ROTHENBURG: Verstecktes Gemälde wird zum Leben erweckt

Frech, provokativ, besinnlich – ein Osterspiel in der Kirche stellt kritische Fragen. Der Regisseur ist gespannt auf die Reaktionen.

Anja Glover
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Osterspiel-Regisseur Peter Huwyler mit Schauspielerin Cristina Pendl vor dem dominanten Gemälde in der Rothenburger Pfarrkirche, das im Theaterspiel eine zentrale Rolle spielen wird. (Bild: Pius Amrein)

Osterspiel-Regisseur Peter Huwyler mit Schauspielerin Cristina Pendl vor dem dominanten Gemälde in der Rothenburger Pfarrkirche, das im Theaterspiel eine zentrale Rolle spielen wird. (Bild: Pius Amrein)

Seit 80 Jahren schmückt das Kirchengemälde dominant den Chorraum in der katholischen Pfarrkirche St. Barbara in Rothenburg. Gemalt wurde das Bild vom bekannten Schweizer Kirchenkunstmaler Augustin Meinrad Bächtiger (1888–1971). Es zeigt den gekreuzigten Jesus und appelliert an das Mitgefühl des Betrachters. Zu sehen erhält man das Gemälde aber nur selten, da es meist verdeckt ist.

«Das Bild wird oft abgedeckt, da es relativ aufdringlich ist», erklärt der Rothenburger Theaterregisseur Peter Huwyler. «Das Bild erinnert nicht nur an die Kreuzigung und Auferstehung selbst, sondern auch an unsere Unschlüssigkeit, die wir damit verbinden», erklärt er. «Wenn wir ehrlich sind, haben wir doch alle Mühe mit der Osterbotschaft.» Trotzdem praktizieren wir sie, die jährliche Gedächtnisfeier der Auferstehung Jesus Christi. Wir nennen sie Ostern.

Meinungen sind gespalten

Die Pfarrei St. Barbara Rothenburg hat bis Frühling 2015 eine interimistische Leitung. Zum Gemälde äussert sich der ehemalige Pfarrer Josef Mahnig. Die Meinungen zum Gemälde seien gespalten, sagt er: «Die Mehrheit möchte nicht ständig mit Gewalt und den Leiden von Jesus visuell konfrontiert werden.» Um in Gottesdiensten auch mal andere Bilder zeigen zu können, müsse das Gemälde oft mit einem weissen Tuch abgedeckt werden. Trotzdem unterstützt Mahnig das Theaterprojekt. «Ich werde sogar selbst mitwirken», sagt er.

An Ostern 2015 will Peter Huwyler das Gemälde aufdecken und zum Leben erwachen lassen. Es bildet den Ausgangspunkt zu seiner theatralisch-kritischen Auseinandersetzung mit der leibhaftigen Auferstehung. «Das Kreuz mit dem Kreuz», so lautet das Theaterstück, das bereits im Titel die Unschlüssigkeit in Bezug auf die Ostergeschichte anspricht. Huwyler will sich auf unkonventionelle Art mit dem Kreuzweg auseinandersetzen. Dabei handle es sich keineswegs um ein Passionsspiel, bei dem die Ostergeschichte lediglich nachgespielt würde. «Das wäre viel zu langweilig, ausserdem ist es praktisch unmöglich, etwas derart Abstraktes darzustellen», erklärt Huwyler. Stattdessen wolle er die Geschichte hinterfragen.

Dazu lässt Huwyler seine Hauptfigur, den Widersacher – den Gegenspieler – antreten, der hemmungslos alles hinterfragt: «Er zerreisst das Gemälde, deckt Widersprüche auf und erhofft sich Antworten», so Huwyler. Als Kontrahenten versuchen die vier Evangelisten die Ostergeschichte zu erklären. Beantwortet werden aber weder die Fragen des Widersachers noch die der Zuschauer.

Auseinandersetzung mit Glauben

«Es soll kein Happy End geben, es ist jedem selbst überlassen, für welche Antworten er sich entscheidet.» Trotzdem erachtet es Huwyler als unerlässlich, sich in der heutigen Welt erneut mit der Glaubensfrage auseinanderzusetzen. Frech, provokativ und besinnlich – so lauten die Schlagworte des Stücks. Das dürfte gerade bei einem religiösen Thema Kritik auf sich ziehen. «Dessen bin ich mir durchaus bewusst, und ich bin gespannt auf die Reaktionen der Zuschauer», sagt der Regisseur.

Der ursprünglich aus Davos stammende Peter Huwyler ist seit Jahren als freischaffender Theaterregisseur tätig. Bis heute inszenierte er 17 Theater und wurde 2012 mit dem Guta-von-Rothenburg-Preis ausgezeichnet, der jährlich für soziales und kulturelles Engagement im Dienste der Gemeinschaft verliehen wird.

Wie üblich für seine Werke wird auch das kommende Osterspiel in allen Facetten durchkomponiert sein. «Es handelt sich um ein Stück auf drei Standbeinen,» so Huwyler. Im ersten seien Text und Figuren, die virtuell aus dem Bild hervortreten. Ein weiteres tragendes Element des Osterspiels sind Gesang und Musik, wobei es sich nicht nur um Farbtupfer zu den Geschehnissen handelt, sondern um wichtige Kompositionen. «Und schliesslich die Bewegungsgruppe, durch welche die Figuren imitiert werden», so Huwyler.

38 Laiendarsteller

Insgesamt arbeitet er mit einem Ensemble von 38 Laiendarstellerinnen und -darstellern aus Rothenburg und Umgebung, acht Berufsmusikern und Sängerinnen und einer vierköpfigen Bewegungsgruppe.

Hinweis

Aufführungsdaten: 21./25./27./28./31. März und 3. April 2015, jeweils 20 Uhr in der Pfarreikirche St. Barbara in Rothenburg. Kosten: 35.– (Jugendliche bis 18: 20.–). Tickets sind erhältlich ab dem 15. 11. unter: www.rothenburger-osterspiel.ch