ROMOOS: «Ogi-Böcke» schützen Bauernfamilie

Die Zufahrt zu einem Bauernhof auf über 1200 Metern erhält einen Lawinenschutz. Das lässt die Familie Häfliger aufatmen.

Stephan Santschi
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Spezielle Lage: Agnes und Ruedi Häfliger auf der Strasse, die zu ihrem Hof führt. Im Hintergrund sind die Dreibeinböcke, genannt Ogi-Böcke, zu sehen. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Spezielle Lage: Agnes und Ruedi Häfliger auf der Strasse, die zu ihrem Hof führt. Im Hintergrund sind die Dreibeinböcke, genannt Ogi-Böcke, zu sehen. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

«Angst hatten wir keine. Aber Respekt und Ungewissheit waren immer da. Die Situation war gefährlich. Für uns und jene Menschen, die uns besuchten.» Ruedi Häfliger (62), der gemeinsam mit seiner Frau Agnes (55) auf 1230 Metern im «Under Änzi» oberhalb von Romoos einen Bauernhof führt, spricht über die Zufahrtsstrasse zum Wohnhaus. Diese führt auf den letzten Metern unterhalb eines Hangs entlang. «Immer wieder sind hier Lawinen heruntergekommen.» Als dies im letzten Winter gleich dreimal geschah, reichte es der Familie Häfliger. Sie nahm Kontakt mit der Gemeinde Romoos auf und bat um schützende Massnahmen.

«Es ging um Menschenleben»

Mit Erfolg: Ein Jahr später steht an besagtem Hang bereits eine Lawinenverbauung. «Seit 1855 und der Gründung der ETH in Zürich werden in der Schweiz Naturgefahren analysiert und bei Bedarf Massnahmen getroffen. Die Besiedlung und das Bedürfnis nach Mobilität haben seither stark zugenommen. Einen solchen Fall wie in Romoos, wo ein Lawinenschutz für einen Bauernhof erstellt wird, hatten wir im Kanton Luzern bisher aber noch nicht», erzählt René Graf, der Projektleiter der Abteilung Naturgefahren bei der kantonalen Dienststelle für Verkehr und Infrastruktur. Ausschlaggebend für das Schutzprojekt seien die Wahrscheinlichkeit und die Höhe des zu erwartenden Schadens. «Im Under Änzi ging es um Menschenleben. Das ist das Mass der Dinge», erklärt Graf das schnelle Vorgehen.

Zwar sei nie jemand unmittelbar in Gefahr gewesen. «Wenn eine Lawine aber in jenem Moment die Strasse erfasst, wenn jemand mit dem Auto drüberfährt, wird er in die Tiefe gestossen», so Graf.

Ein prominenter Erfinder

Der Kanton und der Bund subventionieren die Hälfte der Baukosten in der Höhe von 34 000 Franken. 10 Prozent übernimmt die Gemeinde Romoos, 40 Prozent die Eigentümer. Das heisst: Die Häfligers tragen 13 600 Franken selber. «Das ist viel für uns. Zum Glück hat die Berghilfe einen rechten Betrag übernommen», so Häfliger. Die Lawinenverbauung besteht aus 100 Dreibeinböcken aus Holz. Ihre Funktion erklärt Projektleiter René Graf so: «Sie nageln die Schneedecke an den Hang.» Die Familie Häfliger pflanzt dazwischen Fichten an, die dereinst für einen natürlichen Lawinenschutz sorgen sollen. Die Dreibeinböcke haben übrigens einen prominenten Erfinder. «Das sind Ogi-Böcke. Die hat der Vater von alt Bundesrat Adolf Ogi, ein ehemaliger Förster, entwickelt», berichtet Graf.

20 Minuten bis zum nächsten Dorf

Für die Familie Häfliger lässt es sich nun etwas beruhigter leben. «Passieren kann natürlich aber auch jetzt noch etwas», sagt Ruedi Häfliger. Das Leben auf über 1200 Metern an einem abgelegenen Ort wie der Liegenschaft «Under Änzi» hat eben etwas Spezielles an sich. «Wir können zum Einkaufen nicht einfach über die Strasse gehen.» Nach Romoos sind es 20 Autominuten, nach Wolhusen und Entlebuch 30, nach Schüpfheim 40. «Früher sind wir ab und zu für ein paar Tage von der Umwelt abgeschnitten gewesen. Seit im Jahr 1995 die Zufahrtsstrasse erneuert wurde, ist das aber nicht mehr vorgekommen», erinnert sich Ruedi Häfliger, der hier aufgewachsen ist und die Lage schätzt: «Die Aussicht ist sehr schön, und wir führen hier oben ein selbstständiges Leben.» Den Hof hat er von seinem Vater übernommen. Auf dem Ganzjahresbetrieb halten die Häfligers Fleischschafe. Damit komme man über die Runden. «Schliesslich sind unsere Kinder bereits ausgeflogen», sagt der vierfache Familienvater und lacht. Ob der eine Sohn, der Landwirt gelernt habe, den Hof dereinst weiterführen würde, stehe noch nicht fest.