ROTHENBURG: Fahrende wollen stärker mitreden

Seit einem Monat können Fahrende einen Platz in der Gemeinde nutzen. Sie sind dort zufrieden, haben für die Suche nach künftigen Standorten aber noch Optimierungsvorschläge.

Manuel Burkhard
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Der Kanton stellt den Fahrenden in Rothenburg einen neuen Standpaltz zur Verfügung. Das Areal ist an der Wahlingenstrasse neben der Parzelle vom Opacc Areal. (Bild: Nadia Schärli (5. April 2017, Rothenburg))

Der Kanton stellt den Fahrenden in Rothenburg einen neuen Standpaltz zur Verfügung. Das Areal ist an der Wahlingenstrasse neben der Parzelle vom Opacc Areal. (Bild: Nadia Schärli (5. April 2017, Rothenburg))

Manuel Burkhard

region@luzernerzeitung.ch

Sie sind ständig unterwegs, feste Wohnsitze sind ihnen fremd. Gegen 3000 Menschen in der Schweiz pflegen einen fahrenden Lebensstil. Für sie gibt es gegenwärtig 15 Stellplätze und rund 30 Durchgangsplätze (siehe Kasten).

Einer dieser Durchgangsplätze befindet sich seit Ostern neu in Rothenburg. Im Verlauf des letzten Monats haben 13 Familien dort ihr temporäres Heim errichtet. Der Platz, auf dem bis zu 20 Wohnwagen abgestellt werden können, ist Schweizer Fahrenden vorbehalten, die dort maximal ­einen Monat verbringen dürfen.

«Verkehrslärm macht uns nichts aus»

Sind die Fahrenden mit dem Platz zufrieden? Bei einem Augenschein vor Ort wollte zwar keiner der Anwesenden öffentlich Stellung nehmen. Dave Huser jedoch war als Präsident der Bewegung der Schweizer Reisenden an der Einrichtung des Platzes beteiligt und hat gleich nach der Eröffnung 30 Tage dort gewohnt. Die Grösse sei zwar etwas knapp bemessen, aber die Infrastruktur sei gut. Und die Lage zwischen Autobahn und Eisenbahn? «Das macht uns nichts aus, da gewöhnt man sich schnell daran. Wir sind dem Kanton dankbar, dass wir diesen Platz haben.»

Bei der Radgenossenschaft der Landstrasse, der Interessengemeinschaft der Schweizer Fahrenden, ist man ebenfalls froh. Seit dem Jahr 2000 seien in der Schweiz nämlich ein Drittel der Durchgangsplätze verschwunden. Dies, weil viele Plätze nur befristet eingerichtet werden. Auch in Rothenburg ist Ende September 2018 Schluss. Dann wird für das Gebiet ein Bebauungsplan vorliegen (Ausgabe vom 6. April).

«Leider wird vielfach nur kurzfristig geschaut. Was wir brauchen, sind definitive Durchgangsplätze», sagt Daniel Huber, Präsident der Radgenossenschaft. Kein Problem sieht er in der beschränkten Aufenthaltsdauer in Rothenburg. «Das entspricht der Norm. Meist zieht man früher weiter, und man darf ja jederzeit wieder zurückkehren.» Tatsächlich: Nur sechs der Familien in Rothenburg nutzten die volle Aufenthaltsdauer. Teilweise reisten sie schon nach einer Woche weiter.

Das Grundstück gehört dem Kanton Luzern, der auch die Verantwortung für den Unterhalt trägt. Die Gemeinde ihrerseits verwaltet die An- und Abfahrten. Die Fahrenden bezahlen eine Platzmiete von 15 Franken pro Wohnwagen und Nacht. Damit wird der administrative Aufwand der Gemeinde gedeckt, der Rest geht an den Kanton. Kostendeckend ist diese Miete nicht. Kantonsbaumeister Hans-Urs Baumann schätzt, dass der Kanton bis September 2018 rund 90000 Franken aufwendet.

Gleichzeitig ist eine kantonale Arbeitsgruppe auf der Suche nach einer definitiven Lösung. Ihr Ziel ist es, im Kanton Luzern einen bis zwei dauerhafte Stand- und Durchgangsplätze zu schaffen. Über 100 mögliche Standorte hat sie schon evaluiert. Die Aufgabe ist komplex. Ein Durchgangsplatz muss gut erreichbar sein, benötigt Strom, Wasser, sanitäre Anlagen und eine Müllentsorgung.

Lösung auf nationaler Ebene als Ziel

Daniel Huber wünscht sich deshalb, dass Fahrende in die Evaluation und Planung von Plätzen miteinbezogen werden. «Das sind keine Campingplätze. Wir leben dort – und wir können sagen, wie diese Plätze am besten angelegt werden.» Neben solchen Standplätzen gibt es noch eine weitere Möglichkeit, wie die Schweiz ihrem Verfassungsauftrag nachkommen und die Lebensweise der Schweizer Fahrenden schützen kann. Simon Röthlisberger von der Stiftung Zukunft für Schweizer Fahrende, sagt: «Ebenso wichtig wie fixe Plätze ist die Möglichkeit, spontan auf privatem Grund anhalten zu können. Dies bedingt die Offenheit der Grundeigentümer ebenso wie die Akzeptanz der Behörden.» Je nach Gemeinde sei dies nämlich nicht erlaubt – selbst wenn die Grundeigentümer einverstanden wären. Hier strebe man eine offene und national einheitliche Regelung an.