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ROOT: Er ist den Tätern eine Schuhlänge voraus

Ein Luzerner entwickelt ein Programm, das den Polizisten den Abgleich von Schuhabdrücken erleichtert – und stösst damit auf grosses Interesse.
Alexander von Däniken
Thomas Stadelmann hat ein Programm entwickelt, mit dem Schuhspuren den richtigen Modellen zugeordnet werden können. (Bild Boris Bürgisser)

Thomas Stadelmann hat ein Programm entwickelt, mit dem Schuhspuren den richtigen Modellen zugeordnet werden können. (Bild Boris Bürgisser)

Das Büro im Technopark in Root ist dunkel. Mit einer Taschenlampe beleuchtet Thomas Stadelmann (34) das silbern glänzende Podest vor den Fenstern. Zuerst ist nur Staub zu sehen, dann geschwungene Linien, kleine Kreuze und Kreise: der Abdruck einer Schuhsohle. Stadelmann legt das vorbereitete Gelatineblatt vorsichtig auf den Abdruck und überträgt diesen aufs Blatt. So arbeiten Kriminaltechniker, um Einbrechern auf die Schliche zu kommen. Stadelmann weiss, wie es geht. Nach seinem Kriminalistikstudium hat er selbst vier Jahre bei der Spurensicherung der Kantonspolizei Schwyz gearbeitet. Berufsbegleitend bildete er sich in Informations-, Medien- und Technologiemanagement an der Hochschule St. Gallen weiter. Bei der Masterarbeit über Schuhabdrücke erkannte er, dass die Arbeit der Polizisten viel einfacher sein könnte – und machte sich selbstständig.

Uneinheitliche Spurensuche

Der Jungunternehmer erklärt die Motivation dahinter: «Die Polizeikorps benötigen heute mehrere Programme, um die Schuhabdrücke digital zu erfassen, zu bearbeiten und abzugleichen. Ausserdem sind die Programme von Kanton zu Kanton verschieden.» Genau das ist aber ein Problem, wenn ein Täter mehrere Einbrüche in mehreren Kantonen verübt. «Die meisten Kantonspolizeien tauschen ihre gesammelten Schuhabdrücke alle zwei Monate an Sitzungen aus, um mögliche Verbindungen zu erkennen. Nur sind dann viele Täter schon über alle Berge.»

Karte zeigt, wo Täter zuschlugen

Stadelmanns Programm ermöglicht es den Polizisten, alle Arbeitsschritte auf einer Plattform auszuführen, die als Web-Anwendung läuft. Darauf zugreifen können alle angemeldeten Polizeikorps. «Auf einer interaktiven Karte lassen sich grenzüberschreitend alle Delikte anzeigen, die von Tätern mit demselben Schuhabdruck begangen wurden», sagt der gebürtige Luzerner, der in Ebikon wohnt. Bestandteil des Programms ist auch eine Datenbank mit Abdrücken von Referenzmodellen, die Stadelmann regelmässig bei grossen Schuhgeschäften einholt. Rund 4500 Schuhmodelle zählt die Datenbank bereits. Zwischen 20 000 und 40 000 sollen es dereinst sein. Mit ihrer Hilfe soll bald anhand jeder Schuhspur das vom Täter getragene Schuhmodell identifiziert werden können.

Im Moment arbeitet Stadelmann zusammen mit der Universität Basel daran, den manuellen Vergleich zwischen Schuhspur und Referenzschuh zu automatisieren. «Bald ist es möglich, dass das Programm eine Vorauswahl trifft.» Er arbeitet auch mit den Polizeikorps der Kantone Luzern, Schwyz, Zürich, Bern, St. Gallen und Thurgau zusammen, welche das Programm in regelmässigen Abständen testen. «Die jeweiligen Polizeiverantwortlichen sind am Programm sehr interessiert», sagt Stadelmann. Das gelte auch für die Polizeikorps der deutschen Bundesländer Baden-Württemberg, Niedersachsen, Bayern und Brandenburg.

Programm im Frühling 2014 fertig

Stadelmann rechnet damit, dass das Programm im Frühling 2014 marktreif ist. Bis dahin hat er einige hunderttausend Franken investiert und noch nichts verdient. Das Geld für die Firmengründung hat er sich von der Familie und von Freunden geliehen. «Mein Ziel ist, spätestens 2015 erste Erträge aus dem Programmverkauf zu erzielen.» Er ist überzeugt, dass dies gelingen wird, «weil die Polizei ihre Arbeit vereinfachen will und auch an einer zeitgemässen Zusammenarbeit interessiert ist». In fünf Jahren, so Stadelmanns Absicht, soll sein Programm europaweit eingesetzt werden.

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