ROMOOS: Dank ihr überlebt ein 43-jähriger Familienvater

Über zehn Minuten reanimiert eine junge Frau ­einen Herzinfarkt-Patienten und rettet ihm so das Leben. Jetzt wird sie geehrt.

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Angela Lustenberger (27) rettete einem Menschen das Leben. Dafür wird sie mit der Auszeichnung «Ritterin der Strasse» geehrt. (Bild Corinne Glanzmann)

Angela Lustenberger (27) rettete einem Menschen das Leben. Dafür wird sie mit der Auszeichnung «Ritterin der Strasse» geehrt. (Bild Corinne Glanzmann)

«Ein paar gebrochene Rippen gehören dazu», meint die 27-jährige Angela Lustenberger. Die Pflegefachfrau am Kantonsspital Wolhusen will damit deutlich machen, dass man nicht lange zaudern sollte, wenn jemand einen Herzstillstand erleidet. Sie selbst hat letzten Mai einen 43-jährigen Mann reanimiert, der auf der Landstrasse von Romoos nach Dopple­schwand urplötzlich von seinem Velo gefallen war, und ihm so das Leben gerettet. Dafür wird sie heute als «Ritterin der Strasse» geehrt, einer nationalen Auszeichnung, die von der Aktion «Ritter der Strasse» seit über 40 Jahren vergeben wird. Die Übergabe findet am Sitz der Kantonspolizei Luzern an der Kasimir-Pfyffer-Strasse statt.

Sofort gehandelt

«Als ich den Velofahrer mit dem Auto auf der Strasse überholte, schien noch alles in Ordnung», erinnert sich die in Romoos wohnhafte Krankenpflegerin. Dann habe sie in den Rückspiegel geschaut: «Da sah ich, wie der Mann plötzlich umfiel.» Sie sei sofort umgekehrt, habe an einer sicheren Stelle parkiert und bereits auf dem Weg vom Auto zum Verletzten den Rettungsdienst angerufen. Als sie am Handy ­telefonierte, habe der Mann ihr noch gesagt, ihm sei «nicht ganz wohl». «Ich wollte gerade auflegen, als er plötzlich kollabierte und zu einem Notfall wurde.»

Anstrengende Reanimation

Ihr sei klar gewesen, dass der Mann von selbst vom Velo gefallen sein ­musste. Anhand der Symptome habe sie aber nicht gleich erkennen können, woran er litt. «Einiges wies auf einen epileptischen Anfall hin, deshalb brachte ich ihn in Seitenlage.» Plötzlich habe sie bemerkt, dass der Mann nicht mehr atmete: «Da musste ich ihn reanimieren.»

Über zehn Minuten lang habe sie mit beiden Händen sein Brustbein rauf- und runtergedrückt. «Das war mit der Zeit sehr anstrengend, aber in der Situation macht man einfach weiter.» Dann sei der Krankenwagen eingetroffen, und nach etwa zehn weiteren Minuten der alarmierte Rega-Helikopter, der den Bewusstlosen ins Kantonsspital Luzern flog.

Wie Lustenberger im Nachhinein erfahren hat, ist der Mann verheiratet und Vater dreier Kinder. Hätte sie ihn nicht bis zum Eintreffen des Krankenwagens reanimiert, würde er heute wohl nicht mehr leben. «Er hatte an diesem Maitag Geburtstag, er ist 43 alt geworden», weiss die Pflegefachfrau. Nach dem schweren Herzinfarkt gehe es ihm heute wieder «sehr gut», sagt Lustenberger: «Auch die paar gebrochenen Rippen sind nach ein paar Monaten wieder verheilt.»

«Ritterin» will Nachahmer

Beim Reanimieren seien Rippenbrüche fast unvermeidlich. «Denn nur wenn man fest auf das Brustbein drückt, wird das Herz komprimiert und so Blut ausgepumpt, das den Körper mit Sauerstoff versorgt», sagt die Krankenpflegerin. Sie selbst besuche im Spital einmal jährlich den obligatorischen Reanimationskurs. «Der Unfall war der erste Praxistest», sagt sie. Als frisch erkorene «Ritterin der Strasse» möchte Lustenberger nun möglichst viele Nachahmer finden: «Der Unfall hat mir gezeigt, wie wichtig Reanimationskurse sind gerade für Laien. Man kann beim Reanimieren nicht viel falsch machen. Hauptsache, man handelt.»

Simon Bordier