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Riesengeschäft für Therapeuten in Südafrika

Die Jahrhundertdürre in Kapstadt lässt Wirtschaft und Bewohner gleichermassen leiden. Andere wiederum profitieren vom Notstand: Etwa Orthopäden und Physiotherapeuten.
Markus Schönherr, Kapstadt

Des einen Leid ist ja bekanntlich des anderen Freud. Das gilt auch – oder vor allem – in Zeiten der Krise. In der Millionenmetropole Kapstadt wütet derzeit die schlimmste Dürre seit über 100 Jahren. Die Landwirtschaft leidet, die Bewohner sparen jeden Tropfen Wasser. Doch die Angst vor «Day Zero», dem Tag, an dem kein Trinkwasser mehr durch die Leitungen fliesst, hat für viele ­einen lukrativen Nebeneffekt.

Zu den Nutzniessern der Wasserkrise gesellt sich neben Brunnenbauern und Wasser­abfüllern jetzt auch eine ganz andere Berufsgruppe: Ärzte und Physiotherapeuten. Denn in der Hauptstadt ist die Zahl der Hexenschüsse, Zerrungen und orthopädischen Unfälle durch die Dürre schlagartig gestiegen – dies aufgrund der Wassersparmassnahmen.

«Eimer-Rücken» durch Wasserschleppen

«Day Zero-Verletzungen» nennt etwa das südafrikanische Nachrichtenportal «News 24» die Zwischenfälle. Die «Times» berichtet vom viel gefürchteten «Eimer-Rücken» (bucket back), bedingt durch Wasserschleppen. Für die Kapstädter ist es längst zur Routine geworden: Die Waschmaschine pumpt lilafarbenes Wasser in Kanister ab; Eimer hoch, schöpfen, abstellen. Eimer zur Toilette tragen. Hochziehen, in den Spülkasten giessen, abstellen. Wiederholen. Und das Ganze etwa acht Mal am Tag. Dazu kommt das Wasser, das mittels Kanister kostenlos an Quellen abgezapft werden darf.

War das Wasserschleppen für die Bewohner der meisten Townships immer schon Alltag, traf es Kapstadts langsam wachsende Mittelklasse eher überraschend. «Die meisten Verletzungen kommen dadurch zu Stande, dass die Kübel in ungeschickten Positionen getragen und entleert werden», wird der Kapstädter Physiotherapeut Ian Meder zitiert.

«Meist sind es die Sehnen, die nachgeben»

Seine Klientel wuchs unvorhergesehen mit Beginn der Wasserkrise im vergangenen Jahr. «Und es trifft meist diejenigen, die ­körperlich wenig aktiv sind. Wenn du nicht ausreichend trainierst, muss etwas nachgeben, und meist sind es die Sehnen.»

Das falsche Hantieren mit Kanistern, einige bis zu 20 Kilo schwer, verlangt Mittelklasse-Südafrikanern, die nur selten zu Fuss irgendwohin gehen, einiges ab. Weitere Therapeuten berichten von Verletzungen an Armen, Schultern, Hals und Nacken. Für andere hätten die Vorbereitungen auf «Day Zero» in der Notaufnahme geendet. So etwa für eine Kapstädterin, die sich beim Umfüllen des Wassers ihren Kieferknochen brach. Sie war Berichten zufolge kopfvoran gegen die Toilette gestürzt. Ein Pilates-Lehrer in Kapstadt gibt nun Spezialunterricht über das richtige Heben und Ausgiessen von Wasserkübeln.

Die Bewohner der Townships können über ihre verwöhnten Mitbürger bloss lachen. Nach aktueller Statistik lebt mehr als jeder zweite Südafrikaner unter der Armutsgrenze. Für viele von ihnen ist Anstehen und Wasserschleppen nicht neu, denn in den meisten Slums kommt das Wasser aus der Gemeinschaftsleitung. Dafür gibt es hier andere Probleme, weiss Akhona Mntuyedwa, Bewohnerin von Südafrikas zweitgrösster Township, Khayelitsha: «In Wasserschlangen sind die Leute oft nervös und bringen ihre Frustration zum Ausdruck. Sie reden über Politik, flirten und verbreiten Gerüchte», erzählt die Wasser-Veteranin. Von Diskussionen beim Wasserschleppen rät sie ab.

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