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ROMOOS: Köhlerei: Er ist die junge Hoffnung für ein altes Handwerk

Die Köhlerei ist ein Jahrhunderte altes Handwerk, das schon die Ägypter kannten und in Romoos lange Tradition hat. Heute ist Lukas Thalmann (15) einer der wenigen, der diese Tradition weiterführen will.
Martina Odermatt
Lukas Thalmann hat dank seinem Nachbarn die Köhlerei entdeckt. (Bild: Dominik Wunderli (Romoos, 30. April 2018))

Lukas Thalmann hat dank seinem Nachbarn die Köhlerei entdeckt. (Bild: Dominik Wunderli (Romoos, 30. April 2018))

Lukas Thalmann wirkt erwachsen für seine 15 Jahre. Wo andere Jugendliche noch auf der Suche nach ihren Wünschen und Vorstellungen vom Leben sind, hat er diese bereits gefunden. Köhlern, also das Gewinnen von Holzkohle, das will der Bauernbub machen. Er braucht die Ruhe, das Zusammenspiel zwischen Mensch und Natur, ist gerne auf sich alleine gestellt. Brennt dort, in der hügeligen Landschaft vom Napfgebiet sein Meiler, dann gibt es für Thalmann während drei Wochen nichts anderes als ihn und seinen Meiler. Der rauchende Haufen Holz braucht seine ganze Aufmerksamkeit. Alle zwei Stunden muss Thalmann den Meiler mit frischem Holz füttern, damit das Feuer nicht erlischt und sich die ganze Arbeit im Nichts auflöst. Auch nachts muss er mehrmals aufstehen und für Nachschub sorgen. Lukas Thalmann macht das nichts aus. Die Welt sei nachts eine andere, sagt er. Wenn er den Schalter des Notstromaggregats umlegt und die Scheinwerfer die Nacht zum Tag machen, nur das Surren der Maschine und allenfalls das Röhren von Hirschen durch die Ruhe dringt, sei die Stimmung schon aussergewöhnlich. Einmal, da habe er einen Fuchs auf der Wiese stehen sehen. Als ihn dieser bemerkt hatte, suchte das Tier sogleich das Weite. Angst habe er nie, wenn er nachts alleine der Arbeit nachgeht. «Wovor denn?», fragt der junge Mann und zuckt mit den Schultern. Dass das Köhlern offenes Feuer beinhaltet und man – je nach Grösse des Meilers – auf dem Haufen herumkraxelt, sieht er als unbedenklich an. Auch seine Eltern würden sich nicht den Kopf darüber zerbrechen, dass ihr Sohn wochenlang draussen campiere.

Er braucht keinen Ferienjob

Thalmann ist mit Abstand der jüngste Köhler in Bramboden bei Romoos. Mit elf Jahren fand er zu seiner Leidenschaft. Ausschlaggebend war nicht etwa der Vater, wie man es bei solch alten Traditionen vermuten könnte, sondern ein Nachbar. Diesem hat er während der Sommerferien ausgeholfen – und dabei das Köhlern entdeckt. Schon bald fertigte er seinen eigenen kleinen Meiler neben jenem des Nachbarn an – um zu verstehen, wie die Kohlegewinnung funktionierte. Mit der Zeit wurden die Meiler grösser. Im ersten Jahr wurde Thalmann noch von seinem Vater begleitet. Nun macht er alles selbstständig. Im letzten Sommer konnte er 700 Kilo Kohle an den Grossverteiler Otto’s verkaufen. «Andere Teenager müssen sich um Ferienjobs bemühen, ich kann meinem Hobby frönen und dabei Geld verdienen.» Zwar habe auch sein Grossvater dieses Handwerk ausgeübt. Und doch war es Thalmann bis zu jenem Tag bei seinem Nachbarn nicht wirklich bekannt gewesen. Er ist das einzige der sieben Kinder der Familie, das sich dafür begeistert.

Dass man beim Köhlern alleine mit der Natur ist, gefiel ihm schon damals, als er sich um den Meiler seines Nachbarn zu kümmern begann. «Niemand mischt sich in deine Angelegenheiten ein», sagt Thalmann. Schon in seiner Kindheit habe er die Ruhe gebraucht. «Ich war jeweils froh, wenn der Unterricht fertig war und ich nach Hause gehen konnte.» Ausserdem wohne er so «näbedosse», dass man sich mit seinen Kollegen nicht einfach so «zum tschutte» verabreden könne. Und doch versichert der junge Mann, dass er schon ab und zu in den Ausgang gehe, wie seine Gspändli. Es wirkt fast, als wolle er sich für sein Hobby und das Bedürfnis des Alleinseins rechtfertigen.

Seine Passion, die hat Thalmann momentan auf Eis gelegt. Er will sich auf seine Lehre als Landwirt konzentrieren, die er im Eigenthal absolviert. Im Sommer kommt er ins zweite Lehrjahr. «Nur vom Köhlern alleine kann man nicht leben», sagt er. «Und eine Lehre dazu gibt es nicht. Eine Ausbildung zu machen ist in meinem Alter aber wichtig.» Viele Köhler seien hauptberuflich Bauern und betrieben die Köhlerei nebenbei.

Aktuell ist Thalmann wieder in Bramboden: Er hat Ferien. Doch Ferien, die würden ihm nicht so viel bedeuten, sagt der junge Mann, der im Sommer seinen 16. Geburtstag feiern kann. Weg, ins Ausland gehen, das interessiere ihn nicht wirklich. Er sei lieber zu Hause und helfe auf dem Hof des Bruders mit. Nach der Lehre will er weiter köhlern, seinen eigenen Platz und auch grössere Meiler bauen. «Auch wenn man nach drei Wochen ohne regelmässigen Schlaf noch eine gefühlte Woche Ferien nötig hat», sagt er schmunzelnd. Wie er einst seinen Lebensunterhalt bestreiten will, ist für Thalmann noch nicht klar. Aber er weiss: Die Köhlerei ist ganz sicher ein Teil davon.

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

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