RIGI: Touristen überrennen Vitznau

Die Reise auf die Rigi von der Talstation Vitznau aus ist vor allem bei Gruppen beliebt. Der Ansturm hat für die Gemeinde aber auch seine Schattenseiten.

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Immer mehr Gruppenreisende wollen von Vitznau aus auf die Rigi fahren. Im Bild die Talstation in Vitznau. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Immer mehr Gruppenreisende wollen von Vitznau aus auf die Rigi fahren. Im Bild die Talstation in Vitznau. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Roseline Troxler

In 32 Minuten führt die Zahnradbahn von Vitznau aus auf die Königin der Berge nach Rigi Kulm. Von Vitznau aus reisen die meisten Gruppen auf die Rigi. In den letzten Wochen hat die Zahl der Gäste, welche die Rigi Bahnen AG ab Vitznau transportiert hat, stark zugenommen. Peter Pfenniger, Direktor der Rigi Bahnen AG, sagt: «Seit Dezember 2014 hat sich die Anzahl der Gruppenreisenden spürbar erhöht.» Bei asiatischen Gästen, vor allem aus China und Korea, wird die Rigi immer beliebter. «Durchschnittlich 500 bis 800 Gruppenreisende können wir heute täglich auf der Rigi begrüssen.» Die Zunahme führt die Rigi Bahnen AG auf die Verkaufsförderung im asiatischen Raum, aber auch auf die Erneuerungsarbeiten der Pilatus-Seilbahn zurück. Laut Pfenniger hat die Rigi Bahnen AG gemeinsam mit Luzern Tourismus und mit eigenen Repräsentanten in Asien Werbung gemacht. «Ende des letzten Jahres konnten wir diverse Verträge mit asiatischen Partnern abschliessen.»

Dorf ist durch Verkehr überlastet

Die Zunahme von Gästen hat für Vitznau aber auch negative Folgen. So schreibt die Rigi Bahnen AG in einer Medienmitteilung, dass sich die Herausforderungen bezüglich Verkehr oder Abfallentsorgung im öffentlichen Raum verschärft haben. Als kritische Punkte sieht das Unternehmen ausserdem den Car-Wendeplatz, die Parkplatzsituation sowie die Anzahl öffentlicher Toiletten. Peter Pfenniger sagt: «Der grosse Gästeandrang hat uns in Vitznau überrascht. Die aktuelle Verkehrssituation mit Reisebussen im Dorf ist eine Herausforderung, weshalb wir nun mit der Gemeinde Vitznau nach Lösungen suchen.»

Laut Bauverwalter Alex Waldis ist die Anzahl Tagesgäste in Vitznau immer schon stark schwankend gewesen. «Neu ist aber die Art der Anreise.» Statt mit öffentlichem Verkehr reisen die Gäste zunehmend mit Reisecars an. «Vor Ostern gab es aus der Bevölkerung Reklamationen, weil die Reisecars den Platz vor der Talstation verstopft haben», erklärt Waldis. Die meist ausländischen Carfahrer würden irgendwo um die Talstation auf ihre Gäste warten, anstatt den Car auf dem dafür vorgesehenen Carparkplatz im Gebiet Zberg abzustellen.

Peter Pfenniger sagt zu den Parkplätzen: «Mit der Gemeinde prüfen wir, die Flächen für den Car-Wendeplatz entweder temporär oder permanent zu erhöhen.» Zudem ist geplant, die Bushaltestelle für den ÖV, die sich im Moment an derselben Stelle befindet, zu verbessern. Auch Waldis sagt: «Da die Rigi Bahnen AG beim Businesskonzept vermehrt auf Gruppenreisen mit Cars setzt, muss die Carparkplatzmenge vergrössert werden.» Dies sei aber schwierig, da Vitznau aufgrund von Naturgefahren und knappem unbebautem Bauland stark eingeschränkt sei. «Statt den jetzigen sechs bis acht Cars rechnet die Rigi Bahnen AG künftig mit 20 bis 50 Cars pro Tag, welche Gästegruppen bringen.»

Geprüft wird laut Pfenniger auch, ob die Züge, die heute ab Vitznau stündlich fahren, künftig für Gruppen häufiger verkehren. «Allenfalls führen wir zwischendurch noch einen Takt für Gruppen ein, um die Regelzüge nicht zu überlasten.» Eine weitere Möglichkeit sei, Gruppenreisen besser auf die beiden Talstationen in Weggis und Goldau aufzuteilen. Dies ist auch ein Anliegen des Vitznauer Gemeinderats. «Unser Ziel ist es, dass die Cars auf die Talstationen Weggis, Goldau und Vitznau verteilt werden», so Waldis.

«Der Markt ist stark wachsend»

Obwohl die Bahn auf den Pilatus seit letzter Woche wieder fährt, rechnet Peter Pfenniger auch künftig mit vielen Gruppenreisenden: «Vielleicht gibt es zunächst einen leichten Rückgang. Mittel- bis langfristig aber rechne ich nicht mit einer Abnahme. Denn der Markt ist stark und sehr schnell wachsend.» Dass speziell wegen der Touristengruppen kurzfristig mehr Personal eingestellt wird, damit rechnet Pfenniger nicht. Man wolle die Situation zunächst noch beobachten. «Unsere Mitarbeiter werden künftig aber sicher noch stärker für unsere Gäste aus Asien geschult.»