ROTHENBURG: Weniger Busse – mehr Gedränge

Wer mit dem Bus in die Stadt will, muss neuerdings meistens umsteigen. Doch viele quetschen sich lieber in einen der wenigen Direktbusse. Der Verkehrsverbund will die Pendler nun zum Zugfahren umerziehen.

Sandra Monika Ziegler
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Gestern Abend am Franziskanerplatz: Der 52er Richtung Rothenburg–Rain ist überfüllt. (Bild Corinne Glanzmann)

Gestern Abend am Franziskanerplatz: Der 52er Richtung Rothenburg–Rain ist überfüllt. (Bild Corinne Glanzmann)

Sandra Monika Ziegler

Seit der Fahrplanumstellung vom 13. Dezember bietet sich jeden Morgen das gleiche Bild: Die Pendlerkurse von Rothenburg nach dem Luzerner Bahnhof sind hoffnungslos überfüllt. Das Gleiche auch abends auf dem Rückweg. Wer den Bus am Bahnhof Luzern besteigen kann, hat die Chance auf einen Sitzplatz; am Kasernenplatz gibt es, wenn überhaupt, nur noch Stehplätze. Unter den Passagieren sorgt dies für grossen Ärger, wie zahlreiche Reaktionen von Lesern unserer Zeitung zeigten.

Der Grund für diesen unbefriedigenden Zustand liegt im Fahrplanwechsel von Mitte Dezember. Damals wurde die Zahl der Direktbusse zwischen Rain/Rothenburg und Luzern deutlich reduziert. Viele Busse der Linien 50/51/52 fahren nur noch bis Rothenburg Dorf – die Passagiere Richtung Stadt müssen dann am Rothenburger Bahnhof auf die S 1 umsteigen. Doch das ist vielen zu kompliziert. Also warten sie lieber, bis einer der wenigen Direktbusse fährt – entsprechend überfüllt sind diese Busse nun. Kommt hinzu: Wer beispielsweise von Rothenburg zum Kasernenplatz will, muss notgedrungen den Direktbus nehmen, wenn er nicht einen grösseren Umweg über den Bahnhof Luzern in Kauf nehmen will.

«Das muss sich noch einpendeln»

Für den Verkehrsverbund Luzern (VVL) «ist das Problem bekannt», sagt Sprecher Christoph Zurflüh. Es gebe eben Busse mit sehr hoher Belastung und solche mit noch freien Kapazitäten. Doch auf den Linien 50/51/52 hat sich das Problem seit dem Abbau von Direktverbindungen stark akzentuiert. Christoph Zurflüh dazu: «Das muss sich noch einpendeln. Mit der grossen Umstellung vom letzten Dezember wurde in die Gewohnheiten der Fahrgäste eingegriffen, und Gewohnheiten werden nicht von heute auf morgen geändert.» Trotzdem zeigt sich Christoph Zurflüh zuversichtlich. Er ist überzeugt, dass die Fahrgäste mit der Zeit die Möglichkeiten des neuen Fahrplanes ausloten und so für sich eine optimale Lösung finden werden. «Wir haben die Linie 51 unter enger Beobachtung. Jetzt schon ein Fazit zu ziehen, ist jedoch verfrüht.»

Zurflüh verweist auf die Linie 70, die im Jahr 2013 eingeführt wurde und von Sempach Station nach Rothenburg führt. Auch dort habe es zu Beginn sehr belastete Busse gegeben, doch mit der Zeit seien immer mehr Fahrgäste in Rothenburg auf den Zug Richtung Stadt umgestiegen und würden heute die Vorteile der Bahn schätzen.

Opfer der Sparmassnahmen

Trotzdem ist es eine Tatsache, dass der neue Fahrplan für Rothenburger und Rainer wegen des häufigen Umsteigens auf die Bahn weniger attraktiv ist als vorher. Dazu sagt Martin Senn, Geschäftsführer der Auto AG Rothenburg: «Das aktuelle Angebot ist unter anderem die Folge der kantonalen Sparanstrengungen, bei welchen auch beim ÖV-Angebot Abbauten vorgenommen werden mussten.» Im Fall von Rothenburg habe dies allerdings auch Sinn gemacht, da die Linie 51 und die S-Bahn jeweils zeitgleich zwischen Rothenburg und Luzern verkehrten. Diese Doppelspurigkeit sei nicht wirtschaftlich gewesen. Trotzdem werde die Situation «intensiv beobachtet», wie Martin Senn einräumt. «Denn die Kundenzufriedenheit ist für uns sehr wichtig.» Allerdings kann die Auto AG das Fahrplanangebot nicht selber beeinflussen, da dieses vom VVL vorgegeben wird. Das Fahrplanangebot sei von den Finanzierungsmöglichkeiten des VVL und des Bundes abhängig. Wie viel Geld durch diese Fahrplanverdünnung eingespart wird, dazu wollten sich weder die Auto AG Rothenburg noch der VVL äussern.

Weniger Busse bis ins Zentrum

Die Neuregelung ist allerdings nicht nur eine Sparmassnahme. Es entspricht auch dem Konzept des VVL, künftig weniger Busse bis ins Stadtzentrum fahren zu lassen. Busse sollen vermehrt Bahnhöfe in der Agglomeration anfahren, von wo die Fahrgäste dann per Bahn in die Stadt gelangen. Das soll auch die Zuverlässigkeit erhöhen, da die Busse im Zentrum chronisch im Stau stehen. Ähnliche Pläne gibt es etwa für den Bahnhof Ebikon, der ebenfalls zu einem regionalen Umsteigeknoten werden soll.

Postauto-Gäste fahren lieber Zug

Auch die Fahrgäste der Postautolinie 70 haben sich mit dem Umsteigen auf die S 1 mittlerweile arrangiert, wie Postauto-Mediensprecher Urs Bloch bestätigt: «Die Statistik zeigt, dass 60 Prozent der Reisenden am Bahnhof Rothenburg ein- oder aussteigen.» Der Fahrplan des Postautos ist auf die Zuganschlüsse in Rothenburg ausgerichtet. Dabei würden die Fahrgäste der Buslinie vor allem die Fahrplanstabilität schätzen. Und diese sei gewährt, so Bloch. Ganz im Gegensatz zur Linie 72, die weiterhin bis ins Stadtzentrum fährt. «Dort kommt es zum Stau wegen hohen Verkehrsaufkommens auf der A 2 und dem Stossverkehr in der Stadt.»

Ein Problem seien zurzeit allerdings noch die umständlichen Umsteigeverhältnisse in Rothenburg Station, so Bloch. Besonders Personen mit eingeschränkter Mobilität hätten unter der noch mangelhaften Infrastruktur zu leiden. Doch der Kanton Luzern habe diesbezüglich ein Projekt zur Verbesserung am Laufen. «Entsprechende Planungen sind in Vorbereitung», bestätigt Beat Hofstetter, Abteilungsleiter der kantonalen Dienststelle Verkehr Infrastruktur.