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ROLLSTUHL: Wenige Zentimeter entscheiden

Hans Banholzer ist Rollstuhlfahrer. Mit seinem Elektrogefährt stösst er immer wieder an Grenzen. Ein Stadtbesuch ist oft eine Fahrt mit Hindernissen.
Hans Banholzer (72) stösst mit seinem Rollstuhl regelmässig an Grenzen. Selbst das Überqueren eines abgeschrägten Randsteins, hier an der Tribschenstrasse in Luzern, bringt ihn in Rücklage. (Bild Dominik Wunderli)

Hans Banholzer (72) stösst mit seinem Rollstuhl regelmässig an Grenzen. Selbst das Überqueren eines abgeschrägten Randsteins, hier an der Tribschenstrasse in Luzern, bringt ihn in Rücklage. (Bild Dominik Wunderli)

Sandra Monika Ziegler

Treppen, Absätze oder zu kleine Lifte: Für den Rothenburger Hans Banholzer (72) und sein Elektrorollstuhl ist nicht alles überwindbar. So ist zum Beispiel ein Besuch in der Jesuitenkirche für Banholzer ein Ding der Unmöglichkeit. Denn der gut 12 Zentimeter hohe Absatz vor der Eingangstüre ist für den Elektrorollstuhlfahrer nicht überwindbar. «Mit einem Handrollstuhl wäre das vielleicht mit Hilfe noch zu machen, doch mein Gefährt ist dafür zu schwer. Ich kann ihn nicht so steil kippen, sonst überstellt es mich gleich selber.» Mann und Rollstuhl wiegen zusammen gute 270 Kilogramm. Das hohe Gewicht ist auch der Grund dafür, weshalb man ihn samt Rollstuhl nicht einfach über eine Schwelle tragen könne. Ein Rollstuhl sei eben kein Tragstuhl, so Banholzer.

Fussgängerstreifen als Hilfe

Mit der Einführung der 30er-Zonen und dem teilweisen Entfernen der Fussgängerstreifen habe sich die Situation für Rollstuhlfahrer noch verschärft, warnte Banholzer in einem Leserbrief Mitte April (Ausgabe vom 14. April). Banholzer: «Der Fussgängerstreifen ist eine Orientierungshilfe, zeigt mir an, wo das Trottoir abgesenkt ist. Ohne Streifen muss ich bei unbekanntem Gebiet zuerst mal suchen.»

Doch nicht nur das Suchen von Übergängen, sondern auch das Ausweichen bei Baustellen oder Umfahren von parkierten Lieferwagen machen ihm das Leben schwer. So wird zum Beispiel auch die Hirschmattstrasse zur hindernisreichen Herausforderung. Banholzer: «Ein Umweg um ganze Häuserblocks ist oft unumgänglich.» Einzige Lösung wäre hier ein aufmerksames Miteinander. Will der Pensionär jedoch zur Rushhour an sein Ziel, dann bestimmt die Hektik den Takt und die Umwege.

«Planer sollten Rollstuhl fahren»

In der Stadt sei die Situation meist passabel, in den Quartieren hapere es dann schon öfters. Doch auch ländliche Gefilde haben ihre Tücken. Deshalb wird der Rothenburger demnächst auch in seiner Gemeinde vorstellig und eine Liste mit verbesserungsfähigen Übergängen abgeben. Für Banholzer ist klar, dass bei Planungen oft zu theoretisch vorgegangen werde und die Prüfung der Tauglichkeit ausgelassen werde. Er rät deshalb: «Vielleicht sollten die Macher wirklich mal selber in einen Rollstuhl sitzen, einen Kinderwagen oder einen Rollator schieben und die Strecke testen.»

Banholzer erhebt als Rollstuhlfahrer keinen Anspruch, überall dabei sein zu können. Er ist sich seiner Einschränkungen durchaus bewusst. Dass er mit seiner Behinderung nicht spontan an einen Anlass gehen kann, hat er längst akzeptiert. «Ich bin ja seit 19 Jahren an den Rollstuhl gebunden», erzählt der ehemalige Holzbauingenieur Hans Banholzer.

Doch so richtig ärgerlich wird es für ihn, wenn, wie an der Tribschenstrasse (siehe Bild), eine Trottoirabsenkung eine Katastrophe ist, während diejenige, wenige Meter weiter entfernt liegt, optimal ist. «Das verstehe ich dann gar nicht, da wurde meiner Meinung nach zu wenig Sorgfalt angewendet.» Wenn die vertikal gemessene Höhendifferenz mehr als vier Zentimeter beträgt, werde es kritisch, so Banholzer. Er hofft, dass die zukünftigen Trottoirabsenkungen und Trennelemente an Querungen die Mindestanforderungen der Norm «Hindernisfreier Verkehrsraum» aus dem Jahr 2014 erfüllen und bestehende entsprechend nachgebessert werden.

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