Richenthaler Musikanten sehnen ihren Massanzug herbei

Die Musikgesellschaft Richenthal-Langnau lüftet am Samstag ein Geheimnis – und präsentiert ihre neue Uniform. Zu dieser haben die Musikanten ein hartnäckiges Gerücht in Umlauf gebracht.

Evelyne Fischer
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Josef Kneubühler (links, Uniform der Feldmusik Richenthal), Enkel Simon Kneubühler (heutiges Gewand) und Josef Emmenegger (Uniform der Musikgesellschaft Langnau). (Bild: Roger Grütter, Langnau, 22. August 2018)

Josef Kneubühler (links, Uniform der Feldmusik Richenthal), Enkel Simon Kneubühler (heutiges Gewand) und Josef Emmenegger (Uniform der Musikgesellschaft Langnau). (Bild: Roger Grütter, Langnau, 22. August 2018)

Generalstabsmässig war dieser Abend vorbereitet worden: Vom Treffpunkt für die Anprobe der Uniform Ende Juni wussten nur die Musikanten. Als geschlossene Fensterläden neugierige Blicke von aussen verunmöglichten, ging es zur Sache: Die Mitglieder der Musikgesellschaft Richenthal-Langnau erspähten erstmals die neue Uniform. Für Nachwuchsmusikanten wie Simon Kneubühler (15) aus Richenthal («Ich übe eine Stunde täglich») ist sie das erste massgeschneiderte Vereinsgewand überhaupt.

Der Kittel der heutigen Uniform ist dem schlanken Burschen zu breit, die Hosen stammen gar von einem anderen Anzug. «Alles ziemlich improvisiert», sagt das jüngste Vereinsmitglied und lacht. «Nun bald in der frischen Uniform aufzutreten, ist ein spezielles Gefühl. Man fühlt sich gleich viel stärker mit der Musikgesellschaft verbunden.»

«Wir haben bei der Suche nach Sponsoren sehr viel Wohlwollen gespürt.»

Josef «Söpp» Emmenegger, Vereinspräsident

Am nächsten Samstag wird das neue Gewand um 16.30 Uhr im Festgottesdienst in der Richenthaler Pfarrkirche eingeweiht. Wer fürs Bankett um 18.45 Uhr noch Karten will, muss sich sputen: Es geht um die letzten Plätze. «Mit einem kleinen Fest wollen wir all jenen danken, die uns bei der Neuuniformierung unterstützt haben», sagt Vereinspräsident Josef «Söpp» Emmenegger (61) aus Langnau. «Wir haben bei der Suche nach Sponsoren sehr viel Wohlwollen gespürt.»

Das neue Gewand für 26 Vereinsmitgliedern und drei Aushilfen hat seinen Preis: 1400 Franken kostet das Stück. «Wir mussten alle Kräfte mobilisieren, um den grossen Batzen zusammenzubringen», so OK-Präsident Joe Kneubühler (46). Dass dieses Ziel nun nach 2,5 Jahren erreicht sei, zeige: «Die Musikgesellschaft ist bestens vernetzt und stösst weit über die Region hinaus auf Sympathie.»

Erste Vereinsuniform seit der Fusion vor 20 Jahren

Wer die Vereinsgeschichte kennt, kann erahnen, wie es zur guten Verankerung kam: Vor 20 Jahren schlossen sich zwei Korps zu einem zusammen. Wegen drastischen Mitgliederschwunds konnte die Musikgesellschaft Langnau 1993 nicht mehr öffentlich auftreten. Einzelne Mitglieder wie Söpp Emmenegger spielten fortan bei der Feldmusik Richenthal mit. 1998 wurde die Fusion offiziell besiegelt. Zur Gründungsfeier schrieb unsere Zeitung: «Die 1994 eingeweihte Uniform der Feldmusik Richenthal ist auch das Kleid des neuen Vereins. Ausgewechselt werden mussten lediglich die Namenspatten.»

Das älteste Vereinsmitglied, Josef Kneubühler (74) aus Richenthal, Simons Grossvater, erinnert sich: «Der Zusammenschluss ging ohne grosse Nebengeräusche über die Bühne.» Wohl auch, weil man sich auf einen gemeinsamen Namen geeinigt hatte und penibel darauf achtete, in beiden Dörfern zu konzertieren. «Zudem hatten wir in Richenthal in gewissen Registern einige Lücken. Wir konnten Nachwuchs gut gebrauchen.» Bei der Schnupperprobe habe «die Chemie gestimmt», blickt Söpp Emmenegger zurück. «Ich war ein Fremder, fühlte mich aber auf Anhieb wohl.» Am guten Zusammenhalt habe sich bis heute nichts geändert, sagt das Trio unisono. Wer sich selbst davon überzeugen wolle, dürfe bei der Probe am Dienstag oder Freitag gerne mal reinschauen, so Söpp Emmenegger. «Insbesondere Cornett-Spieler könnten wir noch gebrauchen», sagt er und schmunzelt.

Übrigens: Trotz hartnäckiger Fragerei schweigen sich die Musikanten über das Aussehen der Uniform aus – bis auf die Farbe. Wenn man nach dem Treffen mit den Wiggertalern aber eines weiss, dann dies: Weiss, wie die Musikanten einem weismachen wollen, wird das Gewand ganz gewiss nicht. Dafür ist das Grinsen im Gesicht des Vereinspräsidenten doch zu verräterisch.

Hinweis: Weitere Infos unter www.chleidersammlig.ch