ROMOOS: Filmpremiere im Hotel Kreuz: «Ihr könnt alles glauben oder nichts davon»

Am 9. Februar kommt er in die Kinos, am Samstag feierte er Lokalpremiere am Ort des Geschehens: «Das Mädchen vom Änziloch» handelt vom Alltag einer einsamen Bauerstochter und ihrer Faszination für Geistergeschichten.

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Hauptdarstellerin Laura Röösli an der Premiere rechts neben Regisseurin Alice Schmid und Nebendarsteller Thom Straumann. Unten: Filmszenen einer Diskussion über das Änziloch und die Arbeit in der Holzköhlerei. (Bilder: Dominik Wunderli (Romoos, 21. Januar 2017)/pd)

Hauptdarstellerin Laura Röösli an der Premiere rechts neben Regisseurin Alice Schmid und Nebendarsteller Thom Straumann. Unten: Filmszenen einer Diskussion über das Änziloch und die Arbeit in der Holzköhlerei. (Bilder: Dominik Wunderli (Romoos, 21. Januar 2017)/pd)

Kurz nach 15.30 Uhr brandete am Samstag Applaus durch den Saal im Hotel Kreuz in Romoos. 220 Gäste feierten Regisseurin Alice Schmid und ihre Crew für den Film «Das Mädchen vom Änziloch», den sie eben in einer Lokalpremiere gesehen hatten. Bereits in Schmids erstem Film «Die Kinder vom Napf» kam dem 13-jährigen Romooser Mädchen Laura Röösli eine wichtige Rolle zu, nun stand sie gar im Mittelpunkt des Geschehens. Als einzige Tochter ist sie mit ihren Gedanken und Ängsten in der abgelegenen Bergregion oft allein. Macht es ihr nichts aus, dass man so viel über sie als Person erfährt? «Nein», antwortet sie selbstsicher. «Ich kann dazu stehen, wie ich bin.»

Romooser sprechen über Spuk in der Schlucht

Die 87-minütige Mischung aus Dokumentar- und Spielfilm gibt Einblicke in den Alltag der Bauerstochter. Gemeinsam mit ihrem Vater steht sie nachts auf, wenn er dem sehr seltenen Handwerk der Köhlerei (Holzkohleproduktion) nachgeht. Unverblümt werden auch krasse Szenen gezeigt, als einem Hasen das Fell abgezogen wird.

Vor allem aber geht es um ihre Faszination für das Änziloch, den Talkessel mit der 200 Meter hohen Felswand. Spuken soll es hier, unzählige Sagen gibt es über Geister und verbannte Jungfrauen. Mit Thom, dem 14-jährigen Krienser, der zum Landdienst kommt (dieser Teil ist der Spielfilmaspekt), diskutiert sie über den Wahrheitsgehalt der Erzählungen, zudem werden immer wieder Aussagen von Romooser Einwohnern eingespielt. «Wir haben hier eben noch Geschichten zu erzählen. Glauben kann man sie alle oder keine davon», sagt Alice Schmid. Und? Spukt es nun tatsächlich im Änziloch? Der Film gibt darüber keinen Aufschluss, dafür erlebte Laura abseits der Kamera einen schaurigen Moment: «Als ich die Tür des Hauses im Änziloch öffnete, erschrak ich ohne ersichtlichen Grund. Als ich nochmals nachsehen wollte, war die Tür verschlossen.» Weder sie noch Regisseurin Schmid hätten sich dort unten wohl gefühlt. «Sehen kann man nichts. Doch es fühlt sich komisch an», erzählt Laura. Willi Pfulg, Gemeindepräsident und einer der Gäste an der Lokalpremiere, freute sich über den Film, dessen Werbeeffekt für Romoos und erzählte eine selber erlebte Anekdote: «Oben an der Schlucht öffneten sich Tore wie von Geisterhand. Ebenso wie die Knoten, wenn man einen Hund anband.»

Auszeichnung als bester Langzeit-Dokumentarfilm

Ab dem 9. Februar kommt der Film in die Deutschschweizer Kinos, in unserer Region in Luzern (Bourbaki), Zug, Sins, Schwyz, Einsiedeln und Sarnen. Auch wenn die Kritik der Kulturabteilung von Co-Produzent SRF negativ ausfällt («der Film überzeugt nicht»), ist ihm ein wichtiger Erfolg bereits auf sicher: Die Albert Koechlin Stiftung kürt ihn mit dem neu geschaffenen Innerschweizer Filmpreis zum besten Langzeit-Dokumentarfilm. «Sensationell», freut sich Regisseurin Alice Schmid.

Den aktuellen Teaser zum Film finden Sie hier.

 

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

   

Laura Röösli spielt im halbdokumentarischen Film «Das Mädchen vom Änziloch» eine zentrale Rolle – und hilft hier beim Holzköhlern. (Bild Dominik Wunderli)

Laura Röösli spielt im halbdokumentarischen Film «Das Mädchen vom Änziloch» eine zentrale Rolle – und hilft hier beim Holzköhlern. (Bild Dominik Wunderli)