ROTHENBURG: Die Zitterpartie bei der BOA geht weiter

Die Mitarbeiter des Metallverarbeiters BOA hoffen weiter auf die Rettung durch einen Investor. Es geht um 155 Arbeitsplätze. Viel Zeit bleibt nicht mehr.

Hans-Peter Hoeren
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1960 baute BOA ihre erste Produktionsstätte in Rothenburg. In den 80er-Jahren zog das gesamte Unternehmen an den Standort. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

1960 baute BOA ihre erste Produktionsstätte in Rothenburg. In den 80er-Jahren zog das gesamte Unternehmen an den Standort. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Die Uhr tickt. Kommenden Donnerstag um 18 Uhr läuft die Konsultationsfrist ab bei der BOA Rothenburg. 155 der gesamthaft rund 170 Mitarbeiter stehen vor dem Aus. Der Hoffnungsschimmer, ein Schweizer Industrieinvestor könnte das traditionsreiche Zentralschweizer Metallverarbeitungsunternehmen übernehmen (siehe auch die Berichterstattung in der «Neuen Luzerner Zeitung» vom 11. Oktober), hat sich zumindest offiziell bisher nicht bestätigt.

Finanzinvestor offenbar interessiert

Laut Informationen unserer Zeitung hat sich weder beim US-Finanzinvestor AEA noch bei der in Deutschland domizilierten BOA-Gruppe ein Schweizer Investor gemeldet. Dafür soll am Hauptsitz der AEA in New York ein Finanzinvestor sein Kaufinteresse deponiert haben. Wie ernsthaft das ist und ob die AEA das überhaupt in Erwägung zieht, ist nicht bekannt. Anfragen unserer Zeitung in New York blieben unbeantwortet. Aus gut informierten Kreisen heisst es dagegen weiterhin, es gebe sogar mehrere Kaufinteressenten.

Die BOA Rothenburg ist Teil der BOA-Gruppe. Diese Gruppe mit weltweit rund 1100 Mitarbeitern und Standorten unter anderem in den USA, Frankreich und Deutschland gehört wiederum seit 2010 dem Finanzinvestor AEA.

Viele Hürden bei Verkauf

Die Ausgangslage für einen Verkauf des Unternehmens, das auf die Herstellung von flexiblen Metallschläuchen, Metallbälgen und Kompensatoren spezialisiert ist, dürfte nicht einfach sein. Gemäss Unternehmensangaben ist der Standort Rothenburg über eine Produktionskette eng mit den BOA-Standorten beispielsweise in Deutschland und Frankreich verbunden. Vorprodukte werden in Rothenburg gefertigt und nach Deutschland geliefert zur Weiterverarbeitung und umgekehrt.

Diese Abhängigkeiten könnten ein Investment unattraktiv machen. Will ein Investor beispielsweise beim Kauf den Kundenstamm des Standortes Rothenburg miterwerben, könnte ein neuer Mitbewerber für andere Standorte der Gruppe entstehen. Ein Szenario, das der AEA nicht gefallen dürfte.

Ganze Gruppe soll verkauft werden

Es gibt aber auch andere Lesarten. Der US-Investor AEA will die gesamte BOA-Gruppe mit ihrer Industrie- und ihrer Automobilzulieferersparte offenbar in den nächsten Jahren verkaufen, kolportiert wird 2015. Sollte ein direkter Konkurrent der BOA Rothenburg die Gruppe kaufen, hätte dieser im Fall einer Aufgabe des Standortes Rothenburg quasi einen Konkurrenten weniger. In dieser Lesart bestünde natürlich kein Interesse an einem Verkauf des Standortes an einen möglichen Interessenten. Entscheidend für einen Verkauf dürfte die Wettbewerbsfähigkeit sein, die ein potenzieller Käufer dem Unternehmen auf mittlere Sicht zuschreibt. Aus dem Umfeld BOA Rothenburg wird dem Zentralschweizer Standort durchaus attestiert, konkurrenzfähig zu sein. Aber nicht innerhalb der Gruppe.

Ingo Wassum-Paul, Leiter Industrie bei der BOA-Gruppe, widerspricht: «Als ich Anfang Jahr meine Stelle bei der BOA-Gruppe angetreten habe, dachte ich, wir schaffen die Restrukturierung und die Schaffung langfristig wettbewerbsfähiger Strukturen am Standort Rothenburg innerhalb von zwei Jahren.» Damals habe eine Schliessung nicht zur Debatte gestanden, es sei eher um tief greifende strukturelle Veränderungen gegangen. «Heute schliesse ich eine erfolgreiche Restrukturierung des Standortes innerhalb der nächsten drei bis vier Jahre aus, dafür dürfte man eher bis zu zehn Jahre benötigen», sagt er.

Neben roten Zahlen, einem halbierten Umsatz – in diesem Jahr wird mit 34 Millionen Franken gerechnet – und zu hohen Personalkosten soll dafür vor allem die Verschleppung innerbetrieblicher Effizienzsteigerungsmassnahmen verantwortlich sein. Kreise, die der BOA Rothenburg nahestehen, sagen hingegen, diese Reformen seien von der Gruppe verschleppt worden.

Lösung für die 13 Lehrlinge

Viele der Angestellten haben einen Migrationshintergrund, zum Teil arbeiten mehrere Mitglieder einer Familie im Unternehmen. Bei rund einem Drittel der Mitarbeiter handelt es sich um Ungelernte und Angelernte. Die 13 von der Verlagerung betroffenen Lehrlinge haben offenbar einen neuen Arbeitgeber gefunden, bei dem sie die Ausbildung weiterführen können.