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RIGI: Von der Hütte zum Massentourismus

Vor 200 Jahren wurde auf Rigi Kulm das erste Hotel mit sechs Betten eröffnet. Es folgte eine touristische Erfolgsgeschichte, aber auch ein Niedergang.
Susanne Balli
Oben: Die drei Hotels auf Rigi Kulm, von links: Hotel Schreiber, erbaut 1872 bis 1875, Hotel Regina Montium, eröffnet 1857, und Hotel Rigi-Kulm, eröffnet 1848, abgebildet auf einer Postkarte.

Oben: Die drei Hotels auf Rigi Kulm, von links: Hotel Schreiber, erbaut 1872 bis 1875, Hotel Regina Montium, eröffnet 1857, und Hotel Rigi-Kulm, eröffnet 1848, abgebildet auf einer Postkarte.

Susanne Balli

Am 6. August 1816 war es so weit: Ab diesem Tag konnten Touristen in einem Hotel auf Rigi Kulm übernachten. Zuvor mussten sich Rigi-Besucher mit Alphütten begnügen. Ab der Eröffnung des ersten Hotels auf Rigi Kulm entwickelte sich der Tourismus auf der Rigi rasend schnell. 1875 standen den Rigi-Touristen bereits 630 Betten in drei Hotels auf Rigi Kulm zur Verfügung. Heute besuchen jährlich 850 000 Personen die Rigi.

Grund genug, die bewegte Tourismusgeschichte der Rigi gebührend zu feiern. Das Jubiläum wird von 1. bis 7. August mit einem reichhaltigen Programm begangen. Weitere Jubiläumsaktivitäten wie das Dinnertheater erstrecken sich bis in den Oktober (siehe Kasten). Zudem erfolgt nach 200 Jahren Hotel auf Rigi Kulm ein Neustart: Alle neun Rigi-Bahnen fahren künftig unter einem gemeinsamen Markendach (Ausgabe vom Mittwoch).

Erste Touristen waren Pilger

Die Voraussetzungen für den Tourismus wurden früh gelegt. «Die Rigi ist seit dem Mittelalter ein Alpgebiet. Der Zugang war also nie ein Problem», sagt Kunsthistoriker Heinz Horat aus Weggis. Horat, der zwölf Jahre das Historische Museum Luzern geleitet hat, kennt sich mit der Geschichte der Rigi bestens aus. Die ersten «Touristen» auf der Rigi waren Pilger. «Sie interessierten sich nicht für Natur und Aussicht, sondern blieben auf Rigi Kaltbad und Rigi Klösterli», erzählt Horat. Sie erhofften sich Seelenheil und Genesung durch die Kraft der Kaltbad-Quelle. Die Quelle wird 1540 erstmals erwähnt. Die Badetouristen kamen in Scharen – die 1689 eingeweihte Wallfahrtskapelle «Maria zum Schnee» auf Rigi Klösterli lockte alsbald jährlich 15 000 Pilger an. Und diese Zahl stiegt rasant an. Um 1730 zählt Rigi Klösterli bereits 25 000 Pilger pro Jahr.

Ab dem 18. Jahrhundert spielte die Natur plötzlich eine grosse Rolle. Der französische Schriftsteller und Philosoph Jean-Jacques Rousseau prägte mit seinem Aufruf «Zurück zur Natur!» viele Wissenschaftler und Künstler. «Die Berge und die Aussicht nahmen durch Albrecht von Hallers Poem ‹Über die Alpen› eine immer wichtigere Rolle ein», so Horat. 1775 besucht Johann Wolfgang von Goethe die Rigi auf seiner ersten Schweizer Reise und notiert in seinem Tagebuch: «Rings die Herrlichkeit der Welt!». «Goethe fand zu dieser Zeit aber noch einen leeren Hoger ohne touristische Infrastruktur vor», sagt Horat.

Sofort erfolgreich

Schliesslich löste das Rigi-Panorama des Zürcher Malers Heinrich Keller einen Hype aus. Er war es auch, der bei seinen Freunden Geld für das erste Gasthaus-Projekt auf Rigi Kulm sammelte, das der Arther Joseph Marti Bürgi 1814 initiiert hatte.

Am 6. August 1816 feierte das erste offizielle Gasthaus auf Rigi Kulm Eröffnung. «Es war ein Blockhaus aus Holz im traditionellen Stil, quasi eine grössere Alphütte», so Horat. Doch das Hotel hatte sofort grossen Erfolg. «1819 beschloss die Luzerner Regierung, von Weggis aus einen mit Pferden begehbaren Weg auf die Rigi zu bauen.» Mit Erfolg.

1819 kamen bereits 1000 Gäste jährlich auf den Gipfel der «Königin der Berge». Horat: «Noch war der Aufwand riesig. Alles Material für die Touristen musste zu Fuss und mit Pferden auf den Berg gebracht werden.» Es entwickelte sich ein grosses Geschäft; Säumer und Rigi-Träger boten ihre Dienste an und schleppten reiche Gäste und deren Gepäck auf die Rigi. «In Weggis wurden Leute blockiert, die selber wandern wollten. Die Regierung und der Gemeinderat mussten einschreiten, damit die Säumer die Touristen nicht belästigten», so Horat.

Dann ging es Schlag auf Schlag: 1848 wurde das neue, aus Stein erbaute Kulm-Hotel mit 130 Betten eröffnet. Es folgte 1857 mit dem Hotel Regina Montium auf Rigi Kulm eine weitere Hotelburg mit 200 Betten. 1868 feierte zudem das Nobelhotel auf Rigi Kaltbad mit 240 Betten Eröffnung. Drei Jahre später, am 21. Mai 1871, wurde die erste Bergbahn Europas von Vitznau nach Rigi Staffelhöhe festlich eingeweiht. 1875 wurde die Arth-Rigi-Bahn in Betrieb genommen und das dritte Hotel auf der Kulm – das palast­artige Grand-Hotel Schreiber – mit 300 Betten eröffnet. Hier wurden der verwöhnten Kundschaft alle Wünsche erfüllt. Ein Tagesaufenthalt kostete 20 Franken, was einem Arbeiterwochenlohn entsprach. Unter anderem war Bayernkönig Ludwig II. zu Besuch und brachte als Geschenk ein Teeservice mit. Dieses kann man sich im Speisesaal des heutigen Rigi-Kulm-Hotels ansehen.

So rasch die Bettenburgen auf Rigi Kulm entstanden, so schnell waren sie wieder Geschichte. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 brach der Tourismus auf die Rigi völlig zusammen. «Danach erholte sich die Hotellerie auf der Rigi in diesem Ausmass bis heute nicht mehr», sagt Horat.

«Mit der Opposition des Schweizerischen Natur- und Heimatschutzes begann die Kritik an den ‹Hotelkästen›.» 1949 bis 1954 wurden die grossen Hotels abgerissen. Der Schwyzer Bauunternehmer Ernst Käppeli erwarb das Grundstück mit den baufälligen Grand Hotels 1949 und erbaute das heutige Rigi-Kulm-Hotel. Dieses verfügt über 33 Zimmer und wird seit 1974 von Beat und Renate Käppeli geführt. Derzeit stecken sie in der Übergabe des Betriebs an ihre Tochter Christina. «Es ist uns eine grosse Ehre und moralische Verpflichtung, das Rigi-Kulm-Jubiläum gebührend zu feiern. Es ist mit einem grossen Dank an meinen Schwiegervater verbunden», sagt Renate Käppeli (60). Die «alten Zeiten» sind auch im heutigen Hotel spürbar. Zum Beispiel im Kulm-Saal, wo das königliche Teeservice steht, oder in den alten Parkettböden, die teilweise noch aus dem Grand Hotel stammen. Auch sind noch altes Silber, Kaffeekännchen und Spiegel in Gebrauch.

«Treue Seminarkundschaft»

Das heutige Rigi-Kulm-Hotel lebt vom Tagesgeschäft. Ein weiteres Standbein ist der Seminarbetrieb, da er kaum vom wechselhaften Wetter abhängig ist. «Wir haben eine treue Seminarkundschaft aus dem In- und Ausland. In rund zwei Stunden ist man vom Flughafen Zürich hier, am schönsten Ort im Herzen der Schweiz», schwärmt Renate Käppeli. Das Familienunternehmen schätzt seine Hotelgäste. «Sie stehen für das Emotionale, und wir können unsere Gastgeberrolle pflegen. Das ist uns sehr wichtig», sagt Renate Käppeli. Die ruhigen Morgen- und Abendstunden geniesse sie denn auch besonders. «Das gibt uns jedes Mal aufs Neue viel Motivation und Kraft.»

Nostalgiefahrten und Dinnertheater

Programmred. In der Jubiläumswoche von 1. bis 7. August wird den Besuchern zum Rigi-Kulm-Jubiläum täglich etwas anderes geboten. Hier eine Auswahl:

  • Am 1. August startet eine Lichtinszenierung. Bis zum 7. August gibts jeden Abend ein visuelles Live-Erlebnis.
  • Am 6. August findet ab 8.30 Uhr eine Säumerwanderung auf Rigi Kulm statt.
  • Angeboten werden auch Nostalgiefahrten mit den Dampfloks 16 und 17 auf die Rigi. Ab Goldau: Von 1. bis 7. August gibt es täglich nostalgische Dampffahrten. Ab Vitznau verkehrt die Dampflok am Montag, 1., und Sonntag, 7., 14. und 21. August. Dampf-Shuttle zwischen Rigi Staffel und Rigi Kulm: dreimal täglich von 1. bis 7. August und dreimal täglich samstags von 13. bis 27. August.
  • Ab 1. August ist im Rigi-Kulm-Hotel die Jubiläumsausstellung «Vom Pickel bis zum Selfie-Stick – 200 Jahre Rigi Kulm» zu sehen.
  • Ein Highlight ist das Dinnertheater «Hochzeitsreise mit Mark Twain». Das Stück feiert am 4. August Uraufführung und Weltpremiere zugleich. Es folgen bis Mitte Oktober 25 weitere Aufführungen.

Hinweis Detaillierte Programminfos und Anmeldungen, Fahrpläne sowie Ticketreservationen unter www.200jahre-rigikulm.ch

Rigi-Kulm vor schöstem Morgenrot. Ansicht auf einer Postkarte. (Bild: PD/Regionalmuseum Vitznau-Rigi)

Rigi-Kulm vor schöstem Morgenrot. Ansicht auf einer Postkarte. (Bild: PD/Regionalmuseum Vitznau-Rigi)

Gigantische, bisher kaum gesehene Aussicht: Im Hintergrund die Mythen vor dem Glärnisch. Ansicht auf einer Postkarte. (Bild: PD/Regionalmuseum Vitznau-Rigi)

Gigantische, bisher kaum gesehene Aussicht: Im Hintergrund die Mythen vor dem Glärnisch. Ansicht auf einer Postkarte. (Bild: PD/Regionalmuseum Vitznau-Rigi)

Majestätisch: Rigi-Kulm. Ansicht auf einer Postkarte. (Bild: PD/Regionalmuseum Vitznau-Rigi)

Majestätisch: Rigi-Kulm. Ansicht auf einer Postkarte. (Bild: PD/Regionalmuseum Vitznau-Rigi)

Hübsch kolorierter Blick von Rigi-Staffel: Rigi-Kulm, der Zuger und der Zürichsee. Ansicht auf einer Postkarte. (Bild: PD/Regionalmuseum Vitznau-Rigi)

Hübsch kolorierter Blick von Rigi-Staffel: Rigi-Kulm, der Zuger und der Zürichsee. Ansicht auf einer Postkarte. (Bild: PD/Regionalmuseum Vitznau-Rigi)

«Rigi-Kulm. Nebelmeer und Alpen». Die moderne und sehr bequeme Bahn wird im Text zwar bescheiden verschwiegen, nimmt im Bild aber ihren Platz ein. Rigi-Ansicht auf einer Postkarte. (Bild: PD/Regionalmuseum Vitznau-Rigi)

«Rigi-Kulm. Nebelmeer und Alpen». Die moderne und sehr bequeme Bahn wird im Text zwar bescheiden verschwiegen, nimmt im Bild aber ihren Platz ein. Rigi-Ansicht auf einer Postkarte. (Bild: PD/Regionalmuseum Vitznau-Rigi)

So sieht das Hotel Rigi Kulm heute aus. (Bild: Pius Amnrein / Neue LZ)

So sieht das Hotel Rigi Kulm heute aus. (Bild: Pius Amnrein / Neue LZ)

Bild: Grafik Janina Noser

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