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ROGGLISWIL: Ein Dorf, so sicher wie ein Tresor

Nirgends im Kanton gibt es so wenige Verbrechen wie in Roggliswil. Liegt es an der Abgeschiedenheit? Nicht nur, versichern der zuständige Polizist und der Gemeindepräsident.
Alexander von Däniken
Viktor Tschopp (54), Polizist am Posten Pfaffnau, ist auch für die Sicherheit des Nachbardorfes Roggliswil (Bild) besorgt. (Bild Nadia Schärli)

Viktor Tschopp (54), Polizist am Posten Pfaffnau, ist auch für die Sicherheit des Nachbardorfes Roggliswil (Bild) besorgt. (Bild Nadia Schärli)

Alexander von Däniken

Sanft wiegen die Geranien in den Blumenkästchen, aus einem offenen Fenster eines Hofhauses schallt ein Radio. Ein Traktor knattert um die Ecke, beobachtet von einem Buben, der mit dem Velo ein paar Runden dreht. Hier in Roggliswil herrscht die Landidylle, ist der Honigstein deren Bewacher. Der Felsblock ist ein unverhofftes Geschenk aus dem Wallis: Der Rhonegletscher hat den Findling hierher getragen. Dass der Schweizerische Alpenclub den Felsblock 1932 unter Schutz stellte, damit nicht noch mehr Baumaterial abgetragen wird, passt zum Dorf, in dem jeder zu allem schaut.

Roggliswil ist die sicherste Gemeinde im Kanton Luzern. In den Jahren 2013 bis 2015 haben sich hier jeweils nur gerade zwischen zwei und sechs Straftaten gegen das Strafgesetzbuch und gar keine gegen das Betäubungsmittel- sowie das Ausländergesetz ereignet. Warum ist das so? Wir fragen einen, der es wissen muss: Viktor Tschopp (54), seit 21 Jahren Polizist am Polizeiposten Pfaffnau und als solcher für die Sicherheit in Roggliswil zuständig. «Roggliswil ist eine kleine Gemeinde, es führt auch keine Hauptachse durch das 650-Einwohner-Dorf», sagt Tschopp. Tatsächlich müssen Autofahrer nach Verlassen der Autobahn bei Reiden schon bewusst Richtung Pfaffnau fahren, um nach Roggliswil zu kommen.

«Jeder kennt jeden»

Im Dorf selbst gibt es kaum Industrie, wie Tschopp weiter ausführt. Dafür kenne in Roggliswil jeder jeden, und man pflege einen guten Umgang miteinander. «Die soziale Kontrolle funktioniert. Wenn jemandem eine fremde Person auffällt, die sich merkwürdig verhält, dann wird die Polizei gerufen.» Wobei: Das komme selten vor. Mehrmals in der Woche fährt Tschopp, der den Posten in Pfaffnau als wohl Einziger bei der Luzerner Polizei allein führt, durch Roggliswil. Dabei sorge er für die Schulwegsicherheit und leiste auch einmal Rechtshilfe für das Betreibungs- oder Strassenverkehrsamt.

Beim Thema Schulweg kommt Tschopp ein weiterer Grund für Roggliswils statistisch belegte Sicherheit in den Sinn: Das Dorf führt nur eine Primarschule, den Beginn der Pubertät erlebt die Dorfjugend tagsüber in der Sekundarschule in Pfaffnau. Hat Viktor Tschopp also nichts zu tun? «Oh doch, in den letzten Jahren haben Alltagsgeschäfte der Polizei auch in Roggliswil zugenommen. Ausserdem bin ich für Pfaffnau, Roggliswil und St. Urban zuständig und arbeite regelmässig auch in den Regionen Willisau und Entlebuch.»

Hier regiert der Primus inter Pares

Die Roggliswiler Gemeindeverwaltung ist ein schlichtes Haus, in dem auch der Hauswart des nebenstehenden Schulhauses wohnt. Hinter dem Schalter mit einem Hinterglasfoto von einem Aussichtspunkt von Roggliswil auf die Berner Alpen hat Josef Steinmann-Kreienbühl sein Büro. Der 54-Jährige ist seit 2012 Gemeindepräsident von Roggliswil. Und er kennt praktisch alle Einwohner: «Ich bin hier aufgewachsen und habe immer hier gelebt.» Steinmann ist also ein klassischer Primus inter Pares – der Erste unter Gleichen.

Öfters als im kühlen Büro ist Steinmann draussen. Er ist Landwirt. Wenn seine Einwohner ein Anliegen an ihren Gemeindepräsidenten mit 30-Prozent-Pensum haben, wissen sie, wo er sich befindet. Die Frage, warum Roggliswil so sicher ist, beantwortet er wie Polizist Viktor Tschopp mit der Lage und mit der Anonymität, «die hier nicht gewährleistet ist». Was durchaus von Vorteil ist, wie Steinmann erklärt: «Es kann auch bei uns zum Beispiel zu Nachbarschaftskonflikten kommen. Solche Sachen werden aber in der Regel ohne Anwälte oder Beschwerden geregelt. Denn in Roggliswil gibt es viele Wohneigentümer, die nur ungern wegziehen wollen.»

Eigenständigkeit im Fokus

Welche Sorgen treiben also den aus drei Personen bestehenden Gemeinderat um? «Damit wir weiterhin eine eigenständige Gemeinde bleiben können, müssen wir wachsen», antwortet Steinmann. Dabei soll der Charakter Roggliswils aber bestehen bleiben. Immerhin, fügt der Gemeindepräsident an, habe die Infrastruktur noch Kapazität. Er deutet auf das Schulhaus nebenan, das durchaus noch ein paar zusätzlichen Kindern Platz bietet.

Auf jeden Fall soll das Dorf eine Wohngemeinde bleiben. Platz ist noch genug vorhanden: Per Ende 2015 betrug hier die Leerwohnungsziffer 3 Prozent – das Dreifache des kantonalen Schnitts. «Die Mieten sind in Roggliswil sicherlich tiefer als in der Agglomeration Luzern. Dafür muss man das Pendeln mögen.» Das Gewerbe will Steinmann unbedingt erhalten und leicht ausbauen. Das Nötigste ist immerhin vorhanden: zum Beispiel zwei Restaurants, ein Dorfladen und eine Postagentur.

Bänkli und Neuzuzüger-Apéro

Klein im Vergleich zu grösseren Gemeinden sind in Roggliswil auch die Bedürfnisse der Einwohner. Kürzlich habe die Bevölkerung eine zusätzliche Sitzbank gewünscht. Und einen Neuzuzüger-Apéro inklusive Dorfrundgang. «Leider hat es bei der ersten Durchführung geregnet», sagt Steinmann schmunzelnd.

Die Wünsche trage die Bevölkerung entweder direkt ins Gemeindehaus oder über die IG Roggliswil bewegt. Die Gruppierung wurde vor zwölf Jahren gegründet, um überparteilich Neubesetzungen für den Gemeinderat sicherzustellen, tritt aber nicht als Partei auf. Tatsächlich hat es seither keine Probleme mehr bei den Gemeinderatswahlen gegeben, erklärt Steinmann, ehe er sich verabschiedet, um nach seinem Hof zu schauen.

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