Rickenbacher sind gegenüber den Windrädern auf dem Stierenberg skeptisch

CVP-Nationalrätin Priska Wismer-Felder und ihr Mann wollen auf dem Rickenbacher Hausberg drei Windräder bauen. An einer Infoveranstaltung in Rickenbach zeigte sich, wie gross die Skepsis gegenüber diesem Projekt ist.

Dominik Weingartner
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Das Windrad der Windkraftanlage Lutersarni  in Entlebuch.

Das Windrad der Windkraftanlage Lutersarni in Entlebuch.

Symbolbild: Roger Grütter, 2. November 2019

Der Andrang ist gross in der Mehrzweckhalle Kubus in Rickenbach. Gegen 500 Personen wohnen am Montagabend einer Infoveranstaltung zum geplanten Windpark Stierenberg bei. «Fantastisch, wie viele Leute hier sind», sagt Gemeindepräsident Roland Häfeli (FDP) bei seiner Eröffnungsrede. «Nachher machen wir gleich noch eine Gemeindeversammlung, wenn schon alle da sind.»

In der Tat bewegen die drei Windräder mit 180 Metern Maximalhöhe auf dem Stierenberg die Gemüter. Entsprechend wünscht sich Häfeli eine «sachliche Diskussion zu einem emotionalen Thema». Initiiert wurde das Projekt von der CVP-Nationalrätin Priska Wismer-Felder und deren Mann Roland, die am Fusse des Stierenbergs einen Hof betreiben.

CVP-Nationalrätin Priska Wismer-Felder

CVP-Nationalrätin Priska Wismer-Felder

Priska Wismer spricht in ihrem Eröffnungsstatement von einer «einmaligen Chance für Rickenbach». Auch, weil es sich um ein Bürgerprojekt handle. Jeder könne mitmachen, so Wismer. Kosten soll die Anlage 15 bis 20 Millionen Franken. Bisher gibt es laut Wismer 80 Beteiligte, die rund 300'000 Franken eingeschossen haben.

Windenergie sei die ideale Ergänzung zum Solarstrom, da diese in den Wintermonaten, wenn die Photovoltaik schwächelt, mehr Energie produziere, weibelt Wismer für ihr Projekt. Mit der Windkraftanlage auf dem Stierenberg könnten laut der CVP-Nationalrätin dereinst 4600 Haushalte mit Strom versorgt werden.

Risiko für das Grundwasser?

Die Projektgegner Pirmin Kammermann und Samuel Hodel wohnen beide im Rickenbacher Weiler Mullwil. Dieser wäre am stärksten betroffen von den Windrädern. Kammermann stellt die Dimensionen des Projekts in Frage: «Aufwand und Ertrag stehen in keinem Verhältnis.» Zudem weist er auf die Bedeutung des Stierenbergs für das Grundwasser in der Region hin. «Der Stierenberg ist wie ein Schwamm», so Kammermann. Der Bau von schweren Windrädern könnte dazu führen, dass dieser Schwamm ausgedrückt würde und sich das Wasser neue Wege suche.

Weiter befürchten die Mullwiler eine Entwertung ihrer Grundstücke und Liegenschaften. Samuel Hodel zitiert dazu eine deutsche Studie, laut dieser Immobilien in Nähe zu Windkraftanlagen bis zu sieben Prozent an Wert verloren haben.

Gemeindeversammlung soll 2021 entscheiden

Auch Gemeinderat Thomas Zettel (parteilos), zuständig für Bau und Infrastruktur, räumt ein, dass die «Grundwasserproblematik nicht zu unterschätzen» sei. Roland Wismer betonte, dass man gerade dabei sei, die Auswirkungen zu untersuchen.

Die öffentliche Auflage für das Projekt ist für Herbst 2020 geplant. 2021 dürfte das Geschäft vor die Gemeindeversammlung kommen. Da es mit einer Teilrevision der Ortsplanung einhergeht, können die Bürger darüber abstimmen. Nimmt man die Stimmung von Montagabend als Massstab, dürfte dies die grösste Hürde werden. Die kritischen Fragen in der offenen Runde wurden fast ausschliesslich an die Projekt-Initianten gerichtet.

Ob Grundwasser, Vogelschutz, Beeinträchtigung des Naherholungsgebietes oder Lärm: Die Skepsis gegenüber den drei Windrädern auf dem Stierenberg ist gross.

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