Rothenburg
Weil sie wegen Corona derzeit keine Arbeit haben: Car-Chauffeure helfen im ÖV aus

Ein Fahrer der Gössi Carreisen AG ist derzeit bei der Auto AG Rothenburg im Einsatz. Das ist kein Einzelfall.

Stefan Dähler
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Aufgrund der Corona-Einschränkungen steht der Betrieb der Horwer Firma Gössi Carreisen AG derzeit fast komplett still. Dennoch sind einzelne Mitarbeitende im Einsatz – bei anderen Firmen. Gössi-Chauffeur Matthias Kempter etwa arbeitet derzeit für die Auto AG Rothenburg, wie diese in einer Mitteilung schreibt.

Matthias Kempter vor einem Bus der Auto AG Rothenburg.

Matthias Kempter vor einem Bus der Auto AG Rothenburg.

Bild: Nadia Schärli (Rothenburg, 17. Februar 2021 )

«Ursprung der Idee war, dass derzeit der ÖV sein Angebot nicht reduziert hat – im Gegensatz zum ersten Lockdown im letzten Frühling», sagt Martin Senn, Geschäftsführer der Auto AG Rothenburg:

«Wir wollten daher gerüstet sein für den Fall, dass Chauffeure wegen Quarantäne oder Isolation ausfallen, da wir den Auftrag haben, all unsere Kurse weiterhin zu betreiben.»

Kempter ist weiterhin bei Gössi angestellt, erhält von dort auch den Lohn und trägt während der Arbeit auch ein Gössi-Hemd. Zusätzlich hat die Auto AG zwei Chauffeure der Firma Estermann Reisen Beromünster und eine Chauffeuse der Twerenbold Reisen Baden fix übernommen. «Wir haben so einen leichten Überbestand, um allfällige Engpässe zu überbrücken», sagt Senn. Wenn sich der Reisemarkt erholt, sei man offen, die Betroffenen wieder zu ihren früheren Firmen wechseln zu lassen, wenn sie das wünschen.

Bisher habe man in der Auto AG Rothenburg nur wenige Erkrankungen oder Ausfälle wegen Quarantäne verzeichnet. Das angestammte Personal müsse deswegen aber nicht die Pensen reduzieren. «Wir nutzen die Kapazitäten nun dafür, Weiterbildungen nachzuholen, die während des ersten Lockdowns ausgefallen sind.»

Schulungen für den Wechsel vom Car zum Linienbus

Der Wechsel vom Car zum Linienbus sei grundsätzlich gut möglich, benötigt wird dieselbe Fahrausweiskategorie. «Es sind aber schon Schulungen nötig, denn ein Gelenkbus verhält sich etwas anders als ein Car und man muss sich daran gewöhnen, regelmässig anzuhalten.» Umgekehrt könne man auch von den Carchauffeuren etwas lernen. Senn macht folgendes Beispiel: «Sie sind sich als Reiseleiter gewohnt, die Passagiere stets freundlich zu begrüssen, das ist ein Gewinn für uns.»

Für Marco Gössi, Geschäftsführer der Gössi Carreisen AG, ist es «eine Win-win-Situation». «Wir können einige unserer Mitarbeiter, die das wünschen, beschäftigen und die Auto AG Rothenburg kann den Betrieb sicherstellen.» Zwei weitere Gössi-Angestellte arbeiten derzeit bei der Firma Odermatt, einem Subunternehmen der Zugerland Verkehrsbetriebe. Weiter helfen ein bis zwei Chauffeure bei der Emmi als Lastwagenfahrer aus und ein bis zwei Mechaniker bei der Nutzfahrzeug Zentralschweiz AG.

Diese Mitarbeiter erhalten weiterhin den vollen Lohn. Der Rest der rund 35-köpfigen Gössi-Belegschaft befindet sich grösstenteils in Kurzarbeit. Einige wenige Aufträge sind noch geblieben: der Transport der ersten Mannschaft des FCL und mehrerer Teams des EVZ an Auswärtsspiele sowie die Schulbusfahrten im Auftrag der Gemeinde Horw. Letztere werden derzeit von der Geschäftsleitung durchgeführt. «Die Krise trifft uns hart und geht an die Substanz», sagt Gössi. Man habe ein Gesuch für Härtefallgelder eingereicht, aber noch keine Antwort erhalten.