Rothenburg
Ace-Cafe-Betreiber hat «die Schnauze voll» vom Hin und Her und warnt: «Die Gastro-Bombe tickt!»

Die Massnahmen, Regeln und Verbote des Bundesrats zur Bekämpfung der Coronapandemie kommen regelmässig. Aber sie sind nicht schlüssig und klar definiert, findet der Luzerner Gastronom Dany Kunz. Er installierte deshalb kurzerhand ein Mahnmal vor seinem Betrieb.

Roger Rüegger
Merken
Drucken
Teilen
Dany Kunz, Inhaber des Ace Cafe Luzern mit Hund Cailean .

Dany Kunz, Inhaber des Ace Cafe Luzern mit Hund Cailean .

Bild: Philipp Schmidli (Rothenburg, 17. Dezember 2020)

Dem Luzerner Unternehmer Dany Kunz ist der Kragen geplatzt. Der Inhaber des Ace Cafe in Rothenburg hat seinen Unmut optisch offengelegt, indem er auf dem Vorplatz seines Betriebs ein ziemlich provozierendes Mahnmal, in der Form einer Fliegerbombe hingestellt hat. Darauf schrieb er in grossen Buchstaben: «DIE GASTRO-BOMBE TICKT...!»

Der Grund für diese Aktion schildert Kunz, der gerne einen anderen Weg einschlägt als die anderen, wie folgt: «Ich habe die Schnauze voll. Das ewige Hin und Her im Zusammenhang mit Corona ist unsäglich. Ich bin es leid. Mit ihren stetig ändernden Beschlüssen, Massnahmen und Regeln, sprich einem unfassbaren Wirrwarr, stiftet die Regierung Unsicherheit bei uns Unternehmen, aber auch bei der Kundschaft.

«Wir mussten dauernd neue Öffnungszeiten bekannt geben und diese wenige Tage später wieder anpassen. Man knipst uns an und ab, wie es gerade passt.»

So habe er sich Anfang letzter Woche darauf vorbereitet, dass das Ace Cafe am Sonntag geschlossen sei. Es durfte in den Beizen dann doch ausgeschenkt werden. Und auch die Planung für Silvester sei unfassbar kompliziert: «Wir wussten nicht, ob wir an Silvester die Gäste empfangen dürfen, sagten zuerst alles ab. Dann kauften wir doch ein, und informierten die Leute, dass sie mit uns feiern dürfen, was stand heute auch möglich ist.»

Wirte fordern mehr Hilfe

Gastro Luzern, der Kantonalverband der Luzerner Gastronomen, verlangt mehr Hilfe in der Corona-Krise. Zwar sieht der Verband die 25 Millionen Franken, die für Härtefälle ausbezahlt werden, als «ersten Schritt in die richtige Richtung». Der Verband betont aber, eine Auszahlung frühestens Anfang Februar und in 90 Prozent der Fälle als Kredit sei für die Branche nicht nachvollziehbar. «Ganz unverständlich ist, dass der Gesamtumsatz im Vergleich zu den Jahren 2018 und 2019 im Durchschnitt unter 60 Prozent liegen muss.» Gastro Luzern fordert daher eine kantonale Lösung bei den Mieten, ein vereinfachtes Abrechnungsverfahren bei der Kurzarbeit sowie eine Umsatzentschädigung in der Restauration von 30 Prozent des Vorjahresumsatzes. Dies soll in Form eines à fond perdu Beitrages geschehen. (rt)

Warum der Nachbarkanton Obwalden bis 23 Uhr Bier und Wein ausschenken dürfe, die Betriebe in den anderen Zentralschweizer Kantonen aber bereits um 19 Uhr schliessen müssen, bedürfe einer Logik, die seinesgleichen suche. Wobei sich nach der nächsten Sitzung des Bundesrats, die Situation vermutlich wieder völlig anders präsentieren würde.

Einen Betrieb so zu führen sei schwierig. Ohne eine klare Linie der Regierung könne weder in der Gastrobranche noch in anderen Betrieben in der Privatwirtschaft koordiniert, geplant und kalkuliert werden.

Die Gastro-Bombe hat Kunz als Sinnbild für die momentane Situation in der Schweizer Wirtschaft auf den Vorplatz seines Lokals gelegt. Die Uhr neben den Buchstaben zeigt fünf vor zwölf. Sie unterstreicht seine Aussage. Dabei ist ihm der Ernst der Situation durchaus bewusst. Sein Ziel ist nicht die bedingungslose Öffnung, im Gegenteil.

«Wir fordern Perspektiven und eine klare Ansage. Dann lieber einen Lockdown, so wissen wir und unsere Gäste wenigsten, was zu tun ist.»

Die Bombe ist übrigens keine echte Bombe, sondern ein Zusatztank eines F4-Phantom Kampfjets - oder vielleicht eines Tornado. Ganz sicher ist sich Kunz da nicht, aber eines weiss er: «Sie tickt.»