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ROTHENBURG: Nach 30 Jahren ist die «Rigi» fertig

Sein Wunschberuf war Schiffbauer, doch stattdessen wurde Hans Peter Weber (65) Banker. Seinen Traum vom selbst erschaffenen Schiff hat er sich nun als Erwachsener erfüllt.
Roger Rüegger
Hans Peter Weber mit seinem Modell des Dampfschiffs Rigi. (Bild: Nadia Schärli (Rothenburg, 15. März 2017))

Hans Peter Weber mit seinem Modell des Dampfschiffs Rigi. (Bild: Nadia Schärli (Rothenburg, 15. März 2017))

«Ich will nicht sagen, dass ich stolz bin. Aber das Resultat hat mich doch sehr befriedigt.» Hans Peter Weber übt sich in Bescheidenheit. Denn der pensionierte Banker hat mit dem Bau eines Modells des Dampfschiffes Rigi ein einmaliges Werk geschaffen.

Der 65-jährige Vater zweier Töchter und eines Sohnes hat das Dampfschiff Rigi, das von 1848 bis 1952 auf dem Vierwaldstättersee fuhr und das älteste erhaltene motorisierte Verkehrsmittel der Schweiz ist, in mehreren tausend Arbeitsstunden mit so wenig fremder Hilfe wie möglich nachgebaut. «Insgesamt hat die Bauzeit 30 Jahre gedauert», präzisiert der Mann, der als junger Bursche gern Bootsbauer gelernt hätte. Über ein Praktikum hinaus sei er aber nicht gekommen.

Im Werkunterricht stets Bestnoten

«Während des Berufswahlschuljahres absolvierte ich bei einer Schreinerei- und Bootsbaufirma im aargauischen Dintikon ein Praktikum», sagt er bei unserem Besuch in seiner Wohnung in Rothenburg. Für eine Bootsbauer-Ausbildung hätte Weber nach Frankreich gehen müssen. Er war damals aber erst 16, weshalb sich diese Vorstellung zerschlug. So machte er auf Anregung seines Vaters eine Banklehre.

Modellbau habe ihn schon in der Schule fasziniert. Im Werkunterricht habe er stets Bestnoten bekommen, weshalb er wohl derart Spass an handwerklichen Tätigkeiten habe. Er baute früher einige Segelflugmodelle. Der Modellbau war in seiner Familie Tradition. Sein Vater beschäftigte sich über viele Jahre beruflich mit dem Modellbau, seine beiden Brüder hobbymässig.

Auf die Idee, die «Rigi» als Modell zu bauen, kam er 1986, als das Verkehrshaus Bastelbögen aus Karton in die Haushalte schickte. «Man konnte die aufgezeichneten Teile ausschneiden und zu einem Schiffsmodell im Massstab 1:100 zusammenkleben», erklärt Weber.

Der Bastelbogen war detailgetreu ausgearbeitet worden, weshalb ihn Weber heute als Entscheidungsgrundlage für den Nachbau bezeichnet. «Ich besass noch eine Vierkanal-Fernsteuerung von den Segelflugzeugmodellen. Damit diese für den Nachbau der ‹Rigi› Verwendung finden konnte, musste das Modell aber mindestens dreimal grösser als das Papiermodell werden. So entstand der Massstab 1:331/3», sagt Weber. Das Originalschiff misst nach seiner Verlängerung im Jahr 1894 rund 40 Meter.

Sämtliche Rumpfteile mit dem Laubsägeli hergestellt

Weber organisierte Baupläne, vergrösserte diese auf das benötigte Format und legte los. Mit Sperrholz und Balsaholzplatten fertigte er zuerst den Rumpf an. Sämtliche Teile sägte er mit dem Laubsägeli aus. Mit den Bauplänen allein war es aber nicht getan. Weber verbrachte Stunden im Verkehrshaus, wo er die richtige «Rigi» studierte und Fotos verschiedener Details machte.

Besonderes Augenmerk widmete Weber den Schaufelrädern, die er beinahe wie besessen, detailgetreu bis auf die letzte Querstrebe nachbaute. Aus Stahl und Messing. Er verschraubte Stangen mit einem Durchmesser von 0,7 Millimeter. Nur wenige Halbfabrikate liess er herstellen. Fünf Jahre habe alleine die Fertigung der Schaufelräder gedauert.

Das Dampfschiff Rigi liess er im Oktober im Geiste vom Stapel laufen. Schwimmen würde es – und tat es auch. Aber nur zu Testzwecken in der Badewanne. «Für einen echten Dampfantrieb mit Fernsteuerung ist das Modell zu klein, weshalb ich mich schon früh für den Bau eines Vitrinen-Modells entschieden habe», sagt Weber. Das Modell steht derzeit in seiner Wohnung. Er würde es aber gerne einer breiteren Öffentlichkeit zeigen, etwa in Museen oder Begegnungszentren.

Wichtig für ihn war, dass das Schiff eine hohe Detailgenauigkeit aufweist und damit auch die Funktionalität der beweglichen Schaufelräder demonstriert werden kann. «Und die Erkenntnis, dass ich doch noch eine Schiffsbauerlehre absolviert habe – auch ohne Ausbildungsplatz.»

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

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