Roggliswiler Brüder spielen am kantonalen Blasmusik-Wettbewerb auf Sieg – oder für tolle Preise

Die Luzerner Blasmusikszene trifft sich am 6. und 7. April in Root. 300 Solisten sind am Start. Der Jüngste, Sven Ruckstuhl, will mit seinem Es-Horn gewinnen. Der 9-Jährige wäre aber auch mit einer elektrischen Zahnbürste als Preis zufrieden.

Roger Rüegger
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Die Brüder Nils (links) und Sven Ruckstuhl treten in Root mit dem Es-Horn als Solomusiker auf. (Bild: Nadia Schärli, 25. März 2019)

Die Brüder Nils (links) und Sven Ruckstuhl treten in Root mit dem Es-Horn als Solomusiker auf. (Bild: Nadia Schärli, 25. März 2019)

Einige der besten Musikanten im Kanton Luzern messen sich am 6. und 7. April in Root. Am 27. Luzerner Solo- und Ensemblewettbewerb (LSEW) nehmen über 300 Solistinnen und Solisten sowie rund 30 Ensembles teil. Das ist eine richtig grosse Kiste. Doch nicht nur das. Der Wettbewerb trägt auch dazu bei, dass sich die Luzerner Blasmusik seit Jahren auf hohem Niveau bewegt, wie Christoph Troxler, Präsident des Luzerner Kantonal-Blasmusikverbands (LKBV), sagt.

«Der Nachwuchs profitiert sehr von diesem Wettbewerb. Es herrscht ein gesunder Konkurrenzkampf und es macht den Kindern und Jugendlichen Freude, das spürt man», so Troxler. Die Veranstaltung in Root finde in der Blasmusikszene schweizweit Beachtung, auch weil das Teilnehmerfeld so gross sei.

Die Vorträge werden von einer hochgradigen Jury bewertet. Laut Troxler ist dies ein wesentlicher Punkt, dass der Nachwuchs viel profitieren kann:

«Die jungen Leute treten heute mit einem grossen Selbstbewusstsein auf die Bühne, was auch ein Verdienst der Musikschulen ist.»

Die Beurteilungen der Jury würden ihren Teil dazu beitragen. Insgesamt sind 20 namhafte Fachjuroren für den Wettbewerb im Einsatz und werden jedem Teilnehmer und den Ensembles eine kompetente Beurteilung abgeben.

Wir haben die Nachwuchsmusikanten Sven (8) und Nils (12) Ruckstuhl auf dem Hof ihrer Eltern in Roggliswil besucht. Beide spielen Es-Horn und treten in Root als Solomusiker auf. Sven ist der jüngste Teilnehmer, Bruder Nils hingegen wird zum dritten Mal dabei sein. Der Fünftklässler zeigt seine Jury-Beurteilung des letzten Wettbewerbs: «Sehr schöner Beginn ... probiere mutiger zu spielen ... Dynamik noch nicht am Limit ... Bravo.» Mit solch motivierenden Feedbacks können die Musikschüler etwas anfangen.

Begonnen hat Nils vor vier Jahren. «Ein Kollege aus der Jugi spielt auch Es-Horn. Das hat mir gefallen, darum habe ich auch damit angefangen», sagt der Schüler, der nicht unbedingt danach strebt, der Beste zu sein, wie er sagt.  Sven sieht es etwas anders. Ein Platz unter «Ferner liefen» ist nicht sein angestrebtes Ziel. Er sagt:

«Ich will eigentlich schon gewinnen.»

Aufgeregt sei er nicht. Auch nicht, wenn er alleine auf der Bühne stehe, meint er selbstbewusst. Mutter Esther fügt hinzu: «Sven hat im Kunstturnen schon einige Wettkämpfe ausgetragen, er ist es sich gewohnt, alleine aufzutreten.» Der junge Bursche betreibt mit dem täglichen Üben für die Musikschule und drei Trainings in der Woche fürs Kunstturnen einen ziemlichen Aufwand. Ob der ehrgeizige Sven auf die Karte Musik oder Sport setzt, weiss er aber noch nicht. In den nächsten Jahren muss er sich wohl entscheiden.

Auch wenn er nicht gewinnen sollte, freut sich Sven. «Es gibt tolle Preise. Mein Bruder gewann letztes Jahr eine elektrische Zahnbürste und das Jahr davor eine Power-Bank», sagt er. Das sind doch Ansätze, wofür es sich lohnt, jeden Tag zu üben. Sven und Nils tun dies jeweils mittags, wie Mutter Esther verrät. «Der eine vor dem Essen, danach der andere. Ihr Musiklehrer Armin Renggli versteht es, die Jungen zu motivieren.» Unter seiner Leitung spielen die Ruckstuhl-Buben im Kids-Ensemble der Musikschule Pfaffnau-St. Urban mit.

Wenn die Roggliswiler repräsentativ für den Nachwuchs sind, hat die Luzerner Blasmusik eine aussichtsreiche Zukunft. Verbandspräsident Troxler betont: 

«Die Luzerner schneiden an nationalen Wettbewerben immer sehr gut ab.»

Der LSEW sei für auch eine gute Vorbereitung für die Spielprüfung. «Das Anforderungsprofil ist hoch. Bei bestandener Prüfung ist man Militärtrompeter. 2018 haben 21 Luzerner bestanden. Das ist eine hohe Anzahl und zeugt von einer guten Ausbildung der Jugendlichen im Kanton Luzern», betont Troxler.

Die Brassband Musikgesellschaft Root organisiert den Wettbewerb zum zweiten Mal. Er findet in den Gemeinderäumlichkeiten rund um die Arena statt. Die Solisten und Ensembles sind nach Alter und Instrument in über 30 Kategorien eingeteilt. Die meisten spielen in den Kategorien mit den Instrumenten Cornet/Trompete und Posaune. Umrahmt wird der Wettbewerb von Galakonzerten der BML Talents und der Bürgermusik Luzern. Die Spitzenensembles legen für die jungen Musikanten eine hohe Messlatte. Vielleicht wird Sven von den Top-Bands bei seiner Entscheidung beeinflusst.