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Interview

Interim-CEO der Rigi-Bahnen: «Die Rigi verträgt mehr als eine Million Gäste»

Marcel Waldis, Interim-CEO der Rigi-Bahnen, äussert sich zum Kapazitätsausbau – und zur Frage, wann die Grenze bei den Besucherzahlen erreicht ist.
Christian Glaus
Lehnt eine Besucherobergrenze ab: Marcel Waldis, Interims-CEO der Rigi-Bahnen. (Bild: Boris Bürgisser, Vitznau, 27. September 2019)

Lehnt eine Besucherobergrenze ab: Marcel Waldis, Interims-CEO der Rigi-Bahnen. (Bild: Boris Bürgisser, Vitznau, 27. September 2019)

Keine andere Frage zur Rigi gibt derzeit mehr zu reden als diese: Wie viele Besucher verträgt es auf der Rigi? Vor allem wegen des geplanten Ausbaus der Luftseilbahn Weggis–Kaltbad stehen die Rigi-Bahnen in der Kritik. Sie wollen die Kapazitäten von heute 640 Personen pro Stunde auf 800 steigern. Ein weiterer Ausbau auf 1200 Personen pro Stunde ist zu einem späteren Zeitpunkt möglich, was fast einer Verdoppelung der heutigen Frequenzen entspricht. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt Marcel Waldis, Interim-CEO der Rigi-Bahnen, weshalb ein Ausbau nötig ist und warum er eine Besucher-Obergrenze ablehnt.

Die geplante Gondelbahn Weggis–Kaltbad soll mehr Gäste transportieren können als die heutige Luftseilbahn. Weshalb wollen Sie die Kapazitäten ausbauen?

Marcel Waldis: Uns geht es nicht primär um eine Kapazitätserweiterung, sondern um den Ersatz der bestehenden Luftseilbahn. Deren Konzession läuft per 30. September 2022 ab. Wir müssen sie aufgrund der neuen technischen und gesetzlichen Vorgaben ersetzen. Die Kapazitätserweiterung auf 800 Personen pro Stunde ist nötig, um die Herausforderungen bei den Talfahrten zu lösen. An Tagen mit vielen Gästen sind die Wartezeiten bei der Bergstation oft lang. Über einen Zeitraum von 10 bis 20 Jahren gesehen, entspricht die Kapazitätserweiterung einem jährlichen Wachstum von weniger als 2 Prozent gegenüber heute. Das ist nun wirklich moderat.

Möglich ist aber sogar eine Verdoppelung der Kapazitäten. Wozu braucht es die?

Wir planen aktuell keine Verdoppelung. Es geht darum, dass wir uns die Möglichkeiten für einen Ausbau offen halten. Mit der heutigen Luftseilbahn haben wir genau dieses Problem: Wir würden gerne mehr Personen transportieren, können aber nicht. Ein Ausbau auf 1200 Personen pro Stunde dürfte frühestens in zehn Jahren ein Thema werden. Dafür müsste dann wieder eine komplett neue Betriebsbewilligung beim Bundesamt für Verkehr beantragt werden, bei der wiederum alle Behörden angefragt würden und mitreden dürften. Das ist ein sehr aufwendiger Prozess und noch in keinem Investitionsplan enthalten. Ausserdem nehmen wir die Anliegen der Schutzverbände ernst und machen uns Gedanken zur Kapazitätsfrage. Spruchreif ist momentan aber noch nichts.

Heute reisen die meisten Gäste über Vitznau an, die Luftseilbahn wird vor allem für Talfahrten benützt. Wollen Sie diese Verteilung mit der neuen Bahn ändern, damit Sie noch mehr Gäste auf die Rigi schleusen können?

Wir wollen nicht auf Teufel komm raus, mehr Gäste zur Luftseilbahn bringen. Das können wir auch fast nicht beeinflussen. Viele reisen wegen des Erlebnisses mit dem Schiff nach Vitznau und steigen dort auf die Zahnradbahn um. Ich glaube nicht, dass diese Leute künftig in Weggis aussteigen und den Fussmarsch zur Seilbahnstation auf sich nehmen würden.

Fakt ist aber: Internationale Reisegruppen bestehen darauf, via Vitznau anreisen zu können. Wollen Sie die Zahnradbahn zu Gunsten der Gruppen freischaufeln?

Wir haben schon heute Kontingente, um die internationalen Gruppen steuern zu können. Wenn zu viele gleichzeitig anreisen wollen, versuchen wir sie, via Arth-Goldau zu lenken. Das klappt leider nicht immer, dann müssen wir auch Absagen hinnehmen. Der Ausbau ist aber nicht nur für die Gruppen geplant, sondern generell für alle Gäste. Damit wollen wir die Wartezeiten verkürzen.

Im vergangenen Jahr schrammten die Rigi-Bahnen bezüglich der Besucherzahlen knapp an der 1-Millionen-Grenze vorbei. Wie sieht es in dieser Hinsicht in diesem Jahr aus?

Per Ende August liegen wir knapp 2 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Das liegt auch daran, dass 2018 dank des schönen Wetters ein aussergewöhnliches Jahr war. Ausserdem waren erstmals die Gäste der Luftseilbahn Kräbel–Scheidegg enthalten, da wir diese Bahn neu in Pacht übernommen haben.

Es gibt Spitzentage mit deutlich über 5000 Gästen, der Ruf nach einer Beschränkung wird laut – auch von Schutzverbänden. Wie stehen Sie dazu?

2018 hatten wir an 21 Tagen mehr als 5000 Gäste. Das heisst auch: Es gab 344 Tage mit weniger als 5000 Gästen. An den Spitzentagen ist viel los, das ist so. Dann ist das gesamte Rollmaterial in Gebrauch, das Personal im Betrieb und in der Gastronomie ist gefordert. Aber die Besucher verteilen sich schnell auf dem Berg. Interessant ist, dass an diesen Spitzentagen auch die Einheimischen auf die Rigi kommen, obwohl sie wissen, dass viel los ist.

Was wollen Sie damit sagen?

Das zeigt mir, dass die Einheimischen dieses Gästeaufkommen akzeptieren, sonst würden sie an diesen Tagen die Rigi meiden. Man muss die Gäste aber gut verteilen. Aktuell kommen die Züge aus Arth-Goldau etwas später auf Rigi Kulm an, weil wir den Fahrplan aufgrund von Bauarbeiten auf der Zuger-Linie der SBB anpassen mussten. Das bewirkt schon viel. Dank der zahlreichen Wanderwege gibt es eine gute Verteilung und die Rigi verträgt mehr als eine Million Gäste, ohne dass es Konflikte gibt.

Wo ist für Sie die Grenze?

Wir wollen keine Grenze definieren, das wäre auch nicht umsetzbar. Wir sprechen in der Strategieperiode 2020 bis 2024 weniger von zusätzlichen Frequenzen, sondern vielmehr von einer höheren Aufenthaltsqualität.

Die Diskussionen um eine Besuchergrenze werden emotional geführt. Ist es da nicht etwas ungeschickt von über einer Million Gästen zu reden?

Wir wollen niemanden abweisen. Ich weiss nicht, wie wir die Zahl der Gäste begrenzen sollten. Wir könnten ja nicht einfach Mitte Dezember die Bahn still legen, wenn die definierte Obergrenze dann erreicht wäre. Würden dann alle Hotels und Restaurants auch schliessen müssen? Und wie kämen die Einheimischen dann noch auf den Berg?

Die Rigi-Bahnen schreiben seit Jahren jeweils Millionengewinne. Sind Sie unternehmerisch auf noch mehr Gäste angewiesen?

Nein, nicht die Quantität muss steigen, sondern die Qualität. Wir wollen unseren durchschnittlichen Ertrag steigern, was heisst, dass wir mit attraktiven Angeboten bei gleicher Gästezahl eine höhere Wertschöpfung erreichen. Im Vergleich mit unseren direkten Mitbewerbern haben wir mit zirka 30 Franken pro Gast eher tiefe Erträge.

Und wie schaffen Sie das?

Indem wir bestehende Vergünstigungen kritisch hinterfragen oder die Preise erhöhen. Wir akzeptieren beispielsweise das Halbtax-Abo, das GA, Tageskarten oder den Swiss Travel Pass für internationale Gäste. Wir müssen kritisch hinterfragen, ob sich dieses breite Sortiment lohnt. Auch wollen wir neue attraktive Angebote schnüren, damit die Wertschöpfung am Berg bleibt. Davon profitieren schliesslich alle.

Zur Person

Marcel Waldis (46) arbeitet seit 2008 als Finanzchef bei den Rigi-Bahnen. Seit dem Abgang von CEO Stefan Otz im Mai 2019 übt er dessen Amt interimistisch aus. Marcel Waldis ist verheiratet und wohnt in Weggis.

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