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ROMOOS: Die «bäumigste» Gemeinde

Im Kanton Luzern hat keine Gemeinde mehr Wald als Romoos – und keiner kennt den Wald besser als Revierförster Hans Ming.
Yasmin Kunz
Revierförster Hans Ming (58) steht mit seiner Messkluppe vor einer Buche im Gebiet Oberänzi. Im Hintergrund die Pilatuskette. (Bild Nadia Schärli)

Revierförster Hans Ming (58) steht mit seiner Messkluppe vor einer Buche im Gebiet Oberänzi. Im Hintergrund die Pilatuskette. (Bild Nadia Schärli)

Der Name Romoos wird vom althochdeutschen Rona und Rone abgeleitet und bedeutet unter anderem Baumstrunk oder abgeholzte Waldpartie. Die Alemannen, die im 9. Jahrhundert in diese Gegend einwanderten, rodeten das Waldgebiet. Davon ist jetzt nichts mehr zu sehen. Denn: Wer durch die Gemeinde Romoos fährt und den Blick mal etwas nach oben richtet, stellt fest: Vor lauter Bäumen sieht man den Wald (fast) nicht mehr. Zahlen bestätigen den Eindruck: 2259 Hektaren Wald kann die Gemeinde Romoos, die abseits der Talschaft Entlebuch und an der Ostflanke des Napfs liegt, vorweisen. Zur Veranschaulichung: Das ist eine Fläche, die mehr als 3000 Fussballfelder umfasst. Gemäss Grundbuchamt sind 54,8 Prozent der Gemeindefläche mit Wald bedeckt.

An zweiter Stelle der Waldrangliste liegt die Gemeinde Wikon (48 Prozent), der letzte Platz auf dem Podest wird von der Gemeinde Schwarzenberg (47,5 Prozent) besetzt. Der Kanton Luzern verfügt über eine Waldfläche von 40 000 Hektaren.

Der Wald ist sein Arbeitsplatz

Der Rekord der Berggemeinde Romoos überrascht, zumal dies erstmals auf Anfrage unserer Zeitung ausgewertet wurde. Auch hatte man weder bei der Dienststelle für Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern davon Kenntnis, noch hat der zuständige Revierförster Hans Ming (58) gewusst, dass er im Kanton die grösste Fläche Wald – im Verhältnis zur Gemeindefläche – betreut. «Ich hatte es geahnt. Jetzt weiss ich es mit Sicherheit», sagt Ming, der seit elf Jahren die Wälder der Gemeinden Romoos, Doppleschwand und Entlebuch betreut.

Bei rund 2260 Hektaren ist der Förster wohl immer im Wald, oder? «Nein», sagt er und schmunzelt. «50 Prozent meiner Arbeit finden im Büro statt.» So müsse er etwa Anfragen aus der Bevölkerung beantworten, Baugesuche oder Holznutzungsanträge prüfen und bewilligen. Der Romooser Wald ist zu mehr als 90 Prozent in Privatbesitz. Nur 209 Hektaren sind Staatswald. 193 Personen besitzen von wenigen Aren bis zu über 90 Hektaren Wald.

Grösstes Waldstück gehört Brüdern

Die Brüder Anton und Walter Kuster können 92,56 Hektaren – mehr als 128 Fussballfelder – ihr Eigen nennen. Damit besitzen sie den grössten Anteil Wald. Die Kusters hatten nicht immer so viel Wald, sondern haben eine Liegenschaft mit viel Wald gekauft. Walter Kuster betreut nebst den rund 92 Hektaren Wald noch seinen Bauernhof. «Ich bin sehr gerne aktiv», sagt er zu den beiden Jobs. Sein Bruder und er würden die Arbeit mit den 92 Hektaren selber bewältigen. Ihr Waldstück liegt teils im steilen Gelände, darum müssen die Bäume mit aufwendigen Seilkonstruktionen an die Strasse befördert werden. Dennoch: Mitarbeiter beschäftigen wollen sie nicht. «Müssten wir noch Angestellte bezahlen, würde das Geschäft mit dem Holz nicht mehr rentieren», sagt der Landwirt. Die Brüder könnten sich sogar vorstellen, künftig noch mehr Wald zu kaufen. «Der Wald bedeutet uns viel», so Kuster. Er kennt auch jede Baumart in seinem «Revier». Die Eibe ist seine liebste Sorte, «weil sie insbesondere im Herbst mit ihren roten Beeren sehr schön ist».

900 Lastwagen mehr Holz pro Jahr

Hans Ming bestätigt den Eindruck: «Den Romoosern bedeutet der Wald viel – nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht.» Während die Zahl der Bevölkerung in Romoos rückläufig ist – im Jahr 1850 zählte man 1650 Personen, heute sind es noch 700 –, nimmt der Holzvorrat stetig zu, wie der Förster erklärt. «Im Romooser Wald wachsen jährlich rund 18 000 Kubikmeter Holz nach.» Das entspricht etwa 900 Lastwagenladungen. Die Kosten für die aufwendige Forstarbeit in schwierigem Gelände können bei den meisten Holzschlägen mit den momentan tiefen Holzpreisen nicht gedeckt werden. Dies führt dazu, dass nicht der ganze jährliche Holzzuwachs genutzt wird. Deshalb baut sich der Holzvorrat weiter auf. Die Waldfläche wird dadurch allerdings nicht grösser, sondern nur dichter. «Wichtig wäre es, dass die Leute wieder vermehrt auf einheimisches Holz setzen und die hiesigen Sägereien unterstützen», findet Ming.

Als wir Ming nach der Anzahl Baumarten fragen, notiert er sich diese schnell auf seinem Block und kommt zum Schluss: Es müsste etwa 18 verschiedene Arten geben. Bei der Frage nach seinem Lieblingsbaum muss er hingegen nicht viel überlegen: «Vier Arten mag ich besonders. Müsste ich einen auswählen, wäre es der Bergahorn.» Warum? «Er bietet Unterschlupf für viele Tiere, und sein Holz ist wertvoll.» Ming selber besitzt keinen Wald. «Vielleicht später einmal, wenn ich nicht mehr als Förster tätig bin.» Ming, der ursprünglich aus Giswil OW stammt, ist mit dem Wald verbunden. Er kennt praktisch jeden Baum, wie er sagt. «Ich gebe ihnen aber keine Namen, wie das andere machen.»

Karabiner und Steigeisen gehören neben der Messkluppe zur Ausrüstung des Försters. Einige Utensilien braucht der Mann aber auch in der Freizeit. «Hochalpine Touren und Klettern gehören zu meinen grössten Hobbys», sagt der 58-Jährige.

Holzpreise zusammengebrochen

Gemeindepräsident Willi Pfulg (CVP) ist oft im Wald unterwegs und besitzt selber ein Stück davon. «Ich schätze es sehr, dass unsere Gemeinde so viel Wald besitzt.» Er glaubt, dass es den Bürgerinnen und Bürgern von Romoos ähnlich geht: «Der Wald bedeutet den Romoosern sehr viel, sie schätzen seine Qualitäten und schauen gut zu ihm.» Wie viele Arbeitsplätze dadurch geschaffen werden, kann Pfulg nicht sagen, da die Grossmehrheit Privatbesitzer sind. Was er allerdings aus eigener Erfahrung weiss, ist, dass der Holzerlös um einiges geringer ist als früher. «Der Holzpreis ist in den letzten Jahren um rund einen Drittel gesunken.»

Romooser Bäume nicht gut genug

Sowohl die Brüder Kuster als auch der Gemeindepräsident verkaufen ihr Holz in der Regel der Sagerei Emmenegger GmbH in Romoos. Die Brüder Viktor und Peter Emmenegger führen den 5-Mann-Betrieb seit 13 Jahren. 80 bis 90 Prozent des Holzes, welches sie verarbeiten, stammt aus den umliegenden Wäldern. Nur rund 10 Prozent würden sie von ausserhalb beziehen. Damit meint Viktor Emmenegger das nahe gelegene Willisau oder Entlebuch. Pro Jahr kauft die Firma Emmenegger rund 4500 Kubikmeter Rundholz ein. «Für uns bedeutet der Wald viel», sagt Viktor Emmenegger. «Er ist einerseits der Rohstoff für unseren Betrieb, andererseits schafft das Holz Arbeitsplätze.»

Dennoch blickt Viktor Emmenegger etwas besorgt in die Zukunft. «Das Marktumfeld ist härter geworden.» Rund zwei Drittel des Holzes in der Schweiz würden günstig aus dem Ausland importiert. Ausserdem hätten Kunden oft den Wunsch nach Edelholz. «Die Qualität der Romooser Bäume spielt nicht in der obersten Liga mit und ist für die Kundschaft in der Regel nicht gut genug.» Aus den Fichten und Tannen werden zum Beispiel Gerüstbretter für den Bau oder Dachlatten hergestellt. «Im besten Fall – wenn das Holz schön ist – machen wir zum Beispiel Fensterkanteln», sagt Emmenegger.

Zwei Preise für gute Waldpflege

1990 hat Romoos den Binding-Waldpreis für vorbildliche Waldpflege erhalten. Er zeichnet Schweizer Waldbesitzer aus, die sich in vorbildlicher Weise langfristig für die Pflege und Erhaltung ihres Waldes einsetzen. Dieser wird seit 1987 jährlich an einen Schweizer Waldbesitzer vergeben. Er ist mit einer Summe von 50 000 Franken plus 150 000 Franken für projektbezogene Aktivitäten dotiert. Seit 2001 wird der Preis thematisch vergeben.

Im Jahre 2014 wurde diese Anerkennung zum zweiten Mal ins Entlebuch vergeben, nämlich an die Waldpflegegenossenschaft Schwändeliflue in der Gemeinde Flühli.

Yasmin Kunz

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