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ROTHENBURG: Gemeinde erlangt historische Mühlensteine auf mysteriösem Weg

Die Gemeinde Rothenburg hat zwei Überbleibsel des einst bedeutenden Müller-Gewerbes gekauft – über 40 Jahre nach deren Entdeckung. Wo die Steine sich zwischenzeitlich befunden haben, ist ein ungelöstes Rätsel.
Die beiden Mühlensteine stehen nun in der Nähe der Holzbrücke. (Bild: Pius Amrein (Rothenburg, 11. Januar 2018))

Die beiden Mühlensteine stehen nun in der Nähe der Holzbrücke. (Bild: Pius Amrein (Rothenburg, 11. Januar 2018))

Seit Dezember 2017 erinnern bei der alten Holzbrücke in Rothenburg zwei Mühlensteine und eine Infotafel an die Zeiten, an denen am Rotbach noch Mühlen in Betrieb waren. Für Erwin Troxler, alt Gemeindeammann und Heimatarchivar von Rothenburg, schliesst sich damit ein Kreis.

Er vermisste die Steine seit Jahrzehnten, wie Troxler gegenüber unserer Zeitung sagt. Im Sommer 2017 erhielt er dann von der Gemeindeverwaltung Rothenburg einen Anruf. Diese teilte ihm mit, eine Privatperson aus Neuenkirch sei im Besitz zweier einst im Gebiet Stampfi/Bachtalen eingesetzter Mühlensteine und möchte diese der ­Gemeinde zurückgeben. Sofort erinnerte sich Troxler an den Fund, den er 1975 bei einer Scheune unten am Rotbach gemacht hatte. Zur Hälfte mit Gestrüpp bedeckt lag dort ein Mühlenstein von rund eineinhalb Metern Durchmesser.

Steine nach Entdeckung verschollen

Troxler, damals Gemeindeammann, beauftragte den Werkdienst, den Stein zu sichern. «Als dieser anrückte, war der Stein jedoch bereits weg», sagt Troxler. Umso überraschter und erfreuter ist er nun, dass gleich zwei Mühlensteine wieder aufgetaucht sind und den Weg zurück an ihren einstigen Einsatzort finden sollten. Die Gemeinde Rothenburg hat beschlossen, die Steine für rund 4000 Franken zurückzukaufen und zur alten Holzbrücke zu transportieren. Troxler organisierte anschliessend den Transport der insgesamt rund drei Tonnen schweren Mühlensteine und verfasste die Infotafel, die nun neben den Steinen steht.

Dieser ist zu entnehmen, dass ein Antiquitätenhändler die freigelegten Steine Mitte der 1970er-Jahre den Grundeigentümern abgekauft hatte. Warum der Kauf zeitlich so nahe an Troxlers Fund liegt, ist jedoch nicht geklärt. Fest steht nur, dass die Mühlensteine die letzten rund 15 Jahre in einem privaten Garten in Neuenkirch lagen. Der Besitzer hatte die Steine dem Antiquitätenhändler Bühlmann aus Neuenkirch abgekauft.

Dieser wiederum kann keine näheren Angaben dazu machen, wie und wann genau die Steine in seinen Besitz gekommen waren, da der Verkauf durch die damaligen Grundeigentümer des Stampfi-Areals über 30 Jahre zurückliegt. Zu dieser Zeit führte der inzwischen verstorbene Vater das Antiquitätengeschäft. Bühlmann erinnert sich aber ­daran, dass die Steine jahrelang in seinem Lager gelegen hatten, bevor sie ihm eines Tages abgekauft wurden.

Rege Produktion im Rotbachtobel

Erst im Sommer 2017, als ein Flyer des Brückentheaters Rothenburg im Briefkasten des Besitzers lag, realisierte dieser, dass die Mühlensteine zurück an ihren früheren Einsatzort gehörten. Er hätte für die Steine sowieso nie den richtigen Platz in seinem Garten gefunden, meint er auf Anfrage. Und die historischen Steine könnten nun viel mehr Leute an die vergangenen Zeiten des Müller-Gewerbes in Rothenburg erinnern.

Tatsächlich erzählen die Steine eine interessante Geschichte. Die Gebiete ums Rotbachtobel heissen nämlich nicht per Zufall Stampfi und Mühlematt. Bereits im 13. Jahrhundert ratterte dort die erste Mühle. Es kamen im 17. Jahrhundert eine Reibmühle und im 18. Jahrhundert eine Öltrotte hinzu. Gemahlen wurde nicht nur Getreide, sondern zu späteren Zeiten auch Knochen zur Düngerproduktion. Der Betrieb wurde 1910 eingestellt. In dieser Zeit wurden viele Mühlen aufgrund des technologischen Fortschritts aufgegeben. Ein Jahr später erforderte dann der Bau der ersten Betonbrücke über den Rotbach den Abriss der Mühlen und der angegliederten Wohnhäuser.

Dass die nun aufgetauchten Steine tatsächlich aus der Zeit des Rothenburger Müller-Gewerbes stammen, haben Troxler und Hans Ruedi Schürmann, Autor des Buches «Rothenburg. Geschichte und Geschichten», nachgewiesen. Auf dem grösseren der beiden Steine ist nämlich die Jahreszahl 1781 eingraviert. Dank dieser Gravur konnte er auf einem Foto aus der Gemeindechronik von 1941 wiedererkannt und als echter Rothenburger Mühlenstein identifiziert werden.

Gina Bachmann

region@luzernerzeitung.ch

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