RICHENTHAL: Ungewöhnliche Taschen aus Sicherheitsgurten

Astrid Bürli und Andreas Banz kreieren aus alten Autogurten oder Holz Umhängetaschen. Ein weiterer Traum ist noch unerfüllt.

Roseline Troxler
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Andreas Banz (36) und Astrid Bürli (30) stellen zu Hause in Richenthal aus alten Autogurten Umhängetaschen in verschiedensten Farben her. (Bild Pius Amrein)

Andreas Banz (36) und Astrid Bürli (30) stellen zu Hause in Richenthal aus alten Autogurten Umhängetaschen in verschiedensten Farben her. (Bild Pius Amrein)

Die Idee schwirrte schon lang in den Köpfen des in Richenthal wohnhaften Paares herum: Astrid Bürli (30) und Andreas Banz (36) wollten einfache, praktische Taschen mit möglichst wenig Schnickschnack herstellen. Zudem sollten sie aus Recyclingmaterial sein.

Die gelernte Damenschneiderin Astrid Bürli ist seit Jahren begeisterte Taschen-Näherin. Gerne beschenkt sie Verwandte und Bekannte mit vielfältigen Taschen. Zum Nähen von Taschen hat sie zudem diverse Kurse angeboten. «Ich bin nicht so süchtig nach Taschen wie gewisse Frauen», erzählt Bürli lachend, überlegt und ergänzt: «Gut zwanzig verschiedene Varianten habe ich wohl doch in meinem Kleiderschrank.» Auch der Schreiner Andreas Banz sei schon als Kind kreativ gewesen.

Nach der Lehre zur Damenschneiderin hat sich Astrid Bürli zur Fachfrau Hauswirtschaft ausbilden lassen. Der Traum von einem eigenen Atelier blieb jedoch stets bestehen. «Das Atelier soll nun in unserem Keller verwirklicht werden», erzählt Andreas Banz.

Idee wurde in Kanada geboren

Die erste Tasche, welche nun in grösserer Menge angefertigt wurde, besteht aus Sicherheitsgurten, Futterstoff, Reissverschlüssen, Schnallen und Faden. «Unser anfängliches Ziel war es, die Taschen zu 100 Prozent aus Recyclingmaterial herzustellen», erklärt der Schreiner Andreas Banz. Die Umsetzung gestaltete sich jedoch als zu schwierig. «Der Rohstoff Autogurten wurde in der Umgebung etwas knapp», sagt Banz. Zudem sei das Nähen auf gebrauchten Autogurten schwieriger, da sie abgenutzt seien. Dennoch bestehe der Grossteil der gefertigten Taschen nun aus alten Autosicherheitsgurten.

Schon lange hätte das Paar beabsichtigt, solche Taschen herzustellen. Zeitlich hätte es jedoch nie gepasst. «Konkret wurde die Idee schliesslich auf einer Kanadareise – beim vielen An- und Abschnallen in unserem Camper», sagt Andreas Banz mit einem Schmunzeln.

Nach der Reise hat das Paar die Idee im Herbst schliesslich umgesetzt. Von einer Auto-Abbruchhalle hätten sie den Grossteil der Autogurten erhalten. «Es wurde uns bewusst, wie viele verschiedene Farben Autogurten überhaupt haben», erzählt Astrid Bürli. Einige ungewöhnliche Farben haben sie aber dennoch direkt ab Produktion gekauft.

Zu Hause entstanden dann die ersten Prototypen. «Ich stellte diese mit einer gewöhnlichen Nähmaschine her», sagt Astrid Bürli. Dies war «sehr aufwendig und mühsam», betont Bürli.

Von der Rigi bis zum Pilatus

Nach der Anfertigung von verschiedenen Prototypen hat das Paar die Herstellung von 50 Taschen bei der Institution «Drahtzug», einer geschützten Werkstatt im Kanton Zürich, in Auftrag gegeben.

Nach drei Monaten haben Astrid Bürli und Andreas Banz die Taschen schliesslich erhalten. «Jede Tasche ist ein Unikat», erklärt Bürli stolz. Nun sei bereits ein Fünftel der Sicherheitsgurten-Taschen verkauft – in die Umgebung, aber auch in andere Kantone.

Die Taschen sind in verschiedenen Grössen für 120 bis 220 Franken zu kaufen. Sie tragen die Namen «Rigi» und «Pilatus». «Da es noch viele Berge gibt, können wir noch unzählige verschiedene Taschenarten herstellen», erklärt Astrid Bürli. Neue Ideen hat das Paar viele.

Die Kreative und der Tüftler

Vor kurzem haben die Richenthaler Prototypen von Taschen aus Feuerwehrschläuchen gefertigt. «Das Material eignet sich besonders gut für Taschen, da es wasserfest ist», erklärt Andreas Banz. Ein Exemplar mit Holzelementen hat das Paar aus Richenthal ebenfalls produziert. «Eine Kombination aus unseren Berufen», erzählen der gelernte Schreiner und die ehemalige Schneiderin. Sie würden sich allgemein gut ergänzen – der Tüftler und die Kreative. Vor lauter Ideen müssten sie aber darauf achten, nicht den Überblick zu verlieren. Immer seien ihre ausgefallenen Ideen leider nicht zu verwirklichen.

Der grosse Traum von Astrid Bürli und Andreas Banz ist es, dass in Zukunft zumindest eine Person hauptberuflich Taschen fertigen kann.

Weitere Informationen finden Sie im Internet?unter www.babue.ch.