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ROTHENBURG: Früher führten aufmüpfige Wirte das Gasthaus Ochsen

Heute wird im «Ochsen» gediegen gespeist. Das Haus hat eine lange und ereignisreiche Geschichte hinter sich. Sie dreht sich um Hitzköpfe und Pleite-Wirte.
Wirt Robert Schnyder mit Kindern vor dem «Ochsen» im Jahr 1904. (Bild: Sammlung Kurt Bieri)

Wirt Robert Schnyder mit Kindern vor dem «Ochsen» im Jahr 1904. (Bild: Sammlung Kurt Bieri)

Ob Robert Schnyder schon wusste, was auf ihn zukommt, als er 1904 vor seinem Gasthaus im Rothenburger Flecken für den Fotografen posierte (unser Bild)? Genau lässt sich die Biografie des «Ochsen-Robi» nicht mehr rekonstruieren. So viel steht indes fest: Er brachte es in der Schweizer Armee bis zum Hauptmann. «Irgendeinmal nach 1904 ging er mit seinem Betrieb in den Konkurs. Ob die Wirtschaftslage ihn dazu zwang oder andere Gründe ihn in die Zahlungsunfähigkeit trieben, lässt sich nicht mehr feststellen», sagt der Lokalhistoriker und pensionierte Sekundarlehrer Hans Ruedi Schürmann.

Er hat zusammen mit Alice Odermatt in den beiden wirklich gut gelungenen Bildbänden «Rothenburg – Geschichte und Geschichten» * die Texte verfasst und sich mit den Traditionsgaststätten in Rothenburg näher befasst.

Tränen wegen Konkurrenten-Pleite

Schnyder schien im Dorf beliebt zu sein. Denn selbst sein Konkurrent Ueli Mattmann vom «Bären» bedauerte es zutiefst, als Schnyder den «Ochsen» aufgeben musste. Lokalhistoriker Schürmann: «Als Mattmann vom Konkurs Schnyders hörte, soll er die eigene Küche aufgesucht und seinen Angestellten mit Tränen in den Augen vom Ruin seines Berufskollegen erzählt haben.»

Vielleicht lassen sich Mattmanns Tränen auch mit der Furcht erklären, irgendeinmal Schnyders Schicksal teilen zu müssen. Denn wenn sich eines wie ein roter Faden durch die Geschichte der beiden Rothenburger Beizen zieht, dann sind es die wirtschaftlichen Höhe- und Tiefpunkte. 1516 fand der «Ochsen» erstmals Erwähnung in einem amtlichen Dokument. Der Start fiel verheissungsvoll aus. Ein paar Jahre später rechnete der «Ochsen»-Wirt für die Steuern über 60 Säume Wein ab, die die Gäste innerhalb eines Jahres getrunken hatten. Nicht schlecht: Ein Saum sind 150 Liter, macht also mehr als 9000 Liter Rebensaft.

Die Pleiten-Pech-und-Pannen-Phase für die beiden Wirtschaften setzte 1761 ein, als eine neue Strasse von Luzern nach Sursee fertig erstellt war – und Rothenburg rechts liegenliess. Die Wein-umsätze im «Ochsen» und im «Bären» sackten um die Hälfte ab. Des einen Leid, des andern Freud: Nun machte die «Sonne» in Gerliswil (Emmenbrücke) gute Geschäfte mit den Durch­reisenden. Über ihre Theke gingen dank der neuen Strasse 64,5 Säume Wein.

Früher rot, heute Gault Millau

Heute herrscht im «Ochsen» ein gepflegtes Ambiente, und die Küche hat es unter Leitung der beiden Junggastronomen Marco Graf mit René Adler in die Gourmet-Bibel Gault Millau geschafft. Vor 300 Jahren ging es dort freilich noch aufmüpfig zu und her. Mal musste ein Wirt 25 Gulden Strafe zahlen, weil er sich mit dem Vogt der gnädigen Herren aus der Stadt angelegt hat. Mal ereiferte sich ein anderer Wirt derart despektierlich über eine neue Steuer, dass ihm die Obrigkeit eine Strafe von 112 Gulden aufbrummte. Nach dem Sonderbundskrieg war der «Ochsen» eine Hochburg der Konservativen. Ihre zuweilen handgreiflichen Auseinandersetzungen mit den liberalen Widersachern waren derart heftig, dass sogar Stadtbürger den Weg nach Rothenburg auf sich nahmen, um dem Spektakel aus sicherer Distanz beizuwohnen.

HINWEIS

* Rothenburg – Geschichte und Geschichten. Band 1: Bewegte Vergangenheit, Band 2: Aufbruch ins dritte Jahrtausend. Die Bände kosten 70 Franken und können bei der Gemeindever­waltung (Tel. 041 288 81 72 oder gemeindeverwaltung@rothenburg.ch) bestellt werden.

Das Rothenburger Traditionsgasthaus heute. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Das Rothenburger Traditionsgasthaus heute. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

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