ROTHENBURG: Er wechselte vom Stall ins Künstleratelier

Josef Ottiger ist seit 15 Jahren künstlerisch tätig und stellt nun seine Werke aus. Zuvor war er Klauenpfleger.

Marc Beauverd
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Der gebürtige Rothenburger Josef Ottiger bei sich zu Hause in seinem Garten. (Bild Nadia Schärli)

Der gebürtige Rothenburger Josef Ottiger bei sich zu Hause in seinem Garten. (Bild Nadia Schärli)

In buntem Durcheinander schlendern die Schüler einer Schulklasse auf einem Landweg: Einige diskutieren ausgiebig, andere träumen vor sich hin. Ein Mädchen pflückt Blumen, ein Junge präsentiert seinen frisch gesammelten Strauss der Lehrerin. Auf dem Gemälde «Der Schulspaziergang» (1872) des Schweizer Malers Albert Anker strotzen die Kinder voller Lebhaftigkeit. Das Bild hängt im Wohnzimmer von Josef Ottiger. «In Ankers Bildern wimmelt es nur so von Details, die seine Malerei zum Leben erwecken», erklärt der 81-jährige Josef Ottiger, während er die gemalten Kinder mit dem Lupenglas inspiziert. Der gebürtige Rothenburger hat in den letzten vier Monaten an Holz- und Blechskulpturen gearbeitet – und strebte dabei den Detailreichtum seines Vorbildes an. Nun ist es so weit: Heute findet die Vernissage zu seiner Ausstellung «Ernährung, Schöpfung und Kunst» statt. Für die Öffentlichkeit ist diese bei ihm im Garten an der Eschenbacherstrasse 58 ab morgen während des ganzen Sommers frei zugänglich.

47 Jahre als Klauenpfleger

Die Kunst entdeckte Josef Ottiger erst vor rund 15 Jahren, nachdem er das Pensionsalter erreicht hatte. «Ich fühlte eine Ader in mir, die mich auf meine Begabung aufmerksam machte», erinnert sich Ottiger. Er zeichne schon seit seiner Kindheit regelmässig und sei früher für seine schwungvollen und präzisen Zeichnungen vom Lehrer gelobt worden. Eine Kunstschule habe er nie besucht. Zuvor war der Rothenburger 47 Jahre lang Klauenpfleger und Spezialist für Klauenkrankheiten. Ein anstrengender Beruf – als einziger Klauenpfleger in der Region arbeitete er sechs Tage die Woche, um die Klauen von Kühen und Rindern in der Region gesund zu halten.

Trotzdem genoss Ottiger nebenbei eine aktive Freizeit. So war er 35 Jahre lang im Jodlerklub in Rothenburg, spielte 20 Jahre lang Alphorn und war leidenschaftlicher Jäger. Heute wohnt er in einem Einfamilienhaus, das er 1961 errichten liess und wo er mit seiner Frau und seinen sechs Kindern gelebt hat.

«Mit meiner Kunst will ich den Menschen eine Freude bereiten», sagt Josef Ottiger. Eine Kunstkarriere strebt er hingegen keine an. «Ich habe zurzeit keine weiteren Projekte. Diese Ausstellung bedeutete viel Arbeit für mich, jetzt brauche ich erstmals Zeit zum Aus­ruhen», so der Rentner.

Natur steht im Zentrum

In Ottigers Kunst hat die Natur einen hohen Stellenwert. Er wolle die Tier- und Pflanzenwelt der Region Luzern künstlerisch darzustellen. «Der allmächtige Schöpfer hat die Natur geschaffen, die wir Menschen für unser Leben und unsere Ernährung brauchen», so der naturverbundene Rentner. Deshalb habe er sich bei seiner Ausstellung auch für den Titel «Ernährung, Schöpfung und Kunst» entschieden.