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Rothenburg schickt Kinder in den Wald

Ab August gibt es im Kanton Luzern erstmals einen Kombi-Kindergarten. Die Hälfte der Woche werden die Kinder im Schulzimmer betreut – und die andere Hälfte im Wald. Das Rothenburger Modell stösst auch anderswo auf Interesse.
Gabriela Jordan
Waldspielgruppen sind schon länger verbreitet - im Bild eine Gruppe im Luzerner Bireggwald. Wald-Kindergärten hingegen sind noch ungewohnt. Archivbild LZ

Waldspielgruppen sind schon länger verbreitet - im Bild eine Gruppe im Luzerner Bireggwald. Wald-Kindergärten hingegen sind noch ungewohnt. Archivbild LZ

Für Kleinkinder gibt es in mehreren Luzerner Gemeinden bereits Waldspielgruppen, jetzt wird das Modell von einer Volksschule erstmals auch für die Kindergartenstufe eingeführt: In Rothenburg beginnt ab dem nächsten Schuljahr ein Pilotprojekt, das eine sogenannte Kombi-Kindergartenklasse vorsieht. Die Hälfte der Woche verbringen die Kinder dabei im Schulhaus Gerbematt, die andere Hälfte im Huobenfangwald. Geleitet wird das Pilotprojekt von Martin Roos, Schulleiter vom Gerbematt und Konstanzmatte. Er betont, dass es sich dabei nicht um ein Konkurrenzmodell zu den bisherigen Regelkindergärten handelt, sondern um «eine wertvolle Ergänzung.» «Das Angebot richtet sich etwa an Familien, denen die Naturverbundenheit sehr wichtig ist.»

Initiiert wurde das Pilotprojekt nicht von der Schule selbst, sondern von Privaten. Laut Roos sind sie mit der Idee einer reinen Wald-Kindergartenklasse an die Rothenburger Bildungskommission gelangt. Diese fand die Idee nicht schlecht und wandte sich damit an den Kanton, der zu allen Änderungen des Volksschulbildungsangebots seinen Segen geben muss. Eine reine Waldkindergartenklasse fand bei ihm allerdings keinen Anklang. «Das Angebot hätte wohl zu viele Fragen aufgeworfen, insbesondere, ob es mit dem Lehrplan 21 kompatibel wäre», so Roos. Daher arbeitete Rothenburg in der Folge ein angepasstes Konzept aus – den Kombi-Kindergarten. Bei diesem zögerte der Kanton laut Roos nicht und stimmte ihm postwendend zu.

Rechnen mit Tannenzapfen

Auch bei den Familien scheint die Idee gut anzukommen. Für das nächste Schuljahr wurden dafür bereits 22 Kinder im Alter von 4 bis 5 Jahren angemeldet; laut Roos eine ideale Anzahl für eine Klasse. «Das Ganze war schon ein bisschen eine Wundertüte», sagt er. «Wir wussten nicht, ob wir nur wenige oder zu viele Anmeldungen erhalten würden. Wäre das Interesse sehr gross gewesen, hätten wir gleich zwei solcher Klassen eingeführt.» Inhaltlich wird sich das Programm im Wald nicht gross vom regulären Programm unterscheiden. «Um das Addieren zu erlernen, können Kinder im Wald zum Beispiel Tannenzapfen zusammenzählen statt Stifte im Schulzimmer.»

Ob das Angebot dauerhaft bestehen bleibt, ist im Moment noch offen. Roos glaubt aber, «dass es eine gute Geschichte ist, die sich durchsetzen wird». Vorerst ist das Pilotprojekt auf zwei Jahre terminiert, danach will Rothenburg über eine definitive Einführung entscheiden. Punkto Kosten kommt der Kombi-Kindergarten, die Gemeinde nur unwesentlich teurer zu stehen. Mit einer einmaligen Investition von 20000 Franken wird das vorgesehene Plätzchen im Huobenfangwald eingerichtet. Beispielsweise werden Spielsachen und ein Bauwagen angeschafft. Das Waldplätzchen befindet sich bei einer Feuerstelle am Rande des Waldes, gegenüber des Quartiers Hermolingen.

Stadt Luzern prüft ebenfalls Waldkindergarten

Bevor das Schuljahr überhaupt begonnen hat, hat sich das Rothenburger Pilotprojekt bereits in anderen Gemeinden herumgesprochen. Laut Roos haben sich schon mehrere Gemeinden danach erkundigt, darunter Meggen, Hochdorf und die Stadt Luzern. Letztere ist ebenfalls daran, ein solches Angebot zu prüfen. «Wir haben grosses Interesse daran. Seit etwa einem Jahr arbeitet ein Team an dem Projekt», sagt auf Anfrage Vreni Völkle, Rektorin der städtischen Volksschulen. Ihr zufolge gestaltet sich das Vorhaben in der Stadt aber weitaus schwieriger, da sehr viele Bewilligungen notwendig sind, etwa vom Forstamt des Kantons. Ein Waldkindergarten wäre deshalb frühestens ab dem Schuljahr 2019/2020 realistisch.

Der Wald als Politikum

Waldkindergärten, Pfadfinder, Spaziergänger oder Mountainbiker: Dass der Wald als Erholungsraum genutzt werden kann, gilt als Selbstverständlichkeit – ist es aber nicht. Eigentümern, die den Wald pflegen, fehlt es zunehmend an Ressourcen. Dies, weil der Holzpreis in den letzten Jahrzehnten konstant gesunken ist. Schweizweit ist das Thema zum Politikum geworden, jüngst zudem auch im Kanton Aargau. Waldbesitzer und Förster haben dort eine Volksinitiative lanciert, die verlangt, dass Waldbesitzer mehr Geld vom Kanton erhalten. Gefordert sind 16 Millionen Franken pro Jahr statt wie heute 4 Millionen.

Die Regierung lehnt die Initiative jedoch ab, vorgestern hat sich dieser Haltung das Aargauer Parlament angeschlossen. Das Volk stimmt im Herbst darüber ab. Die Debatte im Aargau wird auch von Waldbesitzern in Luzern mit Interesse verfolgt. Das bestätigt Ruedi Gerber, Präsident des Luzerner Waldeigentümerverbands. «Der Wald wird immer intensiver genutzt, gleichzeitig steigen die Ansprüche an die Sicherheit und die Qualität der Waldwege. Die Instandhaltung wird deshalb immer teurer, gleichzeitig sinkt der Holzpreis.» Wie der Aargau zahlt auch der Kanton Luzern für gewisse Leistungen kleine Beiträge an Waldeigentümer, etwa für die Pflege des Jungwaldes. Je nach Vereinbarung werden Leistungen der Waldeigentümer zudem von der Gemeinde entschädigt. Aktuell will zudem das Bundesamt für Umwelt auf lokaler Ebene mit Pilotprojekten testen, wie die Waldeigentümer für ihre Leistungen im Bereich Erholung im Wald entschädigt werden können. (gjo)

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