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ROTHENBURG: «Ich hatte schon immer ein Vorgesetztenproblem»

Er ist Marketingfachmann, Berufsschullehrer, Gastronom und – er liebt Motoren. Ausserdem hat Dany Kunz (34) ein Stück Geschichte in die Region gebracht. Nach London und Peking wurde 2015 in Rothenburg das dritte Ace Cafe weltweit eröffnet.
Roger Rüegger
Dany Kunz (34) in seiner Wohnung mit Hund Cailean und der Yamaha XT 500. (Bild: Philipp Schmidli (Pfaffnau, 26. September 2017))

Dany Kunz (34) in seiner Wohnung mit Hund Cailean und der Yamaha XT 500. (Bild: Philipp Schmidli (Pfaffnau, 26. September 2017))

Dany Kunz, Ace Cafe London ist für Biker heiliger Boden. Wann erwachte Ihr Wunsch, eine Filiale zu eröffnen?

Als ich 2013 das Ace Cafe in London besuchte. Mir fiel auf, dass dort Leute aus allen Gesellschaftsschichten verkehren und eine gemeinsame Leidenschaft teilen. Ich fragte mich, warum es so etwas bei uns nicht gibt.

Sie wurden in London also vom Ace-Virus infiziert?

War ich längst. Erst als ich dort war, verstand ich den Mythos. Es spielt im Ace Cafe keine Rolle, wer man ist und woher man kommt. Ein Stück dieser Freiheit wollte ich nach Hause bringen.

Töffbeizen gibt es doch viele.

Wir sind ein Gastro- und Eventlokal für Leute, die unkompli­zierte und lebendige Atmosphäre lieben. Keine Töffbeiz!

Trotzdem fahren hauptsächlich Biker bei Ihnen vor.

Bei uns finden jedes Wochenende Treffen und Veranstaltungen statt. Nicht nur für Motorräder. Wir haben Meetings für Mini, Oldtimer, American Cars, Elektrofahrzeuge, Vespa oder Einachser. Aber auch das zieht bei unseren Gästen nur mit hoher Qualität, Ambiente und freundlichem Personal. Das Ace Cafe ist eine Gastrogeschichte, die funktioniert. Dafür arbeiten wir hart.

Über 100 000 Besucher im Jahr sprechen für sich. Wie holten sie sich die Lizenz aus London für das Ace Cafe?

Ich schrieb ein Mail nach London. Als Antwort kam eine Aufforderung, einen Businessplan und konkrete Pläne vorzuweisen.

Auch zehn andere Schweizer wollten ein Ace Cafe eröffnen. Womit punkteten Sie?

Mit Besitzer Mark Wilsmore verband mich grosse Sympathie. Mein Vorhaben überzeugte ihn.

Wilsmore sagte, der Ursprung des Ace Cafe stehe für Sound, Geruch und Geschwindigkeit. Damit gewinnt man in der Agglomeration Luzern keine Freunde. Was ist Ihr Thema?

Der Spirit ist genau derselbe. Und selbst wenn ich mir durch mein Ace ein paar Feinde gemacht habe: Die Freude über Tausende glückliche Besucher überwiegt.

Anfang September fuhren in Rothenburg fast unbemerkt 50 Elektro-Motorräder ein. Von Sound und Geruch keine Spur. Passt das ins Konzept?

Absolut. Ace Cafe trägt seit 80 Jahren Trends im Motorradbereich mit. Wenn ich in die Zukunft blicke, bin ich ein Verfechter der E-Mobilität, obwohl ich ein Petrolhead bin. Wir können auch gerne über meine Ökobilanz reden. Die definiert sich nicht nur nach der Art der Fortbewegung, sondern am Lebensstil und am Konsumverhalten.

Also. Was konsumieren Sie?

Privat und im Ace Regionales mit Bioqualität. Etwa Fleisch aus Alberswil. Keine Billigware, weshalb ich bei Preisdiskussionen äusserst unflexibel bin.

Und wie fahren Sie zur Arbeit?

Im Dodge Ram oder im VW up. Das grösste oder das kleinste Auto. Ich mag keine Kompromisse. Zudem fahre ich gerne Ya­maha XT 500, das zuverlässigste Bike, das je gebaut wurde.

Sie sind das Gesicht des Ace. Wer ist Dany Kunz privat?

Ein freiheitsliebender Typ, ein guter Freund und Gesprächspartner. Die Verbundenheit mit der Natur, das Zusammensein mit der Partnerin, der Familie, Freunden und dem Hund stehen ganz oben. Inzwischen ist dieser Mann privat etwas menschenscheu geworden. Vielleicht könnte man ihn auch als Enfant terrible bezeichnen.

Speziell ist auch Ihr Lokal. Es ist mit Gegenständen aus Fabriken, Bauernhäusern und Restaurants ausgestattet. Auch Ihr Heim in Pfaffnau?

Auch das gehört zu meinem Stil. Das Cheminée in der Wohnung stammt aus einem französischen Schloss, die Treppe aus einem alten Restaurant, der Sandsteinboden aus einem Kloster, und die Lampen im Ace holten wir aus einer Fabrik in Tschechien. Ich bin Sammler und Ästhet und kein Freund der Wegwerfgesellschaft.

Zur Eröffnung erwarteten Sie 3000 Gäste. Es kamen 10 000.

Alle Erwartungen wurden übertroffen. Als Mark Wilsmore eine Rede hielt, konnte ich die Tränen nicht zurückhalten. Nun gilt’s die Erwartungen zu halten. Allen können wir es nicht recht machen, wollen wir auch nicht. Wir sind authentisch und direkt, und was wir machen, machen wir gut.

Sie sagen, dass Sie nie am Erfolg zweifelten. Warum?

Weil bei vielen Leuten immer das Bedürfnis bestehen wird, an einem Ort wie dem Ace Cafe zu sein. Wir sind auch in Jahrzehnten noch da.

Gab’s eine Alternative?

Ich habe immer einen Plan B. Wenn es nicht funktioniert hätte, hätte ich die Niederlage eingestehen müssen. Alternative wäre der Job als Berufsschullehrer in Sursee gewesen, wo ich Projektmanagement unterrichtete.

War das ernsthaft ein Thema?

Ja, als die Investition noch nicht geregelt war. Die Bagger fuhren auf, als ich die Kohle noch nicht hatte. Ich verkaufte meine Fahrzeuge: einen Chevy Camino SS, eine Vespa und weitere Perlen. Bei 72 Investorengesprächen stiess ich auf Granit. Erst mit Unterstützung der Albert-Koechlin-Stiftung und einem Investor konnte das Ace realisiert werden.

Ging die Geschichte bis zur Realisierung an die Substanz?

Wenn ich gewusst hätte, wie steinig der Weg werden würde, hätte ich das Ding nicht durchgezogen. Ich hatte Existenzangst. Die trieb mich aber zu Höchstleitungen an. Ich bin sehr verbissen.

Was würden Sie im Nach­hinein anders machen?

Nichts. Ich wusste, dass ich einmal mein eigener Chef sein werde. Ich hatte immer ein Vorgesetztenproblem, weil ich mich nicht gerne bevormunden lasse.

Wie erhielten Sie die Zusage?

Per Telefon. Als Mark am Apparat war, schrie ich: Holy shit, ich eröffne ein Ace Cafe in der Schweiz.

Der Marathon mit Finan­zierung, Bau und Lärmbeschwerden war nervenaufreibend. Wie hoch war der Preis?

Sehr hoch. Ich war eine One-Man-Show, hatte Kritiker und zog mich während der Planung komplett aus dem öffentlichen Leben zurück, bis ich ready war.

Dann meldeten Sie sich mit dröhnenden Motoren wieder. Welche Erkenntnis haben Sie gewonnen?

Dass man sich Missgunst und Neid hart erarbeiten muss.

Interview: Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Die bisher erschienenen Beiträge dieser Serie finden Sie hier.

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