Futuristische Seilbahn von Weggis nach Rigi-Kaltbad ist vom Tisch

Die Rigi-Bahnen wollen definitiv eine herkömmliche Gondelbahn nach Kaltbad bauen. Der Zeitplan dafür ist allerdings sportlich.

Christian Glaus
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Die Rigi-Bahnen wollen die Pendelbahn (im Bild) von Weggis nach Kaltbad im Jahr 2022 durch eine Umlaufbahn ersetzen. (Bild: Pius Amrein, 8. Januar 2019)

Die Rigi-Bahnen wollen die Pendelbahn (im Bild) von Weggis nach Kaltbad im Jahr 2022 durch eine Umlaufbahn ersetzen. (Bild: Pius Amrein, 8. Januar 2019)

Wie eine Gondelbahn drehten sich die Rigi-Bahnen in den letzten Monaten im Kreis. Für den Ersatz der Luftseilbahn Weggis–Rigi Kaltbad prüften sie – zehn Jahre nach dem Start des Projekts – nochmals eine neue Variante. Dies, obwohl sie sich eigentlich bereits im Dezember letzten Jahres für den Bau einer Gondelbahn entschieden hatten. Nach Erreichen der Bergstation legten sie also eine Zusatzrunde ein. Mit ernüchterndem Ergebnis: Die neue Variante – eine futuristische Gondelbahn, die es weltweit in dieser Form noch nicht gibt – ist vom Tisch. Nun soll doch eine herkömmliche Gondelbahn zwischen Weggis und Rigi Kaltbad fahren.

Die Idee, welche die Organisation Pro Rigi eingebracht hatte, klang vielversprechend. Pro Rigi schlug eine Seilbahn vom Typ «3S light» vor (wir berichteten). Wie bei einer herkömmlichen Umlaufbahn drehen mehrere Gondeln ihre Runden zwischen Berg- und Talstation. Weil die Bahn nicht nur über ein Seil verfügt, sondern über drei, werden weniger Stützen benötigt. Die Seilbahn würde wie die heutige Pendelbahn mit drei Masten auskommen. Eine herkömmliche Gondelbahn benötigt bis zu 14 Stützen.

Im Auftrag der Rigi-Bahnen erstellte die Firma Garaventa eine Machbarkeitsstudie. Diese kommt zum Schluss, dass eine «3S light»-Seilbahn gebaut werden kann, aber kein Marktpotenzial vorhanden ist. Für die Rigi-Bahnen bedeutet dies, dass sie wohl der einzige Abnehmer wären und somit höhere Kosten zu tragen hätten. Die Investitionen beliefen sich auf rund 35 Millionen Franken. Eine herkömmliche Gondelbahn kostet rund 20 Millionen. Zudem ist der Unterhalt teurer und die Stationen müssen deutlich grösser dimensioniert werden, wodurch bei der Bergstation mehr Land eingezont werden müsste. Diese Nachteile überwiegen für die Rigi-Bahnen.

«Uns ist wichtig zu betonen, dass nicht nur die finanziellen Aspekte zum Entscheid gegen die ‹3S light›-Seilbahn geführt haben», sagt Interims-CEO Marcel Waldis gegenüber unserer Zeitung. «Es ist das Gesamtpaket, das nicht stimmt.» Vom Ergebnis der Studie sind die Rigi-Bahnen zwar wenig überrascht. «Wir wollten aber alle denkbaren Varianten prüfen und haben die Abklärungen ergebnisoffen gemacht», sagt der Projektverantwortliche, Jörg Lustenberger.

Dass die Rigi-Bahnen die Idee der futuristischen Seilbahn trotz Skepsis prüften, hat gute Gründe: Denn der Ersatz der heutigen Pendelbahn durch eine Gondelbahn stösst bei den Schutzverbänden auf Widerstand. Sie kritisieren, dass das Landschaftsbild durch die vielen Stützen und Gondeln beeinträchtigt werde. Die Akzeptanz einer Seilbahn, die mit weniger Stützen auskommt, ist höher. Umstritten ist aber unabhängig vom Typ der Seilbahn, dass die Frequenzen erhöht werden sollen. Können heute pro Stunde 640 Personen befördert werden, sollen es künftig 800 sein, längerfristig 1200 Personen.

Schutzverbände wehren sich gegen Gondelbahn

Am Montagabend informierten die Rigi-Bahnen die Schutzverbände über das Ergebnis der Machbarkeitsstudie. Die Reaktionen sind laut Jörg Lustenberger sehr unterschiedlich ausgefallen, teils verständnisvoll, teils enttäuscht. Von Pro Natura über den Landschaftsschutzverband Vierwaldstättersee bis hin zum Innerschweizer Heimatschutz sind zahlreiche Verbände einspracheberechtigt, wenn es um den Bau der Gondelbahn geht. Es sei nicht einfach, alle Ansprüche unter einen Hut zu bringen, sagt Lustenberger. Und konkretisiert:

«Die Schutzverbände sind sich intern und untereinander nicht immer einig.»

«Enorm gross» ist die Skepsis des Landschaftsschutzverbands Vierwaldstättersee gegenüber dem Bau einer Gondelbahn. Wichtige Fakten zu den Auswirkungen der Bahn auf die Umwelt fehlten, sagt Präsident Urs Steiger. «Bisher wurden im Wesentlichen die technischen und ökonomischen Aspekte beleuchtet.» Für ihn ist die «3S light»-Seilbahn denn auch nicht vom Tisch. Denn damit könne die Beeinträchtigung der Landschaft und der Umwelt vermindert werden. Da brauche es im Rahmen des Bewilligungsverfahrens eine saubere Abwägung von Zusatzkosten und Landschaftsverträglichkeit. Der Verband stört sich auch an der geplanten Kapazitätserhöhung. «Seit über einem Jahr fordern wir ein Frequenz-Management, das die Gesamtzahl der Ausflügler auf der Rigi begrenzt. Wir haben Vorschläge skizziert, wie so etwas aussehen könnte. Bisher ist jedoch nichts geschehen, obwohl sich die Verantwortlichen dafür bereit erklärten.»

Der Innerschweizer Heimatschutz fordert eine Bahn, die sich «in die geschützte Landschaft bestmöglich integriert», sagt dessen Präsident Rainer Heublein. Dafür hätten sich auch die Rigi-Bahnen ausgesprochen. «Und da nehme ich sie beim Wort.» Die Rigi-Bahnen hätten versprochen, in den nächsten Wochen Visualisierungen zu erstellen, damit die Eingliederung besser beurteilt werden kann und ein Variantenvergleich möglich ist. Welche Art von Seilbahn gebaut werde, sei letztlich auch ein unternehmerischer Entscheid.

Heimatschutz: «Wollen Einsprache vermeiden»

Für die Rigi-Bahnen dürfte es schwierig werden, ein Projekt vorzulegen, das allen Einspracheberechtigten passt. Sie versuchen deshalb, die Schutzverbände einzubeziehen. Diese können bei der Gestaltung der Stationen und bei der Streckenführung mitreden (Anzahl Masten und deren Positionierung). Aktiv beteiligen wird sich der Heimatschutz. Dieser ist in der Jury des Architekturwettbewerbs für die Berg- und Talstation vertreten. Auch bei den Diskussionen über die Linienführung wird er sich einbringen. «Wir wollen vermeiden, dass wir zum Mittel der Einsprache greifen müssen», sagt Rainer Heublein. Der Landschaftsschutz wird bei beiden Themen nicht aktiv mitarbeiten.

Die Konzession für die 51-jährige Bahn kann voraussichtlich bis Ende September 2022 verlängert werden. Im besten Fall könnte im Herbst 2021 mit dem Bau der neuen Bahn begonnen werden. Diese würde dann ab 2022 fahren. Es besteht also nur eine Reserve von einem Jahr. «Der Druck ist da, das stimmt. Die Zeit sollte aber reichen», sagt Jörg Lustenberger. Nötig sei ein rascher Ersatz, weil die Bahn ins Alter gekommen sei. Ersatzteile seien schwierig zu beschaffen und die Steuerung sei störungsanfällig.

Weggiser können 
2020 abstimmen

Für den Bau einer neuen Luftseilbahn von Weggis nach Kaltbad braucht die Rigi-Bahnen AG den Segen der Weggiser Bevölkerung. Einerseits will die Gemeinde den Bau über den Kauf von Aktien im Wert von 1,4 Millionen Franken mitfinanzieren. Heute besitzt sie Aktien im Wert von rund 50'000 Franken. Andererseits muss ein Seilbahnkorridor festgelegt werden, welcher den Verlauf der Bahn aufzeigt. Dafür ist die Anpassung des Zonenplans notwendig. Gemäss den Rigi-Bahnen will der Weggiser Gemeinderat beide Vorlagen gleichzeitig an die Urne bringen. Die Abstimmung findet voraussichtlich im ersten Halbjahr 2020 statt.