Analyse

RKK-Austritte: Die Leidtragenden sind die Kulturschaffenden

Die Regionalkonferenz Kultur (RKK) sucht ein neues Finanzierungsmodell, um kleine Gemeinden zurück ins Boot zu holen. Ohne Rabatte und Zugeständnisse wird das schwierig, findet unser Journalist Simon Mathis.

Simon Mathis
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Die Regionalkonferenz Kultur (RKK) musste in den vergangenen Jahren Federn lassen: Mehrere Gemeinden traten aus der regionalen Kulturförderung aus. Viele nennen zwei Hauptgründe dafür: Einerseits ist es die knappe Kasse, andererseits das Bedürfnis, lieber lokale statt regionale Kulturprojekte zu unterstützen. Ersteres ist nachvollziehbar, Zweiteres taugt nicht als Argument.

Natürlich: Auch die lokale Kultur verdient Unterstützung. Es ist begrüssenswert, wenn Gemeinden ihre Volkstheater, Kulturvereine und ihre Fasnacht unterstützen. Aber die Vereinskultur lässt sich nicht gegen Institutionen wie das Kleintheater oder den Südpol ausspielen; das eine darf nicht auf Kosten des anderen gehen. Ansonsten vergleicht man Äpfel mit Birnen. Und nimmt in Kauf, dass die Äpfel verdorren.

Auch das B-Sides auf dem Sonnenberg wird von der RKK unterstützt. Im Bild Kate Tempest (rechts).

Auch das B-Sides auf dem Sonnenberg wird von der RKK unterstützt. Im Bild Kate Tempest (rechts).

Bild: Manuela Jans-Koch, Kriens, 13. Juni 2019

Die heutige Rolle der RKK ist eine direkte Konsequenz der Finanzreform 2008. Damals erfolgte eine Rochade mit dem Kanton: Die Gemeinden zogen sich aus der Finanzierung grosser Kulturinstitutionen wie dem KKL, dem Verkehrshaus und dem Luzerner Sinfonieorchester zurück; die Verantwortung für sie übernahm der Kanton mit dem Zweckverband Grosser Kulturbetriebe.

Im Gegenzug nahmen die Gemeinden etwa das Akku in Emmen, das Museum Bellpark in Kriens und die Zwischenbühne in Horw unter ihre Fittiche – also Projekte mit einer Ausstrahlung über die Gemeindegrenzen hinaus. Die RKK übernahm genau diese Aufgabe. Der Vorwurf kleinerer Gemeinden, es fliesse kein Geld von der RKK zurück in ihre Lokalkultur, zielt somit ins Leere. Ein Austritt aus der RKK ist faktisch ein Bruch mit der Abmachung von 2008 – eine, mit der die Gemeinden notabene 1,4 Millionen Franken pro Jahr sparten. Heute beläuft sich ihr Beitrag auf 0,6 Millionen Franken jährlich, damals waren es noch 2 Millionen.

Hinter alledem steht die legitime Frage, ob die Regionalkultur überhaupt subventioniert werden soll. Wenn Politiker diese Diskussion führen wollen, sollten sie das offen und unverblümt tun – und sich nicht hinter Aussagen wie «Natürlich ist uns die Kultur wichtig» verstecken. Denn Tatsache ist: Wer aus der RKK austritt, nimmt in Kauf, dass Veranstaltungen wie das Fumetto, das B-Sides und das Blue Balls künftig finanziell schlechter da stehen. Was das für Auswirkungen hat, ist im Einzelfall schwer zu sagen; dass Kulturprojekte nicht im Geld schwimmen, ist indes hinlänglich bekannt.

Zuletzt verkündete Ebikon den Austritt aus der RKK. Das erhöht den Druck auf die Kulturförderung, ein neues Finanzierungsmodell vorzulegen. Wie dieses aussehen wird, ist offen. Im Gespräch ist die Idee, die Gemeinden je nach Distanz zu den unterstützten Kulturzentren zur Kasse zu beten. Das ist offenbar ein Zugeständnis an die Gemeinden ausserhalb des Agglomerationskerns, die weniger zahlen wollen. Allerdings lässt sich der Wert eines Kulturzentrums für eine Gemeinde nur schwer in Kilometer umrechnen. Dieses System ist noch unlogischer als das heutige, dessen Beiträge sich nach der Einwohnerzahl richten. Schon jetzt zahlen die grossen Agglo-Gemeinden deutlich mehr als andere.

Der Blick einzelner Gemeinden richtet sich auf den Kanton Luzern. Ob dieser dazu bereit ist, sich finanziell stärker zu beteiligen, ist zumindest fraglich. Er gibt der regionalen Kulturförderung bereits jährlich einen Zustupf von 0,3 Millionen für Einzelprojekte.

Das eigentliche Problem liegt anderswo: Die RKK hat es nicht geschafft, die Gemeinden vom Wert der regionalen Kulturförderung zu überzeugen. Luzern-Plus hat jetzt diese Aufgabe übernommen. Allerdings: Die kleinen Gemeinden kann man wohl nur zurück ins Boot holen, wenn sie deutlich weniger zahlen müssen. Verliererin wird letztlich die regionale Kultur sein.

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