Harsche Kritik an neuer Reussportbrücke in der Stadt Luzern

Die Quartiervereine westlich der Reuss schlagen Alarm. Die Alternative zur Spange Nord bedeute für sie vor allem eines: mehr Verkehr.

Simon Mathis
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So sieht die Brücke in der Visualisierung aus (rechts Reussbühl/Littau, links Richtung Spital/Schlossberg). (Visualisierung Swissinteractive AG)

So sieht die Brücke in der Visualisierung aus (rechts Reussbühl/Littau, links Richtung Spital/Schlossberg). (Visualisierung Swissinteractive AG)

Der Entscheid des Luzerner Regierungsrates, auf den Nordzubringer ins Stadtluzerner Maihof-Quartier zu verzichten, sorgte am Mittwoch für eine handfeste Überraschung (wir berichteten). Die reduzierte und billigere Variante sieht lediglich eine Brücke über die Reuss vor – vom Autobahnanschluss Lochhof zum Fluhmühlequartier.

Die Autobahn soll an dieser Stelle also nur noch vom Westen her erschlossen werden. Gestrichen ist die Zufahrt via Schlossberg. Der Kanton nennt den Bau über die Reuss nicht mehr wie bisher «Fluhmühlebrücke», sondern neu «Reussportbrücke».

Juristischer und politischer Widerstand geplant

Unabhängig vom Namen – die Kontroverse um das Bauprojekt verschwindet wohl nicht so schnell. Denn nun melden sich Quartiervereine rund um das Gebiet Fluhmühle. Harte Worte für den neuen Plan der Regierung findet Adolf Zemp, Präsident des Quartiervereins Udelboden: «Wir stellen uns klar gegen dieses neue Projekt und bereiten uns darauf vor, politisch wie juristisch dagegen vorzugehen.» Die Quartiere Udelboden und Bernstrasse würden enorm unter der neuen Brücke leiden. «Der Kanton will unser Quartier und unsere Nebenstrassen als Ab- und Zugang für die Brücke missbrauchen», so Zemp. Er fährt fort: «Um sein Gesicht zu wahren, verschont der Regierungsrat die gut betuchten Einwohner im Maihof. Das arme Quartier, das sich nicht wehren kann, muss nun den Mehrverkehr ertragen.» Überspitzt könne man sagen: «Die Schweizer im Maihof können aufatmen, die Ausländer in der Fluhmühle sollen dafür noch mehr Gestank und Lärm bekommen.» Das sei umso stossender, als das Quartier bereits jetzt arg vom Verkehr belastet werde; es werde noch stärker abgewertet, als es heute schon sei.

Adolf Zemp, Quartiervereinspräsident Udelboden. (Bild: Pius Amrein, Littau, 9. April 2016)

Adolf Zemp, Quartiervereinspräsident Udelboden. (Bild: Pius Amrein, Littau, 9. April 2016)

Zemp ist sich bewusst, dass bei einem solchen Projekt nicht alle gewinnen können. Er bezweifelt allerdings, dass die Autobahneinfahrt Lochhof überhaupt nötig sei. «Die Überlastung am Kreisel Kreuzstutz wird man so nie lösen können, das ist eine Träumerei», glaubt Zemp. Er wolle sich nun mit Vertretern anderer betroffener Quartiere – etwa Luegisland und Bernstrasse – zusammen setzen und das weitere Vorgehen besprechen.

«Wir haben grosse Angst vor diesem Projekt», sagt Hans Bammert, Präsident des Quartiervereins Bernstrasse. Er fürchte, dass ein Grossteil des Verkehrs durch die Bernstrasse fliessen werde. Diese sei bereits heute schlicht zu eng. Das gelte auch für das Trottoir. «Das neue Projekt ist aus unserer Sicht schlimmer, als die ursprüngliche Spange Nord.» Die Stadt und der Kanton müssten unbedingt Antworten finden, wie der Verkehr im Gebiet gelenkt werden solle. «Wir werden uns lautstark dagegen wehren müssen», so Bammert. Man habe sich die Brücke vielmehr im Westen Richtung Seetalplatz gewünscht. Dieser sei neu gebaut worden und viel eher in der Lage, das neue Verkehrsaufkommen zu bewältigen. Ins gleiche Horn stösst auch die «IG Hauseigentümer» gegen die Spange Nord. Sie schreibt in einer Mitteilung, man wolle das «bereits heute vom Verkehr arg gebeutelte Quartier Fluhmühle weiter zubetonieren».

«Ich habe absolutes Verständnis für die Haltung der Quartiere im Gebiet Fluhmühle», sagt Thomas Wüest, Präsident des Quartiervereines Maihof. Der Verein habe auch schon bei der bisherigen Spange Nord-Variante die Brückenlösung als untauglich empfunden. Auch betont Wüest: «Ich habe noch nicht das Gefühl, dass wir im Maihof jetzt einfach aufatmen können. Zuerst müssen wir prüfen, inwieweit dem neuen Projekt zu vertrauen ist.» Dennoch sei dem Kanton hoch anzurechnen, dass er nun eine deutlich bessere Gesprächskultur pflege.

«Man muss dem Projekt eine Chance geben»

Alexander Stadelmann, Geschäftsführer der TCS Sektion Waldstätten, relativiert die Sorgen der Quartiere: «Bei meinem jetzigen Kenntnisstand kann ich sagen, dass es sich um eine gute Lösung handelt – auch für das Gebiet Fluhmühle. Die Reussportbrücke wäre einfach ein zusätzlicher Anschluss an die künftige Stadtautobahn.» Es sei nicht einzusehen, weshalb es deswegen deutlich mehr Verkehr durch die Quartiere geben sollte. Stadelmanns Argument: «Wer zum Beispiel von Obernau in Richtung Norden will, hat einen direkteren Anschluss an die Autobahn. Weshalb sollte man durch die Quartiere fahren, wo immer häufiger Tempo 30 herrscht?» Die Anwohner um das Quartier Fluhmühle erhielten einen direkten Anschluss an die Autobahn, was eher positiv zu bewerten sei. Stadelmann betont aber, dass es für ein abschliessendes Urteil noch zu früh sei. So oder so gelte: «Man muss dem Projekt eine Chance geben.»

Bund plant Bypass ohne Zubringer

Die Rontalgemeinden, die sich klar für die Spange Nord aussprachen und nun den Zugang zum Lochhof verlieren, reagieren gelassener auf die neuen Pläne. Buchrain und Ebikon werden die neue Situation prüfen und später Stellung dazu nehmen.

Das Bundesamt für Strassen (Astra) nimmt die Pläne ebenfalls zur Kenntnis. Es hat bereits signalisiert, dass es den Bypass auch ohne Spange Nord umsetzen will. Die öffentliche Auflage des Bypass’ im kommenden Frühling beinhalte den Zubringer nicht, heisst es auf Anfrage. Der Bypass sei «aufwärtskompatibel.» Mit anderen Worten: Was der Kanton wann macht, ist dem Bund einerlei.

Das sagt der Kanton zur Kritik

Reussportbrücke «Wir können die Bedenken der Betroffenen nachvollziehen», sagt Paloma Meier, Mediensprecherin des Kantons Luzern auf Anfrage. «Die Quartiervereine sind eingeladen, an der Vernehmlassung teilzunehmen und ihre Anliegen in den weiteren Prozess einzubringen.» Der Kanton sei sich bewusst, dass flankierende Massnahmen notwendig seien, um Ausweichverkehr über den Fluhmühlerain zur Brücke und umgekehrt zu verhindern. Wie diese Massnahmen aussehen, werde noch konkretisiert. Ziel sei es, dass der Mehrverkehr über die Kantonsstrasse oder die Autobahn abgewickelt werde – und nicht durch das Quartier.

«Mit der Reussportbrücke wird bis zu 50 Prozent weniger Verkehr durch die Baselstrasse fliessen», so Meier. Das entlaste auch den Kreisel Kreuzstutz. «Er wird nach wie vor hoch belastet sein, weil er eine wichtige Drehscheibe ist. Aber er bleibt funktionsfähig.» Wenn die Brücke nicht käme, müsse man in diesem Gebiet viel stärkere Eingriffe vornehmen. Das hätte Massnahmen mit Kosten in der Höhe von 30 Millionen Franken zur Folge, warnt der Kanton. (sma)