ROTHENBURG: Futtermühle setzt auf Mikroorganismen und baut aus

Das Futterwerk Niederhäuser setzt auf einen Trend und konnte ausbauen. Doch die Abhängigkeit von den Fleischpreisen bleibt: Sinken diese, muss auch das Futter billiger werden.

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Geschäftsführer Jürg Kamber mit Tochter Marlene in der Futtermühle Niederhäuser: Die Tochter wird in die Fussstapfen des Vaters treten. (Bild Eveline Beerkircher)

Geschäftsführer Jürg Kamber mit Tochter Marlene in der Futtermühle Niederhäuser: Die Tochter wird in die Fussstapfen des Vaters treten. (Bild Eveline Beerkircher)

Die Firma Niederhäuser AG ist ein Familienbetrieb in dritter Generation und ist seit 1964 am heutigen Standort in Rothenburg tätig. Der Betrieb setzt bei der Futtermittelproduktion erfolgreich auf den Trend von Produktion mit Mikroorganismen und hat deshalb kürzlich eine erweiterte Produktionsanlage in Betrieb nehmen können. Geschäftsführer Jürg Kamber: «Unser Ziel ist, Futter herzustellen, das optimal auf die Bedürfnisse der Tiere angepasst ist. Also muss es gesund sein.» Hochstehendes Futter, so Kamber, gehöre zur «tierischen Veredelung».

Kein stechender Geruch

Beim Gedanken an eine Futtermühle steigt einem meist gleich ein stechender Geruch in die Nase. Nicht so in Rothenburg. Beim Rundgang durch die neue Produktionsanlage muss keine Nase gerümpft werden. «Wer einen sorgfältigen Umgang mit den Ausgangsprodukten pflegt, weiss, wie es riechen muss. Stechender Geruch zeugt nicht von einer schonenden Produktion», bemerkt Kamber und betont, dass die Schweizer Herkunft der Rohstoffe der Firma ein grosses Anliegen ist und dass sie seit 1995 in fast jedem Futter Schweizer Kräuter einsetzt. Deshalb ist zum Beispiel ein Teil des Alleinfutters für Ferkel, Junghennen, Küken und Mastschweine mit der Hilfsstoffknospe der Bio Inspecta zertifiziert. Die zertifizierten Produkte werden jährlich auf die Einhaltung der Bio-Richtlinien geprüft und tragen das Label «Bio Suisse».

Bezüger aus der Zentralschweiz

Die neue Produktionsanlage ermöglicht es, auf individuelle Wünsche von Bestellern einzugehen. Kamber: «Bei einer Mindestbezugsmenge von 2 Tonnen können wir auf die speziellen Wünsche eingehen. Das ist möglich, da wir nicht in der Massenproduktion tätig sind und uns auch selber vermarkten.» Zur Kundschaft gehören ausschliesslich Bezüger aus der Zentralschweiz und den angrenzenden Gebieten. «Auf einer Tagestour müssen alle Besteller bedient werden können. Klar, dass bei solch einem Lieferkonzept das Wallis nicht beliefert werden kann», erklärt Jürg Kamber.

Doch nicht alles ist rosig bei Niederhäuser: Vorschriften zur Futtermittelproduktion behindern den Produktionsalltag und rauben Zeit, Geld und Energie. Ein grosses Problem ist zudem die Berg-und-Tal-Fahrt der Fleischpreise. «Sind diese im Sinkflug, dann schlägt dies auch auf uns zurück», sagt Jürg Kamber. Und er fügt an: «Wir haben weniger Wertschöpfung und müssen die Preise anpassen.»

Nachfolge bereits geregelt

Nicht lange suchen musste Kamber, als es um die Nachfolge des Familienbetriebs ging. Denn seine 24-jährige Tochter Marlene engagiert sich bereits seit fünf Jahren im Futterwerk. Als Assistentin der Geschäftsleitung ist sie auch für das Qualitätsmanagement und das Marketing zuständig. Die Nachfolge ist übrigens auch Thema ihrer Bachelorarbeit «Nachfolgeregelung in KMUs».

Dass sie dereinst den Familienbetrieb übernehmen werde, sei ihr nach dem Einstieg 2010 klar geworden. «Es ist ein absolut spannendes Berufsfeld», schwärmt die Mutter, Studentin und Geschäftsleitungsassistentin. Sie sei davon überzeugt, dass die Zukunft der Landwirtschaft in einer nachhaltigen Produktion liege und nie auf Kosten der Natur gehen dürfe.

Sandra Monika Ziegler