Rickenbach steht vor Kampfwahl

Adrian Häfeli (FDP) und Oliver Kuhn (parteilos) wollen das Präsidium. Was ist ihre Motivation? Und wie stehen sie zum Windpark?

Ernesto Piazza
Drucken
Teilen

Wer tritt in Rickenbach in die Fussstapfen von Roland Häfeli? Rund 13 Jahren präsidierte der FDP-Politiker die Gemeinde. Um seinen Sitz streiten sich der Parteilose Oliver Kuhn (49) sowie Adrian Häfeli (50). Am 29.März entscheidet das Volk, wer die Gemeinde in der nächsten Legislatur führt.

Er sei von den Parteien angefragt worden, ob er für dieses Amt kandidieren wolle, sagt Häfeli. Für den stellvertretenden Geschäftsführer beim Bildungszentrum Bau am Campus Sursee hing der Entscheid primär davon ab, «ob ich mich politisch exponieren will sowie die zusätzliche Arbeit übernehmen kann». Denn sollte Häfeli gewählt werden, würde er seine jetzige Vollzeittätigkeit nicht reduzieren, das 20-Prozent-Pensum als Gemeindepräsident noch obendrauf packen. «Solche Situationen zu stemmen, bin ich mir gewohnt. Zudem war dies ja auch einigen ehemaligen, erfolgreichen Gemeinderäten möglich», sagt der verheiratete Vater von zwei Kindern. Als Kadermitglied sei das ein «Normalzustand».

«Ich bin eine andere Person, habe meine Persönlichkeit»

Zudem habe er mehrere berufsbegleitende Weiterbildungen gemacht, die ihn zeitlich auch stark absorbiert hätten. «Ich habe meine Work-Life-Balance im Griff.»

Dass auf Roland Häfeli sein Cousin Adrian als Gemeindepräsident folgen soll und zudem Rolands Bruder Peter in Rickenbach investiert und viel bewegt, sorgt doch für die eine oder andere kritische Stimme. «Ob eine Kandidatur unter diesen Voraussetzungen klug ist, war eine der ersten Fragen, die ich mir stellte», so Häfeli. «Ich bin aber eine andere Person, habe meine eigene Persönlichkeit.»

Die ganz grosse Politerfahrung kann der 50-Jährige nicht vorweisen. Er war in diversen Kommissionen wie dem Ortsmarketing oder der Ortsplanung tätig. Speziell Appetit auf eine Kandidatur bekam er durch seine Masterarbeit «Public Finance Strategy». Sie zeigt den Gemeinden auf, wie sie mit einer Verschuldung umgehen sollten. Seine Masterarbeit beinhaltet auch die Finanzstrategie einer Gemeinde. Darin sind einige strategische Werkzeuge behandelt, die diesen Prozess unterstützen. «Daher ist die Arbeit sicher ein gutes Hilfsmittel – auch für Rickenbach», ist Häfeli überzeugt.

Angesprochen auf die Herausforderungen der Gemeinde, erwähnt Häfeli die Strassensanierungen und die aktuell laufende Ortsplanungsrevision. Weiter soll in Rickenbach im nächsten Jahr ein Ärztehaus realisiert werden. «Bei der Bildung dürfte der Weiterbestand aller Grundschulklassen ein Thema sein», erklärt Häfeli, dem auch der Dialog mit dem Gewerbe wichtig ist.

Als einen der Lieblingsplätze benennt der Familienvater den Stierenberg. Doch gerade diese Gegend respektive der dort geplante Windpark führt in der Bevölkerung zu hitzigen Diskussionen. Häfeli sagt: «Es wäre schade, wenn sich das Dorf in zwei Lager spalten würde.» Er selber betont: «Als Rickenbacher stehe ich dem Projekt offen gegenüber. Als eventuell künftiger Gemeindepräsident ist mir wichtig, einen fairen, demokratischen Entscheidungsprozess für die Bürger herbeizuführen.»

«Ich habe wirtschaftliches und politisches Netzwerk»

Häfelis Kontrahent Oliver Kuhn stand ebenfalls auf der erwähnten Kandidatenliste. «Und ich war offenbar nicht so weit unten zu finden», sagt er und schmunzelt. Zwar lebt er «erst» seit 15Jahren in Rickenbach, fühle sich jedoch voll und ganz heimisch. Das dürfte nicht zuletzt darin begründet sein, dass «ich auf die Menschen zugehe, gerne kommuniziere und repräsentiere». Kuhn war Mitglied der Schulpflege und beim Ortsmarketing aktiv. Der verheirate Vater von vier Kindern schrieb auch beim Buch über Rickenbach mit und ist im OK für das Fest 2021.

Der Inhaber einer Kommunikationsfirma arbeitet momentan mit einem 60-Prozent-Mandat bei «Blick TV». Früher war er auch Chefredaktor beim Zentralschweizer Fernsehen Tele 1, zeichnete für dessen Aufbau massgeblich verantwortlich. Dort moderierte er auch viele Politsendungen. «Ich habe ein breites wirtschaftliches und politisches Netzwerk», erklärt Kuhn. Diese Kontakte will er «für die Gemeinde Rickenbach», wie er betont, «in die Waagschale werfen», den Draht nach Luzern suchen. «Denn letztlich sind wir immer wieder vom Kanton abhängig.» Zudem möchte Kuhn den Ortsteil Pfeffikon noch näher einbinden.

Oliver Kuhn tritt als Parteiloser in die Ausmarchung ums Präsidium. Der Grund hierfür liege darin, dass sein berufliches Mandat eine parteipolitische Unabhängigkeit fordere. Der 49-Jährige wünscht sich für die Gemeinde eine ökologische, ökonomische und soziale Entwicklung. Bevölkerungsmässig ist ihm «eine gute Durchmischung» wichtig. Das heisst: ein Angebot für Familien sicherstellen, gleichzeitig aber auch dafür sorgen, dass ältere Menschen im Dorf ihren Platz finden.

Kuhn hätte sich gerne bei einem Podium ausgetauscht

Ein Unfall bei der Ausübung seines Hobbys, dem Gleitschirmfliegen, bremste ihn im August 2018 körperlich jäh aus. Mittlerweile ist er froh, wieder 100 Prozent arbeitsfähig zu sein. Umso mehr geniesse er die schönen Plätze in der Gemeinde wie die fünf kleinen Weiher auf Buttenberg in der Chalberweid. Und dabei erwähnt er auch den Stierenberg, wo dereinst drei Windräder stehen sollen. «Ich habe Angst, dass zu viel Geschirr zerschlagen wird. Die Diskussion wird extrem emotional aufgeladen geführt», sagt Kuhn, der sich zu diesem Thema schon vor geraumer Zeit geäussert hat. Er sagte, «dass es Leuchtturmprojekte bei der Energiegewinnung braucht». Er wünschte sich aber auch einen pragmatischen Vorgang – wie bei allen politischen Sachgeschäften: «Abwarten, bis alle Fakten bekannt sind und dann die verschiedenen Interessen gegeneinander abwägen.»

Kuhn hätte sich gerne mit den Bürgern bei einem Podium ausgetauscht. «Die FDP hat die Variante abgelehnt», bedauert er. Da er keine Partei im Rücken hat, werde er noch einen Flyer in die Haushaltungen schicken und Standaktionen machen.