fenster eines mehrstöckigen Blocks, an der Hauptstrasse im Gebiet Reusszopfweg in Reussbühl, gefallen sein. Ob er geschubst wurde, selber sprang oder das Fallen die Folge von unglücklichen Umständen war, ist unklar. Die Luzerner Polizei bestätigt auf Anfrage den Todesfall – will sich aber nicht weiter äussern.

Kurz vor sieben Uhr Lärm gehört

«Ich bin gegen 6.45 Uhr erwacht und habe Lärm gehört», sagt ein Augenzeuge gegenüber unserer Zeitung. Er habe bei einer Kollegin übernachtet, im Hochhaus neben dem Haus, wo es zum Todesfall kam. «Ich hörte eine Frauenstimme, die hysterisch etwas von sich gab.» Den Wortlaut verstand er nicht. Kurz nach 7 Uhr habe er das Fenster geöffnet. «Ich sah zwei Polizisten, die um einen am Boden liegenden Mann herumstanden.» Daneben sass eine Frau, ganz in Weiss gekleidet, auf einem Stein vor dem Haus. «Mehrere Stunden haben die Polizisten mit ihr gesprochen. Danach wurde sie mitgenommen, aber ohne Handschellen.» Wie die Frau zum Toten steht, ist unklar. Fest steht: Die Bewohner des Wohnblocks sind laut dem Augenzeugen schon mehrfach aufgefallen. «Dass es lärmig zu- und hergeht, ist bekannt.»

Es sei traurig, dass es zu einem solchen Vorfall gekommen sei, sagt die Kollegin des Augenzeugen auf Anfrage. Zur Situation im Quartier sagt sie: «Es ist immer wieder irgendjemand am Streiten und Schreien, auch im kleinen Park nebenan.» Auch sei die Feuerwehr vor wenigen Monaten schon vor Ort gewesen mit einem Sprungtuch, offenbar wegen eines Suizidversuchs. Die damaligen Mieter seien inzwischen umgezogen. Verschiedene Nationen würden den Wohnblock bewohnen. Ob es sich um Asylsuchende handle, wisse sie nicht. Unklar bleibt derzeit, ob einige der Wohnungen im Block die Caritas Luzern gemietet hat, um dort Asylsuchende unterzubringen. Weder bei der Caritas noch beim Liegenschaftsbesitzer war gestern jemand zu erreichen.

Leiche war stundenlang sichtbar

Gegen 11 Uhr sei die Leiche des Mannes schliesslich von der Polizei mit einem Tuch zugedeckt und abtransportiert worden. Zuvor sei der Leichnam aber stundenlang jederzeit sichtbar gewesen, sagt die Anwohnerin. In der Nachbarschaft würden Familien wohnen. Sie fände dieses Vorgehen auch respektlos gegenüber dem Toten.

 

Christian Hodel