ROTHENBURG: Die Brücke feiert theatralisch Jubiläum

Zum 300. Geburtstag der historischen Holzbrücke wird auf ihr ein Theater aufgeführt. Neun Szenen stellen darin die vielfältige Bedeutung von Brücken eindrücklich dar.

Yvonne Imbach
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Nils Brunner und Lia Stoffer spielen während der Generalprobe die Szene «Die Kinderbrücke». (Bild: Boris Bürgisser (Rothenburg, 29. August 2017))

Nils Brunner und Lia Stoffer spielen während der Generalprobe die Szene «Die Kinderbrücke». (Bild: Boris Bürgisser (Rothenburg, 29. August 2017))

Yvonne Imbach

region@luzernerzeitung.ch

Auf dem Weg von Emmen nach Rothenburg liegt sie rechts neben der Strasse, unten im Rotbachtobel: die alte Holzbrücke, welche sich über 47 Meter über dem Rotbach erstreckt. Dort verbindet sie Emmen und Rothenburg seit exakt 300 Jahren. Ehre, wem Ehre gebührt: Die Jubilarin im knorrigen Holzkleid wird aktuell mit dem eigens für sie geschriebenen Brückentheater «Von Ufer zu Ufer» gefeiert.

Theater ist dynamisch und kann überall gespielt werden. Auch auf einer alten Holzbrücke, wie die Premiere am Mittwochabend eindrücklich bewies. Die seitlichen Öffnungen zum Bach hinunter sind mit weissen Abdeckungen verschlossen, trotzdem sorgt das konstante Wasser­rauschen für eine wunderbar authentische Klangkulisse. Das vorgestern mitten in der Aufführung einsetzende Unwetter verstärkte diese Wirkung noch.

Es geht um die Vielfalt von Brücken

Die Zuschauer sitzen in drei langen Reihen, was eine ungewöhnliche Perspektive auf die ebenso lang hingezogene Bühne gibt. Das Bühnenbild präsentiert sich puristisch: Sagex-Würfel in Betonoptik, die immer wieder neu bespielt werden, und sagenhaft schöne Illustrationen des Rothenburger Künstlers Ado Ottiger bilden den visuellen Brückenschlag. Das Publikum erfährt in neun in sich geschlossenen Szenen, welche Symbolik Brücken haben können. In intelligenten Texten geht es um die Vielfalt von Brücken: Es gibt sie als Zahnersatz, als Turnübung, als Luftbrücke. Sie kann sich über Schluchten spannen, Bahnlinien, Küsten oder Länder verbinden oder im Kriegsfall abgebrochen werden. Es gibt aber auch Abgründe, über die keine Brücke mehr führt und das Hindernis unüberwindbar bleibt.

Zusammenspiel zwischen Musik und Bewegung

Das sprachlastige Spiel erfährt einen vielschichtigen musikalischen Teppich eines fünfköpfigen Ensembles mit eigens arrangierter Musik. Die tiefsinnigen Liedtexte hallen nach: «Manche Brücken kann man sprengen, manche Brücken können trennen.» Abgerundet wird das Zusammenspiel von Schauspiel und Musik durch Choreografien, welche von vier als Brückenbauer agierenden Spielern gezeigt werden.

Apropos Brückenbauer: Hinter dem Stück steht der Rothenburger Theatermacher Peter ­Huwyler, dem die Idee zum Brückentheater erstmals vor zwei Jahren durch den Kopf ging. Mit den meisten der 21 Spielern hat er schon bei früheren Produk­tionen zusammengearbeitet. Was war die grösste Herausforderung? «Wir konnten erst am Abend vor der Premiere erstmals auf der Brücke proben. Vorher konnte die Brücke nicht freigegeben werden.» Unter diesem Aspekt gebührt dem gesamten Ensemble zusätzliches Lob. Das Stück beeindruckt nachhaltig, und man fragt sich unweigerlich: Wann war ich das letzte Mal Brückenbauer, und welche Bedeutung haben Brücken für mein eigenes Leben? Das Premierenpublikum belohnte die Leistung aller mit einem minutenlangen Schlussapplaus.

Hinweis

Aufführungen: 1., 2., 7., 8., 9., 14., 15. und 16. September um 20.30 Uhr, alte Holzbrücke Rothenburg. Reservationen: Telefon 076 211 60 23, Montag und Donnerstag 17 bis 19 Uhr oder unter tickets@brueckentheater.ch