RÖMERSWIL: Etwas anderes als das Kornett kam nie in Frage

Der kantonale Ehrenveteran Josef Stocker blickt auf eine 50-jährige Musikantenkarriere zurück. In sein Hobby hat er viel investiert – und er hat nur einen musikalischen Wunsch für die Zukunft.

Ernesto Piazza
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Josef Stocker (65). (Bild: Roger Grütter (Römerswil, 30. Dezember 2016))

Josef Stocker (65). (Bild: Roger Grütter (Römerswil, 30. Dezember 2016))

Josef Stocker sitzt am Küchentisch und blickt auf seinen Spickzettel. «Ich hoffe, die wichtigsten Daten sind dabei», sagt er. Diese schrieb er sich so auf die Schnelle noch zurecht. Und obwohl er es sich kaum anmerken lässt: Seine 50-jährige aktive Musikantenkarriere erfüllt ihn auch ein wenig mit Stolz. Heute und morgen wird er anlässlich des Jahreskonzerts der Musikgesellschaft Römerswil für seine Ernennung zum kantonalen Ehrenveteranen geehrt.

Bereits mit 15 Jahren führte ihn sein Weg «in die Musik». Vater, Onkel, ja, die ganze Familie Stocker frönen diesem Hobby schon jahrzehntelang. Und mit Ausnahme eines Jahres blieb der 65-jährige Landwirt der Brass Band Römerswil – so nennt sie sich heute – treu. «Das war 1968», erinnert sich der vierfache Familienvater. Damals besuchte Josef Stocker in Hohenrain das Lehrjahr. Dort durfte die Musik genauso wenig fehlen. Sein Chef nahm ihn mit an die Probe. «Dadurch entstanden auch Freundschaften, die bis heute Bestand haben.» Josef Stocker ist eine treue Seele. Das lässt sich unschwer auch damit erklären, dass er mittlerweile seit 42 Jahren mit Trudi verheiratet ist. Zudem fehlt er kaum bei einer Probe. Diese besuche er jeweils zusammen mit Sohn Herbi und Tochter Esthi.

Fünf Franken für das Ignorieren der Polizeistunde

Die Blasmusik ist sein Steckenpferd. Abseits des Spiels im Verein liegen seine Präferenzen vor allem bei der lüpfigen Unterhaltung, vor allem bei den Oberkrainern. Eher «schwere, melancholische» Musikstücke gehören nicht zu seinen Favoriten. Die Musik ermögliche ihm, vom Alltag abzuschalten, sagt er. «Proben, ja Musikanlässe generell, geben mir immer ein gutes Gefühl.» Einen hohen Stellenwert misst er der Pflege der Kameradschaft bei. Dazu gehört auch das obligate Bier nach der Probe. Weil es mittlerweile in Römerswil kein Restaurant mehr gibt, seien sie oft auch im «Gormund» und im «Herlisberg», weiss Stocker. Früher sei es vorgekommen, dass die Gesetzeshüter die Polizeistunde noch kontrolliert hätten. «So kam es vor, dass wir fürs Überhocken halt den Fünfliber bezahlten, anschliessend aber trotzdem weiter blieben.»

Nie mehr so viele Leute in Römerswil wie 1976

Während seiner bisherigen Musikantenkarriere war der 65-Jährige bei rund 3500 Proben und Anlässen dabei. «Wenn ich rechne, dafür jeweils nur 10 Franken ausgegeben zu haben, gibt das einen guten Ladewagen», sagt Stocker. Der Landwirt erinnert sich vor allem an die Sommernachtsfeste in Römerswil, die Fasnacht, die Musikfeste und Musiktage. Speziell an diejenigen im eigenen Dorf im Jahre 1976. So viele Leute wie damals, habe er seither nie mehr in Römerswil gesehen.

Ein Highlight ist für ihn am Schmutzigen Donnerstag und am Güdismontag das Spielen auf dem Fasnachtswagen. Dann fährt die 10er-Musik, die sich aus Vereinsmitgliedern rekrutiert, von Hof zu Hof. «Dadurch machen wir den Leuten eine Freude und bessern gleichzeitig unsere Kasse auf», sagt Stocker. Während den 50 Jahren bewegten ihn auch traurige Momente. Mehrmals gab er «lieben Kameraden» das letzte Geleit. Stocker erlebte während seinem Schaffen 12 Dirigenten. Der 65-Jährige machte mit drei Generationen Musik. Sein erstes Instrument war ein Flügelhorn. Sein Vater habe schon darauf gespielt. In der Folge wechselte er zum Kornett – seinem Wunschinstrument – wie er betont. «Ich hätte mir nie vorstellen können, ein anderes zu lernen.» Heute spielt er das 2. Kornett.

Aktuell zählt die Brass Band der 3. Stärkeklasse 32 Aktive, dazu gehören auch zwei Frauen. Noch könnten sie alle Register füllen, betont er. Doch auch die Römerswiler Musikanten müssen zum Nachwuchs Sorge tragen. Momentan weisen die Aktivmitglieder eine Altersbandbreite von 15 bis 72 Jahre auf. Stocker ist überzeugt: «Das Zusammenspiel von Alt und Jung ist für beide Seiten reizvoll und herausfordernd.»

Dass er nun für seine 50-jährige musikalische Karriere geehrt wird, findet der kantonale Ehrenveteran zwar «schön». Er habe aber nicht danach gestrebt, sagt Stocker. Solange es ihm weiter Spass mache, «will ich einfach weiter Musik machen».

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Die Konzerte finden heute und morgen (je 20.15 Uhr) in der Mehrzweckhalle statt. Eintritt frei – Türkollekte. Weitere Angaben gibt es unter: www.mgroemerswil.ch