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ROTHENBURG: Ein Entlebucher macht Furore in Köln

So jung und bereits Veteran: Der in Köln lebende Komponist Reto Stadelmann (40) ist gestern zum Veteranen des Zentralschweizerischen Jodlerverbandes ernannt worden. Für ihn ist Jodeln nicht nur Heimat, sondern Familienidentität pur.
Monika Van De Giessen
Der Komponist Reto Stadelmann vor dem Kölner Dom. (Bild: Rudi Brochhaus (Köln, 20. Januar 2018))

Der Komponist Reto Stadelmann vor dem Kölner Dom. (Bild: Rudi Brochhaus (Köln, 20. Januar 2018))

Wer an einen Veteranen denkt, dem kommen vermutlich graue Haare, die Generation der Endsechziger und Personen, die sich in besonderem Masse in einem Verband verdient gemacht haben, in den Sinn. Reto Stadelmann (40) erfüllt nur das letzte Kriterium – das aber voll und ganz. Der gebürtige Escholzmatter ist gestern an der Delegiertenversammlung des Zentralschweizerischen Jodlerverbandes (siehe Kasten) in Rothenburg geehrt worden.

Stadelmann hat sich als Entwickler von innovativen Musikprojekten einen internationalen Namen gemacht. Drei Jodellieder hat er komponiert. Eines der meistgesungenen ist das Lied «Bärgandacht». Es wurde auf Anhieb zu einem Bestseller. Auf dem Alphorn hat Stadelmann mit Erfolg an drei Jodlerfesten teil­genommen. «Auch wenn ich das Alphorn seit meinem Studium nicht mehr so oft spiele und nur noch gelegentlich damit auftrete, ist es mir stets Erinnerung an meine Heimat geblieben», erklärt der Musiker, der heute in Köln lebt.

Geehrt wurde Stadelmann zusammen mit 80 anderen Jodlern, die seit 25 oder 50 Jahren dem Verband angehören. «So alt bist du also schon», schoss es ihm für einen Moment durch den Kopf, als er vom Jodlerverband erfuhr, dass er Veteran werde. «Ich bin schon ein wenig erschrocken.» Er schlage um die Auszeichnung keine lauten Töne an. «Es gibt sicherlich viele Veteranen, die weitaus engagierter waren als ich.»

«Oft gehänselt und ausgelacht»

Für den Vierzigjährigen ist Jodelgesang nicht nur Heimat, sondern Familienidentität pur. Als Kind sei er oft bei den Auftritten und Anlässen seines Vaters dabei gewesen. Reto Stadelmann ist der Sohn des bekannten Kom­ponisten, Musikers und Jodlers Franz Stadelmann (75) aus Escholz­matt. Die Musik wurde ihm in die Wiege gelegt. Sein musikalischer Weg führte ihn nach der Musikhochschule Luzern (Schulmusikdiplom mit dem Hauptfach Chorleitung) zunächst nach London, Manchester und Köln. Er promovierte an der Universität York. Mehrere Preise und Auszeichnungen im In- und Ausland zeugen von seinem talentierten Schaffen. Seit gestern kommt nun weitere Ehrung dazu. Er freut sich über die Auszeichnung, bemerkt aber, dass sie für einen Jodelchorsänger, der 25 Jahre lang aktiv und regelmässig wöchentlich zur Jodlerprobe erscheint, sicherlich mehr bedeutet. «Mich bringt sie etwas in Verlegenheit, denn aufgrund meines Lebensmittelpunkts im Ausland konnte ich mich gar nicht so aktiv einbringen», erklärt Stadelmann, der im Alter von 15 Jahren dem Verband beigetreten ist.

Der sympathische Musiker hat einen anderen Weg als sein Vater eingeschlagen. Warum? «Zu meiner Jugendzeit war Volksmusik verpönt. Ich wurde wegen meiner Abstammung und wegen meiner volkstümlichen Aktivitäten gehänselt und ausgelacht», erzählt Stadelmann. Das habe ihn zum Aussenseiter und Einzelgänger gemacht und natürlich auch geprägt. Zum anderen habe das Wirken seines Vaters wie ein Stempel auf ihm gelastet. «Ich wurde immer mit meinem Vater verglichen.» Er sah keine Chance, als eigene Person mit eigenen Interessen zu wachsen. Es sei für ihn eine logische Konsequenz gewesen, die Sparte zu wechseln und ein Umfeld zu suchen, in dem er sein Potenzial frei und ohne Vorbelastung entfalten und ausleben konnte.

Stadelmann respektiert Traditionen, aber er nimmt sie trotzdem nicht zu ernst. «Jede gelebte Tradition erfährt mit der Zeit Veränderungen und Anpassungen, nimmt irgendwann einen Anfang und findet vielleicht sogar auch ein Ende», argumentiert der Komponist. Alles unterliege einem Wandel. Sind von seiner Seite her weitere Jodelkompositionen in Planung? Dazu Stadelmann: «Jodellieder werde ich bestimmt auch wieder schreiben, wenn die Musse dazu stimmt. Aber es ist für mich eine Gratwanderung.» Er bewege sich musikalisch in sehr unterschiedlichen Welten, die nicht kompatibel seien. Die Frage, ob sich der Jodel weiterentwickeln und Verbindungen mit Jazz, Rock, Pop oder Klassik eingehen soll, führt immer wieder zu Diskussionen in der Szene. Dazu hat der Escholzmatter eine eigene Meinung: «Der Jodel soll sich nicht weiterentwickeln müssen, sondern dürfen.»

Monika van de Giessen

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch

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