ROOT: Rock zwischen Geguugge und Geschränze

Wenn das Engelchen mit dem Teufel flirtet und sich zwei Peperoncini angestrengt mit einem Hasen unterhalten, dann weiss man: Es ist wieder Fasnacht. So auch diesen Samstag in Root.

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Die Guggenmusik Eibeler Sträggele aus Inwil beim Auftritt. (Bild Chris Iseli/Neue LZ)

Die Guggenmusik Eibeler Sträggele aus Inwil beim Auftritt. (Bild Chris Iseli/Neue LZ)

Der Horrorball der Rontalguugger steht auf dem Programm und lockt rund 1100 Fasnachtsbegeisterte in die Arena Root.

Prominent besetzte Band
Doch neben der Schränzereien der neun Guuggenmusigen kann man auch ganz andere Töne hören. Im «Bierhübeli» neben dem Hauptsaal spielten Accoustical Mountain – ein Rocktrio mit prominenter Beteiligung: Sänger ist kein Geringerer als Marc Storace, seines Zeichens Sänger der weltbekannten Schweizer Hardrockband Krokus. Unterstützt wird er dabei von den Gitarristen Claudio Matteo und Charly Preissel.

Und tatsächlich: Es funktioniert. Während nebenan die Guuggen die Winterdepression wegzublasen versuchen, spielen Storace und Co. gepflegten Bluesrock. Und anstatt schwerer Jungs in Lederjacken tanzen Zebra, Löwe und einige Cheerleader ausgelassen dazu – ganz fasnachtstypisch wird sogar die eine oder andere Polonaise gebildet. So viel närrisches Treiben muss eben auch an einem Rockkonzert Platz haben.

«Super ist es», sagt Stefan Fluri, 25, aus Beckenried. «Das mit der Liveband passt bestens zum Fasnachtsanlass, es bringt etwas Abwechslung rein.» Die Mischung mit der Rockband klappe besonders gut, «eine Ländlerkapelle würde ich zum Beispiel nicht hören gehen», so Fluri. Und wenn er wählen müsste zwischen Geschränze und Gerocke? Fluri diplomatisch: «Jetzt höre ich noch Guuggenmusigen und Rock, nach der Fasnacht dann nur noch Rock.» Ab dem Aschermittwoch habe man ja erst einmal genug von dem Geguugge.

«Passt hervorragend»
Auch für Natasha Andris klappt das Experiment Rock/Fasnacht: «So bekommt das Ohr auch etwas geboten. Neun Stunden Guuggenmusigen am Stück ist denn doch etwas zu viel», sagt die 24-Jährige aus Küssnacht am Rigi und tanzt als Hexe verkleidet ausgelassen zu «Honky Tonk Woman».

Nebenan im Hauptsaal spielen derweil die Rüssgusler aus Ebikon. Trotz noch langer Dauer bis zur eigentlichen Fasnacht zeigen sie sich erfreulich stilsicher und abwechslungsreich im Repertoire. Und obwohl die beiden Säle nicht einmal durch eine Türe getrennt sind, kommen sich die unterschiedlichen Stilrichtungen nicht in die Quere. Im Gegenteil: Wer genau in der Mitte steht, bekommt einen interessanten Mix zu hören. Vielleicht den Fasnachtssound der Zukunft, wer weiss.

«Funktioniert bei uns»
Als einen vollen Erfolg werteten auch die Organisatoren den Horrorball: «Es gab keine Zwischenfälle, die Leute waren verkleidet, und auch sonst lief alles nach Plan», sagt OK-Präsident David Emmenegger (27). Das Konzept mit der Liveband habe sich über die letzten Jahre bewährt, «bei uns funktioniert es zumindest. Es gibt Leute, die kommen extra wegen dieser Bands. Das kann mal Funk sein oder wie in diesem Jahr eine prominent besetzte Rockband.» Den Peperoncini, Hasen, Hexen, Teufelchen und Cheerleader gefällt es jedenfalls. Und um genau die geht es ja schliesslich an der Fasnacht.

Michael Graber