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David Roth, Andreas Thiel, Regula Stämpfli und Giuseppe Gracia debattieren über politische Korrektheit

Ist die politische Korrektheit ein Bremsklotz für die öffentliche Meinungsbildung? Diese Frage diskutierten vier Intellektuelle in Luzern, die für ihre pointierten Äusserungen bekannt und berüchtigt sind. Das Gespräch erfüllte die Erwartungen.
Kilian Küttel

Ablauf der Podiumsdiskussion:
Einführung (-3'07") - Vorstellung Kandidaten (3'08"- 5'02") - Diskussion, beginnend mit Shitstorm-Beispielen, welche die Kandidaten erlebt haben - Fragerunde (73'38")

Nach 23 Minuten passierte das, was passieren musste: Soeben war Jêrôme Martinu der Politologin und Autorin Regula Stämpfli ins Wort gefallen: «Ich muss ja auch dafür sorgen, dass alle genügend Redezeit bekommen», meinte Martinu, der Chefredaktor dieser Zeitung, der am Mittwochabend das Podium im LZ-Auditorium zum Thema politische Korrektheit leitete. Woraufhin der Luzerner SP-Präsident und Kantonsrat David Roth entgegnete: «Das dürfte schwierig werden.» Erste Lacher im Saal, die Diskussion war lanciert.

Nebst Stämpfli und Roth debattierten der bekannte Satiriker und Kolumnist Andreas Thiel sowie Giuseppe Gracia, Mediensprecher des Bistums Chur und Schriftsteller. Das Streitgespräch der illustren Runde zog gut 100 Zuhörerinnen und Zuhörer an.

Die Gesprächsrunde im Auditorium der «Luzerner Zeitung»: Moderator Jêrôme Martinu (von links), David Roth, Regula Stämpfli, Andreas Thiel und Giuseppe Gracia. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 28. November 2018))

Die Gesprächsrunde im Auditorium der «Luzerner Zeitung»: Moderator Jêrôme Martinu (von links), David Roth, Regula Stämpfli, Andreas Thiel und Giuseppe Gracia. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 28. November 2018))

Der Wettbewerb der Ideen leidet

Auslöser für das Podium war Gracia, der unlängst sein neues Buch veröffentlichte, das den Titel trägt: «Das therapeutische Kalifat». Darin kritisiert der Ostschweizer, dass die Gesprächskultur zu wenig kritische Argumente zuliesse und dass zu viel Wert auf ein friedliches Zusammenleben gelegt werde. Oder wie es Gracia vor Publikum sagte:

«Es gibt heute gewisse Themen, über die man gar nicht mehr diskutieren darf, ohne sofort abgestempelt zu werden.»

Andreas Thiel (links) und Giuseppe Gracia. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 28. November 2018))

Andreas Thiel (links) und Giuseppe Gracia. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 28. November 2018))

Als Beispiel nannte er seinen Standpunkt in der Abtreibungsdebatte. Abtreibungen empfinde er als moralisch verwerflich, doch wenn er das sage, «gelte ich sofort als Antifeminist. Weil ich Katholik bin, als reaktionär. Und meist dauert es nicht lange, bis ich auch noch als rechtsradikal gelte.» Ihm komme der Wettbewerb der Einfälle, der Ideenstreit zu kurz. Jêrôme Martinu war sichtlich darum bemüht, das Gespräch auf die Frage nach den Grenzen der politischen Korrektheit zu lenken und zu erörtern, wer diese festlege. Eine konkrete Antwort darauf erhielt er lange nicht, vielmehr entwickelte sich das Gespräch in die erwartet hitzige Debatte rund um politische Haltungen und Grundsatzfragen des gegenseitigen Umgangs.

David Roth und Regula Stämpfli lieferten sich ein Privatduell. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 28. November 2018))

David Roth und Regula Stämpfli lieferten sich ein Privatduell. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 28. November 2018))

Mit zunehmender Dauer kristallisierte sich ein Privatduell zwischen Regula Stämpfli und David Roth heraus. Erstere legte in einem Exkurs dar, dass der Begriff der Political Correctness in den 80er-Jahren als Kampfbegriff der Rechten an die Adresse der Linken geschaffen wurde.

«Und die Linken sind so blöd, diesen Kampfbegriff auch noch aufzunehmen.»

Dieser Satz brachte Stämpfli ein vehementes Kopfschütteln Roths ein. Dieser wiederum warf den drei anderen vor, öffentliche Meinungsbildung nur in den Zeitungsspalten zu betreiben, jedoch die direkte Rückkopplung der Adressaten zu verpassen.

Wer erwartet hatte, dass Satiriker Andreas Thiel das Zepter an sich reissen und am meisten Gesprächszeit beanspruchen würde, lag falsch. Zwar gab er einige spannende Denkanstösse wie:

«Der Zeitgeist ändert sich permanent, und damit auch jene Themen, die politisch korrekt oder eben unkorrekt sind. Meine Aufgabe als Satiriker ist es, diesem Zeitgeist permanent zu misstrauen.»

Mit dem Zweihänder in die verbale Wortschlacht stürzte er sich aber nicht. Der Qualität der Unterhaltung tat dies keinen Abbruch. Oder um es mit den Worten Martinus zu sagen, der das Gespräch nach 90 Minuten beendete: «Ich glaube, uns kann niemand vorwerfen, es sei keine lebendige Diskussion gewesen.»

David Roth erklärt seine Ansichten. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 28. November 2018))

David Roth erklärt seine Ansichten. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 28. November 2018))

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