Reussportbrücke: Die Mehrheit der Parteien stützt den Luzerner Stadtrat

Bis auf die SVP stehen alle Parteien dem Projekt kritisch gegenüber. Einig sind sie sich trotzdem nicht alle.

Stefan Dähler
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Hier soll die Reussportbrücke zwischen den Gebieten St. Karli/Friedental und Fluhmühle entstehen.

Hier soll die Reussportbrücke zwischen den Gebieten St. Karli/Friedental und Fluhmühle entstehen.

Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 24. Oktober 2019)

Die Ablehnung der Reussportbrücke dürfte auch vom Luzerner Stadtparlament unterstützt werden. Das zeigt eine Umfrage unter den Parteien. Judith Dörflinger von der SP, welche die Anti-Spange-Nord-Initiative lanciert hatte, begrüsst die Haltung des Stadtrats, wie sie auf Anfrage schreibt: «Die Entwicklung der Mobilität in der Stadt Luzern wird in den nächsten Jahren weg vom Individualverkehr hin zu mehr ÖV und Langsamverkehr gehen müssen.» Die Verkehrsfläche in der Innenstadt könne nicht vergrössert, sondern müsse besser genutzt werden.

Die Grünen «begrüssen die Absicht des Stadtrats, im Dialog mit dem Kanton einen Neustart im Rahmen einer nachhaltigen Mobilitätsstrategie aufzugleisen», wie sie mitteilen. «Mit der Realisierung des Autobahnanschlusses Lochhof und der Reussportbrücke würde die Lebensqualität der schon heute unterprivilegierten anliegenden Quartiere stark verschlechtert.» Auch der «Basisausbau im Bereich Schlossberg ist aufgrund der massiven Auswirkungen auf das Quartier abzulehnen».

Erfreut zeigt sich auch die GLP, wie sie mitteilt. Die Brücke habe «keine verkehrsentlastende Wirkung». Ausserdem fehlten «konkrete Massnahmen dazu, wie der ÖV und der Langsamverkehr gefördert und das Klimaziel Netto-Null CO2 erreicht werden können.»

CVP und FDP fordern: SP soll Initiative zurückziehen

Die CVP unterstützt die Haltung des Stadtrats zum grossen Teil. «Die Reussportbrücke bringt nur lokale Entlastung, der Eingriff ins Quartier lässt sich nicht rechtfertigen», sagt Fraktionschefin Mirjam Fries. Punktuelle Massnahmen sollen aber weiterhin geprüft werden. Die Partei verweigere nicht grundsätzlich alle Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur. «Die Stadt muss erreichbar bleiben.»

Weiter ist die CVP der Meinung, dass die SP ihre Initiative zurückziehen soll. «Die ist inzwischen überholt, es ging ja um die alte Spange Nord, die nun vom Tisch ist.» Anders sieht das Judith Dörflinger: Die Initiative fordere auch den Einsatz für lebenswerte Quartiere – und die Reussportbrücke führe «zu unverhältnismässigen Eingriffen» in die Quartiere. Die Initiative sei zudem die einzige Möglichkeit für die Stadtluzerner Bevölkerung, sich zum Projekt zu äussern, teilt die SP weiter mit.

Auch die FDP würde es begrüssen, wenn die SP ihre Initiative zurückzieht. «Damit reisst sie nur alte Gräben auf, man sollte den Blick nun auf das gesamte Verkehrskonzept richten», sagt Präsident Fabian Reinhard. Es sei sehr positiv, dass der Kanton und die Stadt nun diesbezüglich Gespräche aufgenommen haben. Die Reussportbrücke sieht auch Reinhard kritisch. «Da die ÖV-Ausbauten und die Entlastung der Innenstadt wegfallen, ist der Nutzen zu wenig sichtbar.»

SVP übt harsche Kritik

Mit dem Stadtrat völlig unzufrieden ist einzig die SVP. Dieser «verweigert sich weiterhin, lösungsorientiert einzubringen, schadet der gesamten Agglomeration und schlussendlich auch der Wirtschaft», teilt die Partei mit. Das Verkehrsproblem in Luzern wachse mit der Zuwanderung weiterhin. Eine «optimale zukunftsorientierte Wirkung» des Bypass ergebe sich aber nur mit der Spange Nord beziehungsweise der Reussportbrücke.