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ROGGLISWIL/PFAFFNAU: Als eine Boygroup Roggliswil eroberte

Der 94-jährige Stephan Vonesch ist ehemaliger Sägereibesitzer und Holzhändler. Im hohen Alter hat er begonnen, Bücher zu schreiben – über sein eigenes Leben, aber auch dasjenige anderer.
Acht von zehn Mitgliedern der Pongobande um 1945 (von links): Franz Blum, Vinzenz Blum, Albert Steinmann, Anton Geiser, Anton Steinmann, Hans Büchler, Fritz Geiser. Sitzend: Franz Geiser. (Bild: Archiv Stephan Vonesch)

Acht von zehn Mitgliedern der Pongobande um 1945 (von links): Franz Blum, Vinzenz Blum, Albert Steinmann, Anton Geiser, Anton Steinmann, Hans Büchler, Fritz Geiser. Sitzend: Franz Geiser. (Bild: Archiv Stephan Vonesch)

Zum Schreiben gekommen ist Stephan Vonesch erst im Alter von 90 Jahren. Der Heimweh-Rogg­liswiler, der heute in Pfaffnau lebt, schrieb eine Autobiografie. Es folgte eine Familiengeschichte der Voneschs und die Biografie des Vaters Melchior. Nun hat er die «Chronik von der Gemeinde Roggliswil» auf eigene Faust veröffentlicht. «Es gibt viele Roggliswiler, die heute an einem andern Ort leben, sich aber der Gemeinde immer noch verbunden fühlen», sagt der Autor, der sich sicher ist, dass sein Werk über die Gemeinde hinaus Anklang findet. Der rüstige Herr lebt seit dem Tod seiner Frau allein, immer noch selbstständig, unterstützt von einer Haushaltshilfe.

Wie so oft gleicht das Studium einer Chronik Perlentaucherei: Etwa, um auf die erste Boygroup aus Roggliswil zu stossen, die «United Pongos», die sich auch den Übernamen «Pongobande» einhandelte. Sie war zwischen 1943 und 1947 aktiv, vertreten waren die Familien Blum, Steinmann, Geiser und Büchler. «Es waren zehn junge Burschen von der Netzelen, alle um die 20 Jahre alt», schreibt ­Vonesch. Dabei waren die flotten jungen Männer nicht nur gute Sänger und Musiker, sondern auch für ihre Nachtbubenstreiche und legendären Feste im Hause Steinmann bekannt. ­Dabei seien die Besuche des ­Jugendseelsorgers Baumli «manchmal unerwünscht» gewesen, heisst es viel sagend. ­Anstelle einer Gage sollen die ­lebenslustigen Junggesellen jeweils auf Bezahlung in «flüssiger Form» bestanden haben, wie den Protokollen zu entnehmen ist, die als «Pongo-Tagebuch» ihren festen Platz in der Geschichte Roggliswils haben.

Selbstverständlich kommen weitere Vereine und Familien aus Roggliswil in dieser Chronik vor, etwa der Männerchor, die Feuerwehr, die Radfahrergruppe, die während der Kriegsjahre «wegen Pneumangels» auf die Ausführung ihres Strassenrennens verzichten musste. Auch die Guts, Meiers und Hunkelers erhalten ihren Platz.

Vom Elektriker zum Sägereibesitzer

Ausführlich wird natürlich die eigene Familiengeschichte beschrieben: So war es Stephan ­Voneschs Vater Melchior, der 1925 «als Nebenerwerb» mit dem Holzhandel begann. Er übte auch andere Berufe aus, war «ein geschäftiger Mann», wie Stephan Vonesch mit einem Schmunzeln sagt, und verdiente wahlweise als Landwirt, Sanitärinstallateur und Elektriker seine Brötchen.

Als die CKW in der Region eine Zweigstelle eröffnete, zog sich der Vater aus dem Elektrikerberuf zurück. Im Jahr 1945 beschlossen Stephan Vonesch, sein Vater und sein Bruder schliesslich, das Sägereigeschäft auszubauen und die Sägerei Vonesch und Söhne zu gründen.

«Ich war frech genug und innovativ»

Von 1957 an hat Stephan Von­esch bis zur Schliessung 1982 die Sägerei als «Einzelfirma» geführt – unterstützt von Lehrlingen und einem Handlanger. Vonesch begründet seinen unternehmerischen Erfolg damit, dass er «frech genug und innovativ» war. Und: «Die Leute vertrauten mir.»

Einen guten Riecher hatte er etwa, als er Deckäste für Blumenrabatten im Winter anbot. «Die waren damals sehr gefragt», so Vonesch. Im November wurden jeweils rund ein Meter lange Äste, eigentlich Abfallprodukte des Sägewerks, zu rund 15 Kilogramm schweren Bündeln verarbeitet. «In besten Jahren verkauften wir 13 000 davon, im Schnitt waren es 10 000.»

Apropos beste Zeiten: Stephan Vonesch war zeitweise an fünf Sägereien beteiligt, bevor er das Geschäft 1982 verkaufte und nach Pfaffnau zog. «Wegen eines Landstreits», sagt er kurz und knapp. Roggliswil trägt er aber weiter in seinem Herzen, und seine über 200 Seiten starke Chronik sei ein Geschenk an die Gemeinde, die für ihn immer noch Heimat bedeutet.

Urs-Ueli Schorno

ursueli.schorno@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Die Roggliswiler Chronik ist auf der Gemeindekanzlei und im Dorfladen Roggliswil für 35 Franken erhältlich. Bestellungen nimmt Stephan Vonesch unter der Mail­adresse vonesch.holz@sunrise.ch entgegen.

Stephan Vonesch mit seinem neuesten Werk, der «Chronik von der Gemeinde Roggliswil». (Bild: Nadia Schärli (Pfaffnau, 22. Dezember 2017))

Stephan Vonesch mit seinem neuesten Werk, der «Chronik von der Gemeinde Roggliswil». (Bild: Nadia Schärli (Pfaffnau, 22. Dezember 2017))

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