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RONTAL: Gebetsraum für Shopping-Mall

In Ebikon entsteht ein riesiges Einkaufs- und Freizeitzentrum. Die katholische Kirche wünscht sich darin einen Raum, wo sich Menschen an etwas noch Grösseres wenden können.
Remo Wiegand und Alexandra Hirsiger
Die Eröffnung der Mall of Switzerland ist für Ende 2017 geplant: So soll es dereinst im grössten Einkaufscenter der Zentralschweiz aussehen. (Bild: Visualisierung / pd)

Die Eröffnung der Mall of Switzerland ist für Ende 2017 geplant: So soll es dereinst im grössten Einkaufscenter der Zentralschweiz aussehen. (Bild: Visualisierung / pd)

Remo Wiegand und Alexandra Hirsiger

140 Läden, Kinos und eine Surfhalle, eine Verkaufsfläche von 46 000 Quadratmetern, ein Investitionsvolumen von 450 Millionen Franken und täglich ein paar tausend Besucher: Mit der Mall of Switzerland öffnet Ende 2017 das grösste Einkaufszentrum der Zentralschweiz. In dieser Mall der Superlative will die katholische Kirche ein Zeichen setzen. Ein kleines Zeichen des Friedens soll es sein, eines, das dem vielen Geld etwas Geist beimischen würde. «Wir könnten uns vorstellen, in der Mall präsent zu sein», sagt Daniel Unternährer, Diakon und Gemeindeleiter von Ebikon, auf Anfrage. Mit «wir» meint er neben seiner Pfarrei auch jene von Root und Buchrain, die zusammen mit Ebikon ab November 2016 den Pastoralraum Rontal bilden. Die Zukunft hat dort bereits begonnen: Die drei Gemeindeleiter denken derzeit intensiv über Schwerpunkte des Pastoralraums nach. Einer könnte in der Mall of Switzerland liegen.

Kirchen oder Gebetsräume in Bahnhöfen, an Flughäfen gibt es schon lange. In Einkaufszentren ist das hierzulande noch quasi unbekannt. Die bisher einzige «Shopping-Kirche» gibt es im Sihlcity-Center in Zürich (siehe Box).

Über die Hälfte bereits vermietet

Der Ebikoner Gemeindeleiter Unternährer könnte sich einen «Raum der Religionen», vorstellen, der zum Innehalten, zum Gebet, auch zu religiösen Feiern einladen soll. Zentral ist für ihn, dass der Raum kein rein katholisches Kind bleiben soll: «Das Konzept der Mall sieht vor, dass viele Touristen hierher kommen. Deshalb käme für uns nur ein interreligiöser Raum in Frage.» Ursprünglich wollten die Katholiken noch im Juni eigenhändig ein Konzept erstellen, welches der Mall-Betreibergesellschaft Freo Switzerland AG hätte vorgelegt werden sollen. Mit gutem Grund: Die Freo steckt bereits mitten im Vermietungsprozess und hat schon mehr als die Hälfte der Verkaufsfläche vermietet. Ankermieter ist die Migros Luzern. Sie hatte im vergangenen Dezember überraschend Coop in dieser Rolle abgelöst. Coop war schon seit 2007, damals noch unter dem Projektnamen Ebisquare mit an Bord gewesen, hatte den auslaufenden Vertrag mit dem Betreiber dann aber nicht verlängert.

Reformierte, Orthodoxe, Muslime

Trotz des Zeitdrucks haben sich die Ebikoner Katholiken aber jetzt entschieden, das Tempo zu drosseln. Bis Ende Jahr möchte man sich zunächst intern auf die Schwerpunkte des Pastoralraums verständigen. Wenn sich abzeichnet, dass ein interreligiöser Andachtsraum dazugehört, würde man parallel auf mögliche Partner zugehen, um gemeinsam ein Konzept zu erarbeiten. Unternährer denkt dabei zum Beispiel an die reformierte Kirche, die christkatholische Landeskirche, die serbisch-orthodoxe Kirche in Buchrain und die bosnisch-islamische Gemeinde von Emmen. Fernöstliche Religionen wären zumindest vorderhand nicht als Partner vorgesehen, der Raum der Religionen soll eher die monotheistischen Traditionen versammeln. Dies auch, um die Hürden nicht noch weiter zu erhöhen.

Vertreter der Islamischen Gemeinschaft Luzern in Emmenbrücke äussern sich auf Anfrage interessiert über die Idee eines interreligiösen Andachtsraumes: «Wir müssen zusammenarbeiten, wo wir können. Auch gibt es nirgends in der Umgebung einen solchen Raum. Diese Idee gefällt uns», sagt Vehbija Efendic, Präsident des Bosnisch-Islamischen Zentrums. Auch die serbisch-orthodoxe Gemeinde Buchrain steht dem Anliegen grundsätzlich positiv gegenüber. Es gelte einzig, gewisse religiöse Spielregeln einzuhalten.

Schlüsselrolle für Islam?

Sollte das Projekt zu gegebener Zeit Fahrt aufnehmen, ist durchaus denkbar, dass der islamischen Gemeinschaft eine Schlüsselrolle zufallen wird. Diakon Unternährer lässt die Hoffnung durchblicken, dass diese eine Brücke zu den Investoren schaffen könnte, die aus den Vereinigten Arabischen Emiraten stammen und ebenfalls Muslime sind. «Das könnte ein Faktor sein», glaubt Unternährer, dementiert aber, den Islam nur aus taktischen Gründen mit an Bord haben zu wollen. «Die vertretenen Religionen sollen die religiöse Realität der Region abbilden. Da gehört der Islam dazu», so der Ebikoner Gemeindeleiter.

Einladung für Kritiker

Dennoch: Wie realistisch ist der interreligiöse Andachtsraum wirklich? Angesichts eines fortgeschrittenen Vermietungsprozesses? Angesichts von Religionsgemeinschaften, die sich noch wenig vertraut sind, aber sehr rasch ein gemeinsames Konzept und einen Finanzierungsplan vorlegen müssten? «Wir sind uns bewusst, dass es nicht einfach wird. Aber einen Versuch ist es uns wert», sagt Unternährer. Verhalten optimistisch stimmen ihn die bisherigen Kontakte. So liess etwa die zuständige Gebietsmanagerin des Gemeindeverbands der Region Luzern, die zwischen der Wirtschaft und den Behörden vermittelt, Sympathien erkennen. «Eine interessante Idee», bestätigt Nathalie Mil. «Ein interreligiöser Andachtsraum könnte noch einmal ganz andere Leute nach Ebikon locken – auch ein Publikum, das der Mall kritisch gegenübersteht. Das wäre eine spannende Ergänzung», sagt sie. Die Wirtschaftsfördererin steht regelmässig mit Bernd Hofer, dem Geschäftsführer der Freo Switzerland AG, im Kontakt. Seine Reaktion auf einen Raum der Religionen in der Mall of Switzerland fiel gemäss Mil durchaus wohlwollend-interessiert aus. Das bestätigt auf Anfrage Werner Schaeppi, dessen Agentur Creafactory mit der Kommunikation beauftragt ist. Schaeppi bezeichnet die Idee ebenfalls «als interessante Ergänzung zum Einkaufszentrum. Das ist eine sehr interessante und schöne Idee. Wir begrüssen dieses Projekt.»

Auf der Homepage der Betreibergesellschaft Freo heisst es: «Unser Ziel ist die Realisierung von maximalem Mehrwert für nationale und internationale Investoren.» Wie passt ein interreligiöser Andachtsraum zum renditeorientierten Grundkonzept der Mall? Diesbezügliche Bedenken zerstreut Schaeppi: «Ein Einkaufszentrum soll eine Mischrechnung sein, es ist schliesslich auch ein Ort, wo Leben stattfindet – ein solcher Raum würde also ausgezeichnet in die Mall of Switzerland passen.» Das für die Vermietung zuständige Projektteam sei bestrebt, im Falle der Konkretisierung des Projekts Hand für eine gelungene Lösung zu bieten.

Zürich hat eine «Shopping-Kirche»

Die bisher schweizweit einzige Kirche in einem Einkaufszentrum ist die Sihlcity-Kirche in Zürich. Die Kapelle gibt es seit der Center-Eröffnung 2007, sie kann diskret betreten oder verlassen werden. Angesiedelt in den Räumlichkeiten einer ehemaligen Papierfabrik können sich Besucherinnen und Besucher zwischen verschiedenen Räumen bewegen. Während im Raum der Begegnungen Bistro-Tische zum Verweilen einladen, findet man im Raum zum Schweigen die Möglichkeit, sich dem Gebet zu widmen.

Für alle Religionen

«Unser Zentrum ist für Angehörige aller Religionen offen», sagt Seelsorger Thomas Münch. Deshalb finden sich nebst Gebetsteppichen für Muslime und der Qibah, ein Stein, der nach Mekka zeigt, auch buddhistische Gebetskissen. Die Sihlcity-Kirche ist werktags offen von 9 bis 20 Uhr.
Internet: www.sihlcity-kirche.ch

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