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ROOT: Mit Trick zum imposanten Bau

Radiohörer wählten den Kreisel beim Geschäftsstandort D4 zum kreativsten der Schweiz. Bis zu dessen Realisierung war es für die Initianten ein langer Weg voller Hindernisse und kontroverser Diskussionen.
Stephan Santschi
Der Kreisel beim D4 Business Village in Root. (Bild: Roger Grütter (19. Juli 2017))

Der Kreisel beim D4 Business Village in Root. (Bild: Roger Grütter (19. Juli 2017))

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Wer durch Root fährt, sieht sie schon von weitem: die 25 Meter hohe, gekrümmte Stahlnadel im Kreisel auf der Kantonsstrasse. Ein 140 Meter langes Spezialseil verbindet sie mit einer Betonhalbkugel von 4,5 Metern Durchmesser auf einem zweiten Kreisel beim D4 Business Village Luzern. Über 23 Tonnen wiegt der imposante Bau insgesamt, gekostet hat er 450 000 Franken. Die offizielle Einweihung fand nach fünfjähriger Entwicklung am 19. Mai 2011 statt, drei Jahre später kürten ihn die Hörer von Radio SRF 3 in einem Voting zum kreativsten Kreisel der Schweiz.

Die Nadel steht symbolisch für das aufstrebende Unternehmertum in der 4800-Einwohner-Gemeinde. Die Halbkugel (Hemisphäre) verkörpert derweil Tradition und Verwurzelung. «Die Symbiose von Kunst- und Ingenieurswesen ermöglichte es erst, die Vision des Künstlers in ihrer vollen Kraft und Eleganz zu realisieren. Ein geniales Werk und sicher der prominenteste Kreisel im Kanton Luzern», schwärmt Friederike Schmid vom Kunstwerk mit dem Namen «Tension – Energy» (Spannung – Energie). Die Wirtschafts- und Kunstfachfrau mit eigenem Unternehmen in Lenzburg war damals die treibende Kraft des Projekts gewesen.

«Daran werdet ihr euch die Zähne ausbeissen»

So gewaltig die Ausmasse sind, so hürdenreich war der Weg der Realisierung. Schmid erinnert sich an die Worte des damaligen Kantonsingenieurs, nachdem sich die Jury für die Idee des griechischen Künstlers Costas Varotsos entschieden hatte: «Daran werdet ihr euch die Zähne ausbeissen.» Heute hält sie fest: «Es war zwar schwierig, aber wir waren alle hoch motiviert und haben es geschafft.»

Wesentlich waren zwei Bereiche – die Geldbeschaffung und die technische Umsetzung. Die Gemeinde Root beteiligte sich mit 30 000 Franken, den Rest generierten Schmid und der damalige Verein «Kunst im Rontal» mit Sponsorengeldern aus der Wirtschaft und von Privaten. «Es war keine einfache Zeit für die Mittelbeschaffung; eine Absage nach der anderen zu erhalten, war manchmal frustrierend.» Überfordert sei sie nie gewesen, «ich bin ein positiv denkender Mensch». Allerdings gab es Momente, da war sie der Verzweiflung nahe. Weil das Projekt grösser und teurer wurde, weil man sich immer mehr von der künstlerischen Grundidee entfernte.

Die Wende brachte ein Ingenieurswechsel. Schmid besann sich auf einen Mann, mit dem sie schon früher zusammengearbeitet hatte: Martin Dietrich von der Theiler Ingenieure AG im Berner Oberland. Er sei kunstaffin und denke wie Künstler über den Tellerrand hinaus. So komme er auf unkonventionelle Ideen, die mit knappen Budgets realisierbar seien. Dietrich selber schildert die Ausgangslage rückblickend so: «Die Temperaturschwankungen sorgten im Verbindungsseil und in den anschliessenden Bauteilen für grosse Kräfte. Um diesen standzuhalten, waren starke Querschnitte und schwere Fundamente vorgesehen. Es mussten gestalterische Kompromisse gemacht werden, und die Kosten drohten aus dem Ruder zu laufen.» Die Lösung war ein «Trick», wie er es nennt. Ein Gelenk bei der Betonhalbkugel gleiche den Einfluss der Temperatur auf die Statik aus. «Die Hemisphäre bewegt sich leicht nach vorne, wenn sich das Seil bei Kälte verkürzt. Und nach hinten, wenn es bei Wärme länger wird. Optisch ist das nicht zu sehen, aber es entlastet das Bauwerk wesentlich. Auf diese Weise haben wir das Stahlgewicht und das Fundamentvolumen auf etwa die Hälfte reduzieren können.»

Darüber hinaus galt es, die Bauten stabil genug zu machen, damit sie Kollisionen standhalten können. «Was geschieht, wenn ein schwerer Brummi reinfährt?» Solche Fragen mussten beantwortet werden. Mit dem Endergebnis ist Dietrich sehr zufrieden. «Ein tolles Bauwerk, das bestmöglich umgesetzt worden ist.» Nicht alles, was man im Sinn hatte, ist dabei in die Tat umgesetzt worden, wie Projektleiterin Friederike Schmid anfügt: «Gerne hätten wir das Seil in der Nacht illuminiert. Das wäre aber zu teuer geworden, zudem wehrten sich Vogelschützer dagegen.» Aufgrund seiner Grösse und des Sicherheitsaspekts führen Fachleute alle fünf Jahre eine Zustandsuntersuchung durch.

Steinschleuder, Wäscheleine oder Satellitenschüssel

Bleibt die Frage: Was halten die Leute vor Ort vom eigentümlichen Bau, hinter dem auch Überlegungen zum Standortmarketing steckten? An Spitznamen oder speziellen Bezeichnungen mangelt es jedenfalls nicht. Steinschleuder nannte man ihn, Wäscheleine, Satellitenschüssel oder ausserirdisches Flugobjekt. Silvia Koller, Verkäuferin beim Beck Müller, erinnert sich: «Es gab Riesendiskussionen. Die Meinungen gingen von ‹mein Gott, was ist denn das?› bis zu ‹sensationell!›. Mir persönlich gefällt es nicht so, ich bevorzuge grüne Kreisel mit Bäumen und Blumen.» Wenn man jemandem den Weg weisen müsse, eigne sich die grosse Nadel aber hervorragend als Merkpunkt. Kurt Kneubühler, Geschäftsführer des Restaurants Eintracht, hält derweil fest: «Ein spezielles Bauwerk, schlecht ist es sicher nicht. Vielleicht hätte man mit dem Geld aber auch etwas anderes machen können.»

Die hohen Kosten, so erzählt Roots Geschäftsführer und Gemeindeschreiber André Wespi, seien vor dem Bau kontrovers diskutiert worden. «Dabei haben wir stets betont, dass die Gemeinde nur 30 000 Franken beiträgt und damit so viel, wie wir auch an jeden anderen Kreisel gezahlt hätten.» Ob Root wegen dieses «Wahrzeichens» bekannter geworden ist, sei schwierig zu beurteilen. «Das Kreiselkunstwerk steht aber sicher für die Dynamik im Dienstleistungs- und Gewerbegebiet. Würde es nicht mehr dort stehen, würden wir es vermissen.»

Ein Seil verbindet die Kreisel beim D4 Business Village in Root. (Bilder: Roger Grütter (19. Juli 2017))

Ein Seil verbindet die Kreisel beim D4 Business Village in Root. (Bilder: Roger Grütter (19. Juli 2017))

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