RISIKOSPORTARTEN: Wer kein Zertifikat hat, wird gebüsst

Anbieter von Hochtouren, Canyoning oder Bungee-Jumping brauchen neu eine Bewilligung. Für Einzelpersonen sind die Regeln klar, für Betriebe fehlt die Zertifizierungsstelle noch.

Roger Rüegger
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Für Risikosportarten wie hier im Bild Canyoning braucht es seit diesem Jahr eine Bewilligung. (Bild: Archiv Neue LZ)

Für Risikosportarten wie hier im Bild Canyoning braucht es seit diesem Jahr eine Bewilligung. (Bild: Archiv Neue LZ)

Für Risikosportarten im Gebirge, an Bächen und Flüssen gelten seit diesem Jahr strengere Bestimmungen. Personen oder Betriebe, die gewerbsmässig River-Rafting, Bungee-Jumping oder Hochtouren anbieten, unterstehen in der Schweiz seit dem 1. Januar gesetzlichen Vorschriften und benötigen eine Bewilligung. Das neue Gesetz geht auf den Canyoning-Unfall mit 21 Toten zurück, der sich 1999 im Saxetbach im Berner Oberland ereignete.

44 Zentralschweizer eingetragen

Von der neuen Vorschrift sind neben spezialisierten Betrieben professionelle Bergführer oder Aspiranten mit anerkanntem Kurs, Kletterlehrer, Schneesportlehrer und Wanderlehrer mit Fachausweisen betroffen. Die Bewilligungspflicht gilt für Anbieter von Skitouren oberhalb der Waldgrenze oder von Bergtouren ab einem gewissen Schwierigkeitsgrad. Gemäss dem Bundesamt für Sport (Baspo) gilt als gewerbsmässig, wer ein Einkommen von mindestens 2300 Franken im Jahr erzielt.

Die Personen und Betriebe mit einer Bewilligung sind auf der Baspo-Website aufgelistet. Aus der Zentralschweiz sind aktuell 44 Personen eingetragen. Betriebe sind keine darunter. Aus dem Kanton Luzern haben 13 Personen eine Bewilligung, vorwiegend Bergführer.

Einer von ihnen ist Jean-François Savary aus Kriens. Der 34-jährige Waadtländer ist seit 2003 hauptberuflicher Bergführer. Er verfügt zusätzlich über eine Ausbildung für Canyoning-Touren. Das neue, schweizweite Gesetz ist seiner Ansicht nach richtig. «Das ist für mich nicht neu. In den Kantonen Waadt und Wallis ist schon länger eine Bewilligung erforderlich. «Unser Beruf ist durch diese Bewilligungspflicht besser geschützt. Es ist uns Bergführern ein Anliegen, dass nicht jeder Hobbybergsteiger Hochtouren anbieten darf», sagt der dreifache Familienvater.

Canyoning: Zusatzausbildung nötig

Hauptzweck der neuen Risikoaktivitätengesetzgebung ist gemäss Baspo der Schutz der Konsumenten. Potenzielle Kunden können auf der Baspo-Website einfach abklären, wer über die erforderlichen Bewilligungen verfügt.

Die Bewilligungen stellt im Kanton Luzern die Gewerbepolizei aus. «Diese wird an Einzelpersonen mit einem entsprechenden Fachausweis erteilt. Anbieter als Unternehmen müssen eine entsprechende Zertifizierung nachweisen, damit sie eine Bewilligung erhalten», sagt Simon Kopp, Medienbeauftragter der Luzerner Gewerbepolizei. Bergführerinnen und Bergführern könne zudem das Anbieten von Canyoning bewilligt werden, wenn sie über eine entsprechende Zusatzausbildung verfügen.

Die Bewilligung kostet 100 Franken und ist für Einzelpersonen vier Jahre gültig. Die Gültigkeit für zertifizierte Betriebe ist auf zwei Jahre beschränkt. Allerdings ist laut Simon Kopp noch kein Gesuch von Betrieben eingegangen.

Bundesamt: «In Übergangsphase»

Das Bewilligungsverfahren für Betriebe ist zum jetzigen Zeitpunkt noch schwierig, weshalb nur vier Betriebe überhaupt schon über eine Bewilligung verfügen. «Bei Betrieben sind die Bewilligungsvoraussetzungen anders als bei Einzelpersonen, bei denen ein eidgenössischer Fachausweis Voraussetzung für eine Bewilligung ist. Bei Betrieben wird das Sicherheitsmanagement gemäss den Vorgaben der Risikoaktivitätengesetzgebung zertifiziert», erklärt Stefanie Mägert, Mitarbeiterin im Bereich «Fairness und Sicherheit im Sport» beim Bundesamt für Sport.

Das Problem: Es gibt noch keine akkreditierte Zertifizierungsstelle, die noch nicht zertifizierten Betrieben ihr Sicherheitsmanagement bestätigt. Betriebe, die noch nicht zertifiziert sind, müssen bis Ende März 2014 eine Bewilligung einholen. Diese wird ihnen mit der Auflage ausgestellt, innert Jahresfrist eine Zertifizierung nachzureichen. «Wir stecken in einer Übergangsfrist», sagt Mägert. Doch die Lösung sei bereit, sodass eine Zertifizierungsstelle demnächst zur Verfügung stehe.

Busse bis zu 10 000 Franken

Betroffen vom neuen Gesetz ist in der Zentralschweiz etwa die Firma Outventure AG in Stans, die Bungee-Jumping anbietet und einen Seilpark betreibt. «Die Grundidee einer Bewilligung für sicherheitszertifizierte Betriebe ist gut. Doch wenn ein Gesetz in Kraft tritt, sollten auch die Richtlinien bereits bekannt sein», sagt Robert Riedl, Sicherheitsbeauftragter der Firma. Die Outventure AG betreibt Bungee-Jumping seit Jahren und ist ein bei «Safety in adventures» zertifiziertes Unternehmen.

Einzelpersonen, die Risikosportarten anbieten, müssen bei den kantonalen Kontaktstellen bis Ende Juni 2014 Gesuche einreichen. Wer dies versäumt und trotzdem gewerbsmässig Risikosportarten anbietet, muss laut Urs Wigger, Mediensprecher der Luzerner Polizei, mit einer hohen Busse rechnen. «Übertretungen werden gemäss dem Risikoaktivitätengesetz mit Bussen bis zu 10 000 Franken bestraft. Dazu gehört insbesondere das Anbieten von Aktivitäten ohne Bewilligung oder wenn jemand unvollständige oder unrichtige Angaben macht, um eine Bewilligung zu erhalten.»

Dies wäre ein Offizialdelikt. Entsprechende Verstösse könnten deshalb durch jedermann verzeigt werden. Somit sei denkbar, dass Aufsichtsorgane von Jagd und Wald, Bahnverantwortliche, Polizeiorgane oder andere Anbieter Anzeige erstatten würden, sagt Wigger.

Hinweis

Eine Liste der Anbieter von Risikosportarten mit Bewilligung finden Sie auf www.baspo.admin.ch

Merkblätter und Links zu Risikosportarten finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/bonus