ROMERO-HAUS: Kündigung wegen Richtungsstreit

Differenzen über die Ausrichtung führten bei Comundo zu einem gewichtigen Abgang. Im Zentrum steht die Frage: Wie christlich soll die Organisation sein?

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Das Romero-Haus in Luzern wird «erwachsen». Vor 30 Jahren wurde das Bildungszentrum gegründet. (Bild Remo Wiegand)

Das Romero-Haus in Luzern wird «erwachsen». Vor 30 Jahren wurde das Bildungszentrum gegründet. (Bild Remo Wiegand)

Eva Riedi Collen verlässt Comundo. Die Luzerner Entwicklungshilfe-Organisation, zu der das Romero-Haus gehört, verliert damit ihre Marketingfachfrau und eine bedeutende Führungsfigur. Man nehme den frei gewählten Abgang «mit grossem Bedauern» zur Kenntnis, schreibt Mediensprecher Ingo Boltshauser.

Riedi Collen stiess vor drei Jahren zur Entwicklungsallianz Comundo, die im Luzerner Romero-Haus ihren Hauptsitz hat. Sie musste als Leiterin der neuen Gross-Abteilung Nord das Kerngeschäft von Comundo, die Personaleinsätze in Entwicklungsländern des Südens, verkaufen. Die erfahrene Unternehmensberaterin war dazu massgeblich an der Reorganisation in Richtung einer nationalen Organisation beteiligt. «Mit Riedi Collen geht eine starke Persönlichkeit, die Comundo in einer schwierigen Phase der Neuorientierung prägte und uns in einem hart umkämpften Spendenmarkt besser positionierte», würdigt sie Boltshauser.

Das befreiungstheologische Profil verblasste

Riedi Collens Veränderungselan führte dem Vernehmen nach indes auch zu Konflikten. Aus Rücksicht auf neue Spendersegmente fuhr sie verstärkt eine säkulare Vermarktungsstrategie, das traditionell christlich-befreiungstheologische Profil der ehemaligen Missionsgesellschaft verblasste. Die Massgabe der Marketingabteilung griff auf andere Schwerpunkte von Comundo wie den Bildungsbereich über. Die dadurch aufgeworfene Profilfrage blieb ungeklärt. Es kam zu Konflikten und vielen Personalwechseln.

Nachfolger von Riedi Collen als Bereichsleiter Nord und Geschäftsleitungsmitglied wird per 1. Juni Ingo Boltshauser selber. Der Auftrag des 53-Jährigen sei es, Kontinuität zu gewährleisten: «Wir müssen uns am Spendenmarkt orientieren, ohne unser Herz und unseren Wesenskern zu verlieren», erklärt der ehemalige Journalist, der seit letztem Jahr als Leiter Kommunikation bei Comundo wirkt. Die Frage, ob man sich weiterhin als christliche Organisation verstehe, sei Gegenstand eines «laufenden Prozesses». Boltshauser lässt indes durchblicken, dass das religiöse Profil von Comundo gewahrt bleibt. So habe man jüngst mit Beat Dietschy einen Präsidenten gewählt, der sowohl als engagierter Theologe wie auch als Kenner der Entwicklungszusammenarbeit bekannt sei.

Die Organisation Comundo ist aus der Missionsgesellschaft Bethlehem (SMB) und der Bethlehem-Mission Immensee (BMI) hervorgegangen. 2013 schloss sich die BMI mit Inter-Agire und E-Changer zur nationalen Entwicklungsallianz Comundo zusammen, E-Changer verliess die Allianz letztes Jahr wieder. Zurzeit beschäftigt Comundo rund 200 Mitarbeitende, davon sind gegen hundert Fachpersonen in sieben Einsatzländern in Lateinamerika, Afrika und Asien tätig.

 

Remo Wiegand

stadt@luzernerzeitung.ch