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ROTHENBURG: Das Tablet schlägt eine Brücke über Generationen

Mit dem Projekt CompiSternli wird Seniorinnen die digitale Welt nähergebracht. Unterrichtet werden sie dabei von Sechstklässlern – Spass haben alle.
Unterricht einmal anders: Die pensionierte Sport- und Handarbeitslehrerin Pia Flückiger lässt sich von Sechstklässler Evan Müller die Funktion des iPads erklären. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Unterricht einmal anders: Die pensionierte Sport- und Handarbeitslehrerin Pia Flückiger lässt sich von Sechstklässler Evan Müller die Funktion des iPads erklären. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Wie es sich gehört, sind die Lehrpersonen vor Unterrichtsbeginn als Erste im Schulzimmer. So auch an diesem Dienstagmorgen im Untergeschoss des Schulhauses Konstanzmatte in Rothenburg. Denn hier findet die Begabungs- und Begabtenförderung statt. Lehrerin Dina Mazzotti ist bereits da und macht alles für den Unterricht bereit. Denn heute ist es nicht ihr Unterricht, vielmehr übernehmen ihre sechs Schülerinnen und Schüler, die sie im speziellen Rahmen der Begabtenförderung unterrichtet, die Lehrerrolle.

Rollentausch im Unterricht

Deshalb treffen auch die beiden Rothenburger Sechstklässler Evan Müller und Leven Zurkirchen früh ein. Alle «Junglehrer» tragen ein blaues T-Shirt mit der Aufschrift «CompiSternli». Dina Mazzotti erklärt, dass CompiSternli ein schweizweites «Generationenprojekt» ist, das vor ein paar Jahren in Graubünden seinen Anfang nahm.

Die Idee dahinter ist so einleuchtend wie faszinierend: Den allermeisten Kindern fällt heutzutage der Umgang mit den digitalen Medien leicht. Und ältere Generationen tun sich oft schwerer damit. Deshalb lernen nun die Kinder in einer ersten Phase den zielgerichteten Umgang mit digitalen Medien, speziell mit Tablets. Sie bereiten sich vor, ihr Wissen gezielt an ältere Personen weiterzugeben. In einem zweistündigen Kurs werden die Seniorinnen von den Schülerinnen und Schülern in den praktischen Umgang mit den Geräten eingeführt. Dina Mazzotti hat dieses Projekt im Rahmen der Begabungs- und Begabtenförderung in der Primarschule Rothenburg realisiert. Die Lerndossiers werden von der Projektorganisation zur Verfügung gestellt.

Eins-zu-eins-Betreuung

Lernmaterial und iPads sind an ihrem Platz und die sechs Schüler und Schülerinnen bereit für den Unterricht mit den sechs Seniorinnen. Diese werden von Dina Mazzotti begrüsst und setzen sich zu ihren jungen Instruktoren. Jetzt ist die Eins-zu-eins-Betreuung angesagt. «Den Unterricht haben wir auch didaktisch intensiv vorbereitet», erklärt Dina Mazzotti: «Langsam sprechen, erklären, wiederholen, nachfragen. Und nicht einfach hineingreifen. Das ist enorm wichtig. Denn die Schülerinnen sollen die Geräte bedienen.» Vor einigen Wochen gab es quasi eine Vorlaufrunde. Dabei waren Grossmamis und andere Bekannte zum Kurs eingeladen. Da mochte es womöglich einen didaktischen Fauxpas noch leiden. Doch heute gilt es ernst. Schon bald stellt sich vertraute Nähe ein.

Die sechs «Schülerinnen» machen es ihren jungen Instruktoren leicht. Nebst viel Neugier und echter Lernbereitschaft bringen sie viel Offenheit mit. «Weisst du, ich habe noch nie so ein Tablet bedient und verstehe wenig bis gar nichts von Computern», sagt etwa Pia Flückiger zu Evan Müller. Die ehemalige Sport- und Handarbeitslehrerin hat sich nach der Pensionierung vor allem auf Kreatives konzentriert und malte Aquarelle. Trotzdem habe sie das Digitale fasziniert. «Und jetzt knie ich mich hinein», verspricht sie ihrem jungen Lehrer. Gesagt, getan: Schritt für Schritt, geduldig und aufmerksam, führt Evan sie in die digitale Welt ein: Das iPad starten, über den Bildschirm wischen, Fotos betrachten, Apps öffnen und wieder schliessen – eins ums andere wird ausprobiert.

Knallrotes Gummiboot auf Youtube

Seniorin Antoinette Sauter will es ebenfalls wissen. Sie erzählt, wie sie bisher einfach nie Zeit hatte, in die digitale Welt einzusteigen. «Jetzt ist es aber höchste Zeit, schon wegen meiner Enkelkinder», lacht sie und lobt ihre Lehrerin: «Céline Schriber macht das sehr gut.» Dann wirds lauter: Antoinette Sauter hat eben mit Célines Hilfe Youtube entdeckt. «Ja, das kenne ich», lacht die ehemalige Telefonistin, als der Schlager «Er hat ein knallrotes Gummiboot» aus den 70er-Jahren ertönt.

Dina Mazzotti ist zufrieden: «Es läuft gut.» Auch wenn sie den Informatik-Support im ganzen Schulhaus getätigt hat, will sie den Computer im Unterricht und gerade auch im Kinderzimmer keineswegs verherrlichen. «Er ersetzt nie das reale Leben, das Anfassen, Berühren, Spüren und Selbermachen», betont sie. Zurück ins Schulzimmer: Dort wurde während zweier Stunden intensiv gearbeitet. Zwei Teams zogen gar ohne Pause durch. Doch keine Schule ohne Hausaufgaben. Das gilt auch für die Seniorinnen. Zu Hause werden sie mit Übungen ihr Wissen vertiefen. Offene Fragen, die sich daraus ergeben, können dann in die zweite, abschliessende Kurseinheit mitgebracht werden. Diese steht in einer Woche an.

Hannes Bucher

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