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RICKENBACH: Ein Dorf kämpft verbissen um seine Post

Immer mehr Poststellen verschwinden. Jetzt setzt sich ein Dorf gegen den «gelben Riesen» zur Wehr – und hofft dabei auch auf eine nationale Initiative.
Ernesto Piazza
Der Post Rickenbach droht die Schliessung. Die Bevölkerung will die Poststelle unbedingt behalten. (Bild Roger Grütter)

Der Post Rickenbach droht die Schliessung. Die Bevölkerung will die Poststelle unbedingt behalten. (Bild Roger Grütter)

Die Post lässt sich nicht beirren. Sukzessive treibt sie den Prozess der Poststellenschliessungen voran. Man reagiere «auf die geänderten und unterschiedlichen Kundenbedürfnisse», schreibt sie dazu. Auch die Poststelle Rickenbach soll diesem Streichkonzert zum Opfer fallen. Doch die etwa 3300 Einwohner zählende Gemeinde setzt sich gegen die drohende Umwandlung der Postfiliale in eine Agentur zur Wehr. So haben bisher rund 2400 Personen eine Petition unterschrieben. Zudem wurde für den Weiterbestand der postalen Grundversorgung im Dorf eine Interessengemeinschaft «Erhalt Poststelle 6221 Rickenbach LU» gegründet. «Wir setzen uns für ein attraktives Dorf- und Gewerbeleben ein. Deshalb kämpfen wir aus Überzeugung für diese Poststelle», sagt Christian Merz. Er ist IG-Mitglied und leitet zudem die Kommission Ortsmarketing.

Weiteres Wachstum geplant

In Rickenbach lässt man zurzeit für die Erhaltung der Postfiliale nichts unversucht. So traf sich am 24. März eine Delegation der fünfköpfigen IG-Kerngruppe mit Verantwortlichen der Post in Bern. Es sei ein konstruktives Gespräch gewesen. Sie hätten ihr Anliegen erneut deponiert, sagt Merz. Etwas Konkretes kam dabei allerdings nicht heraus.

Trotzdem: Die IG führt bezüglich Staus quo verschiedene, für sie griffige, Argumente ins Feld. Rickenbach sei in den vergangenen drei Jahren bevölkerungsmässig um rund 10 Prozent gewachsen, betont Merz. «Diese Tendenz wird auch in den kommenden Jahren anhalten.» Im Moment sind weitere zirka 100 Wohnungen geplant. Unlängst sprach sich das Volk für den Bau eines neuen Gemeindehauses (inklusive Werkhof) aus. Rund 100 Gewerbebetriebe mit ungefähr 900 Mitarbeitenden sorgen für ein aktives Gewerbeleben in der Gemeinde.

Angst vor Einkaufstourismus

Zudem befürchtet Merz, dass die Bevölkerung mit dem Wegfall einer Post im Dorf ihre Einkäufe ebenfalls auswärts tätigen könnte. Dies wiederum hätte auch negative Auswirkungen auf das pulsierende Dorfleben. «Das wollen wir unbedingt verhindern und für die Bevölkerung weiterhin ein komplettes Angebot im Zentrum bieten», sagt der Leiter der Kommission Ortsmarketing. Zudem seien gerade in der Region bereits diverse Poststellen verschwunden. Eine weitere Ausdünnung wäre für Merz «unverständlich.» Zudem sei für die Bevölkerung nicht nachvollziehbar, dass die Filiale Rickenbach nicht rentieren soll. «Bei gutem Willen der Verantwortlichen – auch unter Einbezug der Vermieterin der Postliegenschaft – könnten griffige Lösungen für die Zukunft gefunden werden», ist er überzeugt.

Gemeinderat kämpft mit

Und wie beurteilt der Rickenbacher Gemeinderat die Situation? «Wir stellen uns voll und ganz hinter die momentane Lösung», sagt Thomas Zettel, Ressortleiter Umwelt und Sicherheit. Man unterstütze den mittlerweile bald ein Jahr dauernden Prozess vollumfänglich. «Es kann nicht sein, dass wir nach Beromünster, Sursee oder Reinach auf die Post gehen müssen.» Dabei spricht der Gartenbauer nicht nur als Unternehmer, sondern genauso als Präsident des Gewerbevereins.

Post: Nachfrage zu klein

Markus Flückiger, Kommunikation Mitte – Poststellen und Verkauf, sagt zu Rickenbach: «Die Nutzung ist seit längerem mehrheitlich rückläufig beziehungsweise ungenügend. Obwohl die Schalteröffnungszeiten im Jahr 2014 bereits an die Entwicklung angepasst wurden, stehen sie in Bezug zur Nutzung dieser Filiale nach wie vor in einem klaren Missverhältnis.» Die Nachfrage reiche nicht aus, um eine eigenständige Poststelle wirtschaftlich betreiben zu können. Deshalb stehe für die Post eine Alternativvariante im Vordergrund. Noch sei aber kein Entscheid über Art und Umsetzungstermin einer neuen Lösung gefallen, bestätigt Flückiger. «Die Gespräche gehen weiter.»

Für Gemeinderat Thomas Zettel ist allerdings klar: «Rickenbach steht im schweizweiten Vergleich – beispielsweise beim Briefversand – deutlich besser da als viele andere Poststellen.»

Hilft ein Ja am 5. Juni?

Die IG beobachte die Entwicklung sehr intensiv, bestätigt Merz. Sie seien auch laufend mit dem Gemeinderat, Verbänden, Parteien und dem Gewerbe in Kontakt. Man stehe praktisch «Gewehr bei Fuss», sagt er.

Und in der Luzerner Landgemeinde wird auch das Abstimmungsresultat der Volksinitiative Pro Service public vom 5. Juni mit Spannung erwartet. Die Initianten werben auf der Homepage proservicepublic.ch für ein Ja – mit Slogans wie «damit die Post im Dorf und die Schalter offen bleiben». Die Frage, ob eine Annahme der Initiative die Chancen für den Weiterbetrieb einer eigenen Poststelle vergrössere, können Merz und Zettel nicht schlüssig beantworten. Immerhin sagen sie: «Möglich ist, dass ein Ja unsere Situation verbessert.»

ernesto Piazza

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