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Mit Rolf Born tritt Emmens «erster Botschafter» zurück

Gemeindepräsident Rolf Born (FDP) verabschiedet sich Ende Monat aus der Exekutive.
Beatrice Vogel
Rolf Born (FDP) tritt per Ende August als Gemeindepräsident Emmens zurück. Bild: Pius Amrein (Emmen, 7. August 2019)

Rolf Born (FDP) tritt per Ende August als Gemeindepräsident Emmens zurück. Bild: Pius Amrein (Emmen, 7. August 2019)

«Melden Sie sich einfach, wenn Sie etwas brauchen», sagt der Feuerwehrmann beim Besuch unserer Zeitung. Ob Rolf Born für das Foto in einem Feuerwehrauto am Steuer Platz nehmen darf? «Natürlich, er ist ja der Chef», so die Antwort.

Rolf Born (FDP) in einem Fahrzeug der Feuerwehr Emmen. Bild: Pius Amrein (Emmen, 7. August 2019)

Rolf Born (FDP) in einem Fahrzeug der Feuerwehr Emmen. Bild: Pius Amrein (Emmen, 7. August 2019)

Dass der Gemeindepräsident die Feuerwehr Emmen als Fotosujet vorgeschlagen hat, kommt nicht von ungefähr. Schliesslich ist der FDP-Politiker auch Sicherheits- und Sportdirektor. «Als ich die Direktion übernahm, sagte man mir: ‹Mit der Feuerwehr hast du nicht viel zu tun, dort läuft’s.› Diese Haltung fand ich nicht richtig», sagt Born. Die Feuerwehrleute leisten professionelle Hilfe in ihrer Freizeit und rücken im Ernstfall aus, «das muss man wertschätzen».

Für den 57-Jährigen beginnt im September ein neuer Abschnitt. Er verlässt den Emmer Gemeinderat und wird künftig die IV-Stelle Luzern leiten. Er übernimmt den Chefposten von Donald Locher, der in Pension geht. Das Dossier ist Born nicht fremd: Bei seiner Wahl in den Emmer Gemeinderat übernahm er zunächst die Sozialdirektion. Unter seiner Regie wurde der Sozialinspektor eingeführt, die Betagtenzentren in eine Aktiengesellschaft ausgelagert, das Jugendbüro sowie die Mütter- und Väterberatung installiert. Mit der Wahl zum Gemeindepräsidenten 2012 wechselte Born die Direktion.

Fokus auf die Vorteile der Gemeinde

Als neuer Gemeindepräsident war es seine Aufgabe, Emmen nach dem Nein zu den Fusionsverhandlungen mit Luzern neues Selbstbewusstsein einzuhauchen. «In der Fusionsdebatte hat man die Vorteile Emmens ins Negative verkehrt. Deshalb ging es darum, die Kräfte zu bündeln und die Bevölkerung zu motivieren. Der Gemeinderat und die Verwaltung haben Emmen auf einen guten Weg gebracht», sagt Born. Klar habe der einstige Industriestandort, der in den 1990er-Jahren einen massiven wirtschaftlichen Abbau und eine starke Zuwanderung erlebt hat, noch heute viele Baustellen, räumt er ein. Doch Emmen behaupte sich als zweitgrösste Stadt der Zentralschweiz, «das zeigen Grossanlässe wie das Innerschweizer Schwing- und Älplerfest 2013 und das Musikfest 2020, aber beispielsweise auch unsere eigene Bundesfeier und Fasnacht sowie die Quartiervereine als tragfähige Basis».

Der Gemeindepräsident hat selten grosse Geschäfte zu vertreten. Ist das nicht manchmal unbefriedigend? Born verneint, er habe andere Aufgaben: «Ich sehe mich als ersten Botschafter der Gemeinde.» So hat er stets die positiven Seiten der Gemeinde betont und versucht, den Standort Emmen zu vermarkten. Die Ansiedlungen der Hochschule Luzern – Design & Kunst und des Musicalhauses LeThéâtre freuen ihn deshalb besonders. Auch mit dem Kanton Luzern habe er immer einen konstruktiven Dialog gesucht.

«Wir waren nicht fehlerfrei»

Blickt er auf die 15 Jahre als Gemeinderat zurück, fällt es dem 57-Jährigen schwer, zu sagen, was man hätte besser machen können. «Wir waren nicht fehlerfrei, aber ich könnte keinen offensichtlich falschen strategischen Entscheid nennen.» Dass es der Gemeinde heute finanziell nicht gut gehe, habe mit den Rahmenbedingungen zu tun. «Früher zahlten die Unternehmen einen Grossteil der Steuern. Das hat sich in den 90ern total geändert.»

Was man womöglich besser hätte machen können, ist die Kommunikation um die Herdschwand: Aus der Bevölkerung kam starker Widerstand gegen das Neubauprojekt Neuschwand und den Abriss des ehemaligen Betagtenzentrums. «Wir haben von Anfang an kommuniziert, dass wir den Verkaufserlös für die Heimauslagerung benötigen. Und die Auslagerung war richtig, davon konnten wir sogar die Linken überzeugen», so Born. «Leider haben die Leute dies über die Jahre wieder vergessen.» So etwas nerve ihn auch im Einwohnerrat, wenn Parlamentarier die Unterlagen nicht richtig studierten. «Wir kämpfen mit der zunehmenden Komplexität der Geschäfte, was die Kommunikation nicht einfacher macht.»

Der dritte Rücktritt innerhalb einer Legislatur

Rolf Born ist bereits das dritte Exekutivmitglied Emmens, das während der aktuellen Legislatur vom Amt zurücktritt. Zuvor haben Urs Dickerhof (SVP) und Susanne Truttmann (SP) den Gemeinderat verlassen – nachdem es bei den Gesamterneuerungswahlen 2016 keine Rochade gegeben hatte. Auf sie folgten Brahim Aakti (SP) und Patrick Schnellmann (CVP). Rolf Born findet den Wechsel während der laufenden Legislatur «nicht unbedingt schlecht. Einige grosse Geschäfte konnten noch vor den Wechseln abschlossen werden».

Dass Ramona Gut-Rogger (FDP) womöglich nach stiller Wahl seine Nachfolge antritt, hält er nicht für problematisch, sie sei eine Kandidatin, die alles mitbringe. «Ausserdem ist es günstiger für die Gemeinde, wenn die Vakanz schnell bereinigt ist, auch weil ein Wahlgang einen riesigen Aufwand in der Verwaltung auslöst.»

Rolf Born selbst wird man auch weiterhin in der Gemeinde Emmen antreffen, etwa an der Chilbi oder an der Fasnacht. Und natürlich auf dem Fussballplatz des SC Emmen, wo er auch als Speaker in Erscheinung tritt. Zudem bleibt er in der FDP-Parteileitung und politisiert im Kantonsrat. Trotzdem freut er sich darauf, weniger in der Öffentlichkeit auftreten zu müssen, «obwohl ich als Gemeindepräsident ein ziemlich ruhiges Leben hatte». Schwierige Situationen habe er selten erlebt. «Das liegt wohl an meiner Persönlichkeit», vermutet er, «ich habe mich immer um einen korrekten Umgang und ein offenes Ohr bemüht.» Er könne den Frust mancher Bürger verstehen – am Ende seien es ja sie, die wählen und zahlen.

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