Asylzentrum in Rothenburg wird frühzeitig geschlossen

Aufgrund rückläufiger Asylgesuche wird das Asylzentrum in Rothenburg Ende Juni 2020 vorzeitig geschlossen. Von der Schliessung betroffen sind zwölf Mitarbeitende der Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen.

Sophie Küsterling
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Im Durchgangszentrum Rothenburg-Station. (Bild: Dominik Wunderli, 29. Januar 2019)

Im Durchgangszentrum Rothenburg-Station. (Bild: Dominik Wunderli, 29. Januar 2019)

Das Asylzentrum in Rothenburg wird sechs Monate früher als geplant geschlossen. Grund sind die rückläufigen Asylgesuche, wie die Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen (DAF) gestern mitteilte. Der Rückgang ist beachtlich. Dem Kanton Luzern wurden im laufenden Jahr durchschnittlich 27 Personen pro Monat zugewiesen. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 waren es im Zuge der Flüchtlingskrise durchschnittlich rund 160 Asylsuchende pro Monat. «Die Schliessung einer kantonalen Unterkunft wird situativ anhand der Zuweisungen, des Gesamtbestands und den Prognosen des Bundes beurteilt», erklärt Silvia Bolliger, Leiterin der DAF.

Das Asylzentrum wurde 2016 eröffnet, die Genossenschaft Migros Luzern hatte dafür einen Teil des BOA-Areals als Zwischennutzung zur Verfügung gestellt. Vorgesehen war eine Betriebsdauer bis Ende 2020.

Noch 405 Plätze in Asylzentren

Mit der Schliessung des Asylzentrums Rothenburg reduziert der Kanton Luzern seine Plätze von 565 auf 405. Da sich die Lage schnell ändern kann, bestehen noch 250 Reserveplätze, die bei grossem Andrang in kürzester Zeit bereit wären. Weitere Schliessungen von Durchgangszentren sind nicht geplant.

Laut einer Prognose des Bundes sei davon auszugehen, dass sich die Situation im nächsten Jahr ähnlich präsentieren werde wie 2019. Zurückzuführen ist dies einerseits auf den generellen Rückgang der Asylgesuche, andererseits auf das neue Asylverfahren, das im März 2019 in Kraft getreten ist. Seither wird nur noch rund ein Drittel der Asylsuchenden im Verfahren auf die Kantone verteilt. «Wegen der stetigen Verschärfung der Gesetze ist die Schweiz derzeit auch kein attraktives Ziel für Asylsuchende», erklärt Bolliger. Im Newsletter Asyl von April schrieb ihre Dienststelle, dass der Bund einen weiteren Rückgang der Asylbewerber im Kanton Luzern prognostiziere. Demnach würden mittel- bis langfristig noch 300 Zentrumsplätze benötigt werden.

Belegung der Asylzentren in den vergangenen zwölf Monaten. (Grafik DAF)

Belegung der Asylzentren in den vergangenen zwölf Monaten. (Grafik DAF)

Die Auslastung der Zentren nimmt seit Anfang 2018 wegen rückläufiger Gesuche stetig ab. Zuletzt waren diese im Kanton Luzern noch zu durchschnittlich 60 Prozent belegt. «Dank der Schliessung rechnen wir in den verbleibenden Zentren mit einer Auslastung von 80 bis 90 Prozent», erklärt Bolliger.

Zwölf Mitarbeiter von Schliessung betroffen

In Rothenburg gehen 9,6 Vollzeitstellen verloren. Betroffen sind zwölf Mitarbeitende, die bereits über den Entscheid informiert wurden. Für sie sind flankierende Massnahmen geplant. Bei internen Vakanzen würden sie prioritär berücksichtigt. Zwei hätten bereits Anschlusslösungen erhalten, heisst es. Der Kanton spart durch die Schliessung des Asylzentrums rund eine halbe Million Franken, vor allem durch tiefere Personalkosten.

Der Kanton Luzern reduziert die Zahl der Plätze in Asylzentren seit 2018. Mit Rothenburg eingerechnet wurde der Abbau von 460 Plätzen bekannt gegeben. Von den Schliessungen betroffen waren 37 Mitarbeiter, die vom Kanton teilweise weiterbeschäftigt werden konnten.